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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Brunatti, Franz Christian

Gynäkologe und Hebammenlehrer

* 1768, 30.03.
Danzig

† 1835, 31.01.
Danzig

Dr. Franz Christian Brunatti, geboren am 30. März 1768 in Danzig, war der Sohn des Kaufmanns Jacob Brunatti und dessen Frau Anna Dorothea, geb. Dalmer. Sein adeliger, aus Grafengeschlecht stammender Großvater  Francesco di Brunatti ver1ieß 1732 aus politischen Gründen seine Heimatstadt Mailand, kam nach Danzig, wo er eine Reederei gründete.

Ab 1778 besuchte Brunatti die Lateinische Oberpfarrschule zu St. Marien und schrieb sich am 9. September 1784 als Schüler des Academischen Gymnasiums in Danzig ein, wo er im April des folgenden Jahres seine schulische Laufbahn fortsetzte. Von  September 1790 bis 1793 studierte er in Jena Medizin bei den Professoren Loder, Stark, Gruner, hörte Reinhold (Philosophie), Göttling (Chemie), Batsch (Botanik), Schütz (Literaturgeschichte) und Friedrich Schiller (Geschichte). 1793-1794 studierte er ein Semester in Würzburg bei Siebold (Chirurgie und Entbindungsmedizin), dann wieder 1794  in Jena, wo er unter Prof. Gruner promovierte (Historia cancri mammae notatu disignissimi per operationem feliciter curati). In Berlin vervollständigte Brunatti sein Studium an der Charité bei Prof. Walter. Dort machte er sein für Preußen gültiges Zweites Staatsexamen (Jena, wo er promoviert hatte, gehörte zu Sachsen). Außerdem belegte er noch einen Kurs in Anatomie bei Walter, der für die Herstellung anatomischer Präparate berühmt war.

Sein Studium finanzierte er teils selbst, teils mithilfe eines Stipendiums von Verwandten. Sein Vater war nach einem Konkurs verarmt und konnte oder wollte ihn nicht unterstützen – auch weil er nach Abschluss des Gymnasiums ohne die Zustimmung seiner Eltern zum Protestantismus konvertierte. Zu Anfang des Jahres 1796 kehrte Brunatti nach Danzig zurück.

Seit 1801 war Brunatti Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft (NFG) in Danzig. Im Jahre 1802 heiratete er Caroline Elisabeth Schmidt, die bereits 1805 starb. 1809 heiratete er zum zweiten Male, Anna Constantia, geb. Beyer, gesch. Thiel. Sie war ihm in den Jahren der napoleonischen Besetzung Danzigs eine große Stütze bei seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten für die NFG, wo beide das durch die Kriegswirren zerrüttete Archiv neu organisierten und katalogisierten. Sie starb am 29. März 1833.

Nach zwei Ehen kinderlos geblieben, verstarb Brunatti am 31. Januar 1835, der nie in seinem Leben eine Mitteilung machte oder Gebrauch von dem Stande, dem er angehörte.

Die humanistischen Ideale der Aufklärung hatte sich Brunatti schon in Jena zu Eigen gemacht. Dort herrschte unter den Studenten ein freisinniger Geist – natürlich beeinflusst durch die Professoren. Zum Ende des Jahres 1794 hörte Brunatti Vorlesungen des Mediziners Professor C. W. Hufeland, der in Jena öffentlich für eine Armenfürsorge eintrat. So begann er sein Berufsleben nicht als Leibarzt eines Fürsten oder Patriziers sondern beschloss, sich der mühevollen Aufgabe der öffentlichen Gesundheitsfürsorge und  der Ausbildung von Hebammen zu widmen. Immer noch starben in Danzig bei der Geburt etwa 50 % aller Neugeborenen. Schon im Jahre 1796, aufgefordert und unterstützt von seinem ehemaligen Lehrer und Freund, dem Stadtphysikus und Mitglied der NFG Dr. E. Philipp Blech, begann er in privater Umgebung und in kleinem Umfang und zu geringer Gebühr Hebammen (höchstens 3 Schülerinnen gleichzeitig) auszubilden, mit dem Ziel, dass diese Unternehmung irgendwann zu einer öffentlichen Einrichtung werde. Zu Beginn gab es viele Schwierigkeiten, sei es, dass die Schülerinnen selbst den geringen Kostenbeitrag nicht leisteten, dass Unwilligkeit zu überwinden war, oder dass er mit ihnen bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter, bereit sein musste, um zu Schwangeren oder Gebärenden zu kommen und Nothilfe zu leisten oder Geburten zu leiten.

Mit Unterstützung der NFG und durch den Danziger Senat ermuntert, in seinen Bemühungen nicht nachzulassen, konnte er schließlich nach vielen Anläufen die preußischen Behörden dafür gewinnen, der Finanzierung einer nach Danzig zu verlegenden Gebäranstalt mit angeschlossener Hebammenausbildung zuzustimmen. Dieses Institut sollte das von Marienwerder, etwa 60 km südlich von Danzig, wo schon eine für Westpreußen zuständige Hebammenschule existierte, ersetzen und für die gesamte Provinz Westpreußen und der Hansestadt Danzig wirksam werden.

Endlich, 1803, wurde seitens der preußischen Provinzverwaltung, die auch die späteren laufenden Kosten sicherstellte, im Zweiten Neugarten, einer Vorstadt von Danzig, ein geeignetes Gebäude erworben und eingerichtet.

Am 1. Dezember 1804 nahm Brunatti seine Arbeit als zweiter Hebammenlehrer und Arzt in der neuen Hebammenschule und Geburtsklinik in Danzig auf, der Dr. Müller, von den preußischen Behörden berufen, als Direktor vorstand. Dr. Müller war bereit seinen Wohnort von Marienwerder nach Danzig zu verlegen, was die preußischen Behörden zur Bedingung gemacht hatten. Er war in der Marienwerder Hebammenschule der Vertreter von Dr. Gerth, des dortigen ersten Hebammenlehrers. Dr. Gerth wollte seinen Wohnsitz nicht wechseln.

Zur Haushebamme wurde eine von Brunatti ausgebildete Hebamme eingestellt. Leider währte die Zeit des neuen Instituts nur zwei Jahre. Der napoleonische Krieg erreichte 1806 auch Danzig. Bis zur Kapitulation Danzigs im Jahre 1807 musste das gesamte Institut mehrmals umziehen, wobei sich der damalige Leiter Dr. Müller sehr um den Fortbestand der Schule und die Entbindungsklinik verdient machte.

Erst nach dem Umzug des Instituts nach dem preußisch verbliebenen Elbing östlich von Danzig konnte Brunatti dort am 10. April 1809 den Unterricht und die Arbeit als Geburtshelfer in erheblich eingeschränktem Umfang wieder aufnehmen, denn dort war die Finanzierung durch die preußischen Behörden sichergestellt. Danzig war durch napoleonisches Diktat Freistadt geworden – und mit hohen Abgaben an Frankreich belastet. Brunatti blieb bis zum Ende des Krieges in Danzig wohnhaft, wo er neben seinem Lehramt als Arzt praktizieren musste, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Am 1. April 1816 bot ihm die preußische Regierung nach dem Tod von Dr. Müller, dem bisherigen Leiter der Hebammenschule und Geburtsklinik, die Leitung des Instituts an. Brunatti wurde Direktor des Instituts in Elbing. Er reorganisierte die Schule, ließ restaurieren, erweitern und die Hygiene verbessern. Das Institut bekam ein neues Antlitz. Ende des Jahres 1816, nachdem Preußen wieder Einfluss in Danzig gewonnen hatte, wurde von den Behörden die Rückverlegung des Instituts nach Danzig beschlossen, wo es am 1. Juni 1819 als „Königliches Provinzial Hebammen- und Endbindungsinstitut“ im Langgarten 33 in Danzig seinen Sitz nahm. In den erweiterten Räumlichkeiten wohnten sowohl der Direktor und erster Hebammenlehrer Brunatti wie auch die Haushebamme und der Hausknecht. Später, 1820, kam noch ein zweiter Lehrer hinzu, der den Direktor im praktischen und auch theoretischen Unterricht unterstützte. Vier Hebammenschülerinnen konnten so je Kurs ausgebildet werden. Die Anstalt nahm ihre Arbeit auf und entfaltete sich bis zum Jahre 1835 ungestört. Nach seinem Tode hinterließ Brunatti, der kinderlos geblieben war, sein Vermögen einer Stiftung zur Verpflegung und Ausbildung von hilfsbedürftigen Kindern, die von Danziger Müttern im Institut geboren worden waren.

In den Jahren 1725-1730 veröffentlichte er über die Danziger Hebammen-Lehranstalt eine Reihe medizinischer Fachartikel und Jahresberichte im Magazin „Journal für Geburtshilfe, Frauenzimmer und Kinderkrankheiten“, herausgegeben von seinem Freund und Kommilitonen in Würzburg, Adam Elias von Siebold. Sein Nachfolger wurde Carl Theodor von Siebold, ein Sohn von Adam Elias von Siebold.

Dr. Rolf Köstlin, Leiter der Hebammen-Lehranstalt zur 20. Jahrhundertwende schrieb 1906 in einer Veröffentlichung der NFG Danzig über den Gründer des Institutes: „Ein Vermächtnis von ihm, welches noch in der Gegenwart segensreich wirkt, ist die Brunatti’sche Stiftung: Die Zinsen eines Kapitals von 129 800 Mk werden für Kinder verwendet, welche in der Hebammen-Lehranstalt geboren werden, und deren Mütter aus Danzig oder dessen Territorium stammen. Voraussetzung ist Hilfsbedürftigkeit der Eltern oder Mütter, bezw. deren Unvermögen, Schul- und Lehrgelder, sowie die Kosten zur Erlernung eines Gewerbes zu bestreiten.“

Werke: Die Entbindungs-Lehranstalt von Westpreußen bis zum Jahre 1825, ein Bericht von Dr. Franz Christian Brunatti. Nach seiner Original-Handschrift veröffentlicht von Dr. Rudolf Köstlin.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Christian_Brunatti

Rainer Brunath

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