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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Gluck, Christoph Willibald

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Komponist

* 1714, 02.07.
Erasbach, Neumarkt/Oberpfalz

† 1787, 15.11.
Wien

Obwohl Christoph Willibald Gluck als Sohn des Försters Alexander Gluck in Erasbach bei Berching am 2.7.1714 geboren wurde und damit zur Diözese Eichstätt gehörte, wuchs er durch Ortswechsel seines Vaters ab 1. Oktober 1717 in Reichstadt/Nordböhmen auf; Böhmen war nach seinen eigenen Worten gegenüber Mannlich „seine Heimat“. Von Reichstadt ging sein Vater als Forstmeister im Frühjahr 1722 nach Böhmisch-Kamnitz und wohnte im Forsthaus zu Ober-Kreibitz. Michaelis 1727 wechselte die Familie Gluck nach Eisenberg bei Komotau und zog schließlich 1736 endgültig in das erworbene Gut Neuschänke in Hammer bei Brüx. Christoph Willibald Gluck hatte sich der Musik zugewandt,  sich – möglicherweise schon als Vierzehnjähriger – nach Prag begeben und immatrikulierte sich 1731 an der dortigen Universität. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Musiker; das Rüstzeug dafür hatte er sich offenbar in seiner Heimat Nordböhmen erworben, wo die Musik besonders gepflegt wurde. Seine grundlegenden Jugendjahre verbrachte Gluck in böhmischen Landesteilen. Tschechische Musikeremigranten besuchten deswegen gern diesen berühmten Komponisten in Wien und unterhielten sich mit ihm in ihrer Sprache.

1735 wandte sich Gluck nach Wien. Auf verschiedenen längeren Reisen kam er vor allem als Opernmusiker nach Oberitalien, Norddeutschland, England und Dänemark. Ab 1752 ließ er sich endgültig in Wien nieder. Von dort aus besuchte er nach wie vor gern oberitalienische Städte und in den siebziger Jahren auch Paris, er mit seinen Opern große Erfolge erzielte. Seine Opernreformideen allerdings entfachten einen heftigen Streit.

Glucks wacher Geist, seine Musikalität und seine Empfindungskraft ermöglichten ihm, seine neuen Vorstellungen von einer zeitgemäßen Oper zusammen mit anderen, vornehmlich mit sein Librettisten Calsabigi, von Wien aus durchzusetzen. Eine andere Behandlung der Sprache durch den Komponisten, psychologisch bessere Inhaltsausdeutungen bei angestrebter Einfachheit und Zurückdrängung des Secco-Rezitativs zeichnen seine Opern aus; Ouvertüre soll nun auf den Inhalt der Oper vorbereiten und Bezug nehmen; begleitete Rezitative, Arie, Chor und selbst Balletteinlagen waren inhaltlich in einer dramatischen Einheit zusammen gebunden. Weniger seine Instrumentalkompositionen als vielmehr gerade seine Opern machten ihn überall in Europa bekannt. Sein vom Vater ererbter praktisch-wirtschaftlicher Sinn gestattete ihm gesicherte Lebensjahre in Wien, zuletzt war er jedoch du Schlaganfälle körperlich behindert.

Gluck gehört zu den Komponisten jener Generation, die den Übergang des barocken zum frühklassischen Stil durchzusetzen hatten und damit die Brücke zwischen Rameau und Händel sowie Dittersdorf und Mozart finden und bauen sollten. Händel, Dittersdorf und Mozart kannte Gluck persönlich. Der sprachengewandte Christoph Willibald Gluck, zeitweise vornehmlich in Paris und anfänglich teilweise auch in Wien angefeindet, war schließlich ein in ganz Europa anerkannter Komponist, ohne den die klassische Oper nicht möglich geworden wäre. Seine Opern, vor allem „Orpheus und Euridike“, werden nach wie vor gern aufgeführt.

Werke: Christoph Willibald Gluck, Sämtliche Werke, erscheinen seit 1951 im Bärenreiter Verlag Kassel.

Lit.: Rudolf Gerber, Christoph Willibald Gluck, Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Potsdam (2. Aufl. 1950); Anna Amalie Abert, Christoph Willibald Gluck, Bong & Co München (1959).

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