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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Besch, Lutz (Ludwig)

Schriftsteller, Publizist

* 1918, 09.03.
Kattowitz/Oberschlesien

† 2000, 09.08.
Wagrain

In Lutz Besch habe die Kunst der Erzählung einen Jünger gefunden, der das Gerede vom Tod dieser Kunstform Lügen strafe, hieß es vor Jahren in einer kritischen Würdigung des Schriftstellers, der eigentlich ein Dichter ist, nimmt man sein ebenso umfang- wie facettenreiches Werk als Ganzes. Es reicht von seinen Theaterstücken der Jahre 1951 bis 1958, seinen zwischen 1955 und 1986 erschienenen 15 Büchern bis hin zu Hörspielen, Features und Funkerzählungen für den Hörfunk und Porträts und Dokumentationen für das Fernsehen, nicht zu vergessen seine Herausgeberschaft im literarischen wie im musikgeschichtlichen Bereich.

Am 9. März 1918 im oberschlesischen Kattowitz geboren, ging er nach dem Schulbesuch in seiner 1922 an Polen abgetretenen Heimatstadt 1931 mit seinen Eltern nach Nauen bei Berlin und begann noch während des Zweiten Weltkrieges mit dem Studium de Theater- und Musikwissenschaft und der Germanistik an der Universität Jena, wo er 1944 mit einer Arbeit über den schwedische Erzähler und Dramatiker „Hjalmar Bergmann und sein dramatisches Werk“ zum Dr. phil. promovierte. Nach dem Studium und nach dem Kriege folgten wechselnde Tätigkeiten als Regisseur, Dramaturg und Schauspieler, schließlich verschrieb sich Besch dem Rundfunk, sowohl dem Hörfunk als bald auch dem Fernsehen, und dies vorwiegend bei Radio Bremen. Hier war er von 190 bis 1961 zunächst Hauptabteilungsleiter Wort, dann von 1961 b 1966 stellvertretender Programmdirektor, zugleich von 1964 an Mitglied der Historischen Kommission der ARD und schließlich bis zu seinem Ausscheiden im August 1967 auch Leiter der Kulturredaktion des Fernsehens.

Zu seinen inzwischen zu seltenen Dokumenten gewordenen, stilbildenden Fernseharbeiten, die von Kennern besonders registriert wurden, gehören seine Porträtfilme über Rudolf Alexander Schröder, Manfred Hausmann, Knut Hamsun, Zoltán Kodály und Robert Neumann. Aus seiner Rundfunkzeit insgesamt entstanden die Reihe „Rundfunk und Buch“ (Hamburg 1956/57) und die Schallplattenserie „Deutsche Dichtung – eine klingende Aufgabe“ (Freiburg 1961 ff.). Als Schriftsteller hat sich Besch seit nunmehr drei Jahrzehnten besonders um die Form der Erzählung bemüht, angefangen mit dem Band „Immer nach Hause“ (Hamburg 1955/Zürich 1963) bis hin zu seinen 1986 in Würzburg unter dem Titel „Augenblicke“ erschienenen 52 Kalendergeschichten, „die den Leser über den Augenblick der Lektüre hinaus fordern: Stets blickt man durch das Gitter dessen, was sich ereignet, in die Tiefe des Hintergrundes“. Auf der Jahrestagung des „Wangener Kreises“ 1975, der Gesellschaft für Literatur und Kunst „Der Osten“, gab Besch einen Einblick in seinen inzwischen verwirklichten Plan, den Lebensschicksalen einiger handelnder Personen aus Gerhart Hauptmanns Traumdichtung „Hanneles Himmelfahrt“ nachzugehen, sie – wie er selber sagt — „ausführlicher zu beobachten, als der Dramatiker sie uns allgemein vorstellt“, und so die Lebensgeschichte von Gestalten weiterzuerzählen, welche Hauptmann zum Teil nur für ein paar Minuten auf die Bühne gebracht hat. Auf die „Lebensgeschichte des Mattern-Maurer“ (1975) folgte die Lebensbeschreibung der „Hedwig Soldin, zu allerletzt Tulpe genannt“ (1977) und schließlich die Biographie des Lehrers Heinrich Gottwald (1978) mit dem Titel „Da habe ich sie erst einmal zu mir genommen“. Die „Lebensgeschichten“ erschienen 1987 ebenfalls in Würzburg.

Für seinen Band „Die barmherzigen Pferde“ (Zürich 1962) erhielt Besch 1963 den Förderpreis des Andreas-Gryphius-Preises (Ostdeutscher Literaturpreis) der Künstlergilde Esslingen. Er ist außerdem Eichendorff-Preisträger des „Wangener Kreises“. Seit 1968 lebt Besch in Wagrain im salzburgischen Pongau am Paßübergang zwischen dem Salzach- und dem Ennstal, wohin ihn damals seine Freundschaft mit dem österreichischen Erzähler Heinrich Waggerl zog. Zu dessen 70. Geburtstag am 10. Dezember 1967 gab Besch die Festschrift „Heinrich Waggerl – genauer betrachtet“ (Salzburg 1968) heraus. Drei Jahre nach Waggerls Tod veröffentlichte er auch dessen Nachlaß (Salzburg 1976 ff.). Lutz Besch ist Mitglied des Wangener Kreises (Gesellschaft für Literatur und Kunst „Der Osten“), der Stiftung Kulturwerk Schlesien (Würzburg), des Engadiner Kollegiums und des P.E.N. (Österreich).

Werke: Aller Tage Abend, Urauff. Solingen 1951; Rast vor Hamchang, Urauff. Hamburg 1953; Die Leute aus Saggad, nicht gespielt, 1956; Pikadon, nicht gespielt, ca. 1958; Immer nach Hause, Erz., Hamburg 1955/Zürich 1963; Wartesaal, Erz., Hamburg 1956; Ausgesät sind sie alle, Erz., Zürich 1959; Die barmherzigen Pferde, Hamburg/Zürich 1962; Berichte aus Sammels, Roman, Zürich 1965; Mein Weg zur Musik, Gespräche mit Zoltán Kodály, Zürich 1966; Musik, Musik vor allen Dingen, Erz., Zürich 1968; Gespräche mit Edzard Schaper, Zürich 1968; Das Leben Mozarts (mit B.C. Fischer), Salzburg 1968; Spielstunden, Erz., Zürich 1970; Beethoven, eine Rede, Zürich 1971; Posermann in Wagrain, Roman für Kinder, Wien 1972; Abschied vom Paradies, Roman, Zürich 1974; Lieber Gott, ich danke dir, Fabiennes Gebetein, Lyrik, Hamburg 1979; Augenblicke, Kalendergeschichten, Würzburg 1986. Mitarbeit in Zeitschriften und Anthologien. Herausgebertätigkeit: Rundfunk und Buch l-6, Hamburg 1956ff.; Deutsche Dichtung, eine klingende Anthologie auf Schallplatten, Freiburg 1961 ff.; Auszug des Geistes, die wissenschaftl. Emigration nach 1933 (Bremer Beiträge IV.), Bremen 1962; Menschenbild und Lebensführung, München 1963; Karl Heinrich Waggerl – genauer betrachtet (zum 70. Geb.), Salzburg 1967; Lob der Freundschaft, Zürich 1969; Glück mit Kindern, Zürich 1979; Waggerl – Nachlaß, Salzburg 1976ff.; Hörspiel – Feature – Funkerzählung – u.a.; Fernsehen: Porträt – Dokumentation – Musik – u.a.

Weblink: http://www.rathay-biographien.de/persoenlichkeiten-/F–/Fritsche_Heinz_Rudolf/fritsche_heinz_rudolf.htm

Heinz-Rudolf Fritsche

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