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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Bischoff, Friedrich

Schriftsteller

* 1896, 26.01.
Neumarkt/Schlesien

† 1976, 21.05.
Großweier/Baden

Der Schriftsteller Friedrich Bischoff wurde am 26. Januar 1896 in Neumarkt – einer der ältesten schlesischen Städte – geboren, wo sein Vater sich als Kaufmann betätigte, dem ein altes Kloster als Lagerplatz diente. Wie sehr das Leben in seinem Vaterhaus sein literarisches Schaffen beeinflußte, bekennt er in der nachfolgenden Äußerung: „Der Zug der Gestalten, die durch meine Bücher wandern, beginnt in der Küche des Vaterhauses, wo sich zu den Wochenmärkten allerlei sinnierliches Landvolk, Männer und Frauen, zusammenfand, um sich an einem Topf Kaffee die Hände zu wärmen. Die Geschichten, die dabei erzählt wurden, wozu unsere Köchin das Ihre hinzuzutun wußte, sind mir alle geblieben.“ Sein geschichtliches Interesse mag nicht zuletzt durch das abenteuerliche Umherschweifen inmitten der Stadtmauern geweckt worden sein.

Nach dem Besuch des Gymnasiums wollte Bischoff studieren, aber bereits im August 1914 wurde er Soldat und erlebte den furchtbaren Krieg bis zum schrecklichen Ende. Danach nahm er in Breslau das Studium der Germanistik und Philosophie auf, um es nach wenigen Semestern abzubrechen und als Dramaturg an das Breslauer Theater zu gehen. Inzwischen brachte Bischoff 1921 sein erstes Buch heraus, den Gedichtband „Gottwanderer“. Diesem folgten 1922 die Romane „Ohnegesicht“ und 1925 „Alter“ sowie der Gedichtband „Die Gezeiten“. Als er von 1925 bis 1933 zunächst künstlerischer Leiter der „Schlesischen Funkstunde“ in Breslau und danach ab 1929 Intendant des Schlesischen Rundfunks war, ruhte seine schriftstellerische Arbeit. Im Jahre 1933 verlor er dieses Amt und war über Monate hinweg Untersuchungshäftling der Gestapo, bis es nach einem Prozeß zum Freispruch und zur Entlassung kam. Er ging zunächst nach Berlin und fand im Ullstein-Verlag eine Anstellung als Lektor. Es entstanden 1935 die Romane „Die goldenen Schlösser“ und 1937 „Der Wassermann“ sowie die Lyrikbände „Schlesischer Psalter“ 1936 und „Das Füllhorn“ 1939. Weitere Gedichte erschienen 1955 in „Sein uns Erde wohlgesinnt“. Über seine Lyrik schrieb der Literaturkritiker Fritz Martini: „In diesen Gedichten werden Geschichte, Natur, Alltag und Seele der Heimat zum Heimweh und Liebe durchlebten Gesang. Die alte mystische Romantik Schlesiens findet in ihm ihren bedeutendsten lyrischen Sprecher.“ Und wie äußerte sich Hellmut von Cube zu seinem Werk: „Ich habe vor Jahren einige Gedichte Bischoffs gelesen und noch heute halten sie mich bezaubert. Später kam die eine oder andere Geschichte hinzu, wohlgebaut und gleichniskräftig, von kauzigen und holden Gestalten voll Hintergründigkeit und innerer Bewährung. Und selbst dort, wo Bischoff leichthin seinem angeborenen Drang zu fabulieren und spintisieren, seiner Lust zu spielerischen Schnörkeln und spitzfindigen Zaubereien, zur Figur und Atmosphäre folgt, bleibt er liebens- und bewundernswert.“

Das Kriegsende erlebte Friedrich Bischoff in Wolfshau im Riesengebirge, wo er sich schon vordem angesiedelt hatte. Geschichten und Gedichte waren in dem Band „Sternbild der Heimat“ 1943 noch herausgegeben worden. An seine frühere Tätigkeit anknüpfend wurde Bischoff nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit von 1946 bis 1956 Intendant des Südwestfunks Baden-Baden, zu dessen Ansehen er wesentlich beigetragen hat. Auf Grund seiner Verdienste um den Deutschen Rundfunk wurde er 1951 zum Professor ernannt.

Als Erzähler trat der Schriftsteller weiterhin hervor. So erschien 1953 „Gold über Danae“, eine Sammlung von Erzählungen, und 1964 „Rosenzauber“, in denen manche Erzählungen erneut auf sich aufmerksam machten. Nicht anders geschah es in den fünfziger und sechziger Jahren durch Neuauflagen seiner bekannten Romane.

Im Zusammenhang mit seinem 60. Geburtstag im Jahre 1956 würdigten ihn bekannte Zeitgenossen in der Festschrift „Linien meines Lebens: Friedrich Bischoff. Gestalt, Wesen und Werk.“ Vom WANGENER KREIS – der Gesellschaft für Literatur und Kunst „Der Osten“ e.V. wurde ihm der Eichendorff-Literaturpreis 1976 zugesprochen. Einige Monate nach seinem 80. Geburtstag starb Friedrich Bischoff am 21. Mai des gleichen Jahres in Großweier bei Achern in Baden.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Bischoff

Bild: Archiv des Verfassers.

Konrad Werner

 

 

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