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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Dohrn, Anton

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Zoologe

* 1840, 29.12.
Stettin/Pommern

† 1909, 26.09.
München

Anton Felix Dohrn wurde am 29. Dezember 1840 in Stettin geholfen, er war das jüngste der vier Kinder von Carl August Dohrn und seiner Ehefrau Adelheid, geb. Dietrich. Die Familie Dohrn ist in Stettin auf mehreren Gebieten bekannt und berühmt gewesen. Großvater Heinrich Dohrn errichtete in Stettin das Handelshaus Jahn und Dohrn und legte 1817, zusammen mit Johann Friedr. Velthusen, den Grundstein für die pommersche Provinzial-Zuckersiederei und damit auch die Basis für den Familienwohlstand. Der Vater, Carl August Dohrn, studierte in Berlin Jura, war Rechtsreferendar in Stettin, widmete sich dann aber, nach vielen Auslandsreisen uneingeschränkt seinen Neigungen auf dem naturwissenschaftlichen – er war ein anerkannter Entomologe – und künstlerischem Gebiet. Sein Haus in Stettin-Hökendorf war u.a. Treffpunkt großer Musiker der damaligen Zeit, so wurde Felix Mendelssohn der Patenonkel von Anton Felix Dohrn. – Anton Dohrn besuchte das Marienstiftsgymnasium in Stettin und machte dort 1860 sein Abitur. Schon während seiner Schulzeit experimentierte er mit Käfern und Schmetterlingen und publizierte die Ergebnisse seiner Arbeiten in der „Entomologischen Zeitschrift“, die sein Vater Carl August herausgab.

Damals bahnte sich gerade in der Naturwissenschaft die Wende an in der Evolutionsauffassung von der Cuvierschen Katastrophentheorie zur Darwinschen Abstammungslehre. Anton Dohrn wollte zunächst Buchhändler werden, entschloß sich aber dann doch aufgrund der Durchsetzung der Darwinschen Lehre zum Studium der Medizin und Zoologie. Er ging zunächst nach Königsberg, wo er den Naturforscher Ernst Karl v. Baer, den Begründer der Embryologie, als Lehrer hatte. In Bonn leistete er neben seinem Studium seinen einjährig freiwilligen Dienst bei den Königshusaren ab. Danach wechselte er an die Berliner Universität über, um schließlich an der Universität Breslau mit dem Thema „Zur Anatomie der Hemipteren“ zu promovieren.

Seine geistige Übereinstimmung in der Evolutionslehre mit dem Prof. der Zoologie, Ernst Haeckel (1834-1919), der das „Biogenetische Grundgesetz“ aufstellte und sich damit gegen die Schöpfungstheorie wandte, bewog ihn, von Breslau nach Jena zu gehen. Anton Dohrn habilitierte sich bei Haeckel mit dem Thema „Studien zur Embryologie und Genealogie der Arthropoden“. Der Thematik beider Arbeiten ist anzumerken, wie einflußreich die beiden Lehrer, resp. ihre Forschungsrichtungen in der Biologie für Anton Dohrn gewesen sind. Er sah seine Aufgabe in der phylogenetischen Forschung mit evolutionshistorischen Methoden, darüber hinaus wollte er aber die „Wandlung der Formen und Leistungen durch das gesamte Tierreich hindurch“ erfassen. Nach Studien in Schottland und in Messina ging Anton Dohrn im Winter 1870 mit einer nur geringen Ausrüstung, aber mit großem Idealismus und mit Forschergeist für seine Pläne nach Neapel. Er konnte und wollte sich nicht nur der Lehrtätigkeit an einer Universität verschreiben. Er hatte klar erkannt, daß es Aufgabe für Akademien ist, das Gesamtgebiet der Wissenschaften umfassend darzustellen. Ihm aber schwebte ein Forschungsinstitut vor, wo ein Forschungsobjekt unter vielerlei Gesichtspunkten untersucht werden konnte. Seine Forschungsstation sollte nicht nur unter dem Aspekt der Zoologie experimentieren, er holte sich dazu auch Botaniker, Physiologen, Hydrologen, Chemiker, Physiker u.a. in „seine Station“. Mit kaum nachvollziehbaren Schwierigkeiten errichtete Anton Dohrn die „Zoologische Station“ in Neapel, die sein Lebenswerk wurde. Als Enkel eines erfolgreichen Kaufmannes in Stettin galt sein Augenmerk auch den Folgekosten dieser auf der Welt einmaligen Einrichtung. Mehrmals mußte er wegen finanzieller Schwierigkeiten sowohl mit der neapolitanischen Stadtverwaltung, der italienischen Regierung, der preußischen Regierung, der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der damals auch der berühmte Arzt Virchow aus Schivelbein/Pom-mern angehörte, u.a. verhandeln. Nur seiner Zähigkeit und seiner Willenskraft, die gepaart waren mit wissenschaftlicher Kenntnis und Überzeugung an seiner Forschungstätigkeit, ist es zu verdanken, daß zoologische Station in Neapel über Jahrzehnte hinweg erhalten den konnte und anfangs von ihm selbst etliche Jahre auch geleitet wurde.

Bereits in Messina verkehrte er im Hause des russischen Staatsrates v. Baranowski. Anton Dohrn heiratete die Tocher Marie v. Baranowska, die Hochzeit fand 1874, kurz nach der Eröffnung der Station, in Warschau statt. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor.

Nicht nur die Arbeitsatmosphäre gab dieser Station etwas Besonderes, vor allem der menschliche Kontakt, der von Anton Dohrn geschaffen und unter seiner Leitung gepflegt wurde. Er nahm das Essen gemeinsam mit Wissenschaftlern und Hilfskräften ein, dabei wurden künftige Projekte und Exkursionen geplant. In den Bibliotheksräumen schuf Anton Dohrn eine Zusammenstellung naturwissenschaftlicher Publikationen, die vollständiger war als alle zoologischen Bibliotheken deutscher und ausländischer Institute und entsprechend von den Wissenschaftlern aus aller Welt genutzt wurde. Kurz vor seinem Tode konnte Anton Dohrn noch die Früchte seines kaufmännischen und diplomatischen Geschickes ernten: Sein Plan, an die Regierungen einzelner Länder, wissenschaftliche Gesellschaften oder Universitäten für eine jährliche Pauschale die Arbeitstische in der Station zu „vermieten“, hatte jedem Platz einen 2000maligen Wechsel von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und verschiedener Nationalitäten zu jenem Zeitpunkt eingebracht. So hatte sich dieses „Tisch-System“ zu einem „permanenten Gelehrtenkongreß“ entwickelt, das beide Weltkriege durch die Fortführung menschlicher Beziehungen der Söhne- und Enkel-Generation der Anton-Dohrn-Ära überdauerte.

Am 26. September 1909 erlag Anton Dohrn einem Herzleiden in München. Die Einäscherung seiner sterblichen Überreste fand an einem Herbsttag 1909 in Jena statt, die Urne wurde im Familiengrab in Stettin-Hökendorf beigesetzt. Sein Nachfolger als Leiter der zoologischen Station in Neapel wurde sein Sohn, Prof. Dr. Reinhard Dohrn, ebenfalls Zoologe. Er führte den internationalen Geist dieser Forschungsstätte weiter. Das Namensverzeichnis der Mitarbeiter und Besucher war breit gefächert: Wissenschaftler aller Fachrichtungen, Künstler, Politiker, Kaufleute u.a. Reinhard Dohrn starb 1963, ihm folgte sein Sohn Peter, ebenfalls Zoologe, als Leiter dieses Dohrnschen Lebenswerkes nach. Drei Generationen dieser Familie haben es verstanden, nicht nur der Wissenschaft zu dienen und sie zu prägen, auch Kontakte über Grenzen und Kontinente zu pflegen und Mäzene für die Kunst zu sein. In der „Stazione Zoologica“ entstanden unter Anton Dohrn die berühmten Fresken von Marees und die Büsten von Hildebrand. – Anton Dohrn war Ehrenbürger seiner Vaterstadt Stettin, die Dohrnstraße führte auf die berühmte Hakenterrasse, wo in dem Museum die nicht minder berühmten naturwissenschaftlichen und Kunst-Sammlungen der Familie Dohrn untergebracht waren.

Lit.: Heuß, Theodor: Anton Felix Dohrn in: Dohrn, pomm. Familie (ev.) Neue Deutsche Biographie, Bd. 4, München 1959. – Leiner, M.: Die Bedeutung der zoologischen Station in Neapel für die deutschen Biologen, Bremen 1937.

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Dohrn

llse Gudden

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