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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hevelius, Johannes

Astronom, Ratsherr, Kaufmann, Bierbrauer

* 1611, 28.01.
Danzig

† 1687, 28.01.
Danzig

Hevelius war um die Mitte des 17. Jahrhunderts und in den zwei Jahrzehnten danach der bedeutendste und berühmteste Astronom Europas und besaß in Danzig die beste Sternwarte der damaligen Zeit, so daß zahlreiche Besucher sie besichtigten, darunter Könige und Staatsmänner, nicht so sehr, um astronomische Beobachtungen durchzuführen, mehr wohl, um von ihr die herrliche Aussicht auf die von Naturschönheiten umgebene Danziger Bucht zu genießen.

Johannes Hewelke, wie sein eigentlicher Name war, entstammte einer Familie, die um 1510 als Bauernfamilie aus Stüblau im Danziger Werder in die zu überregionaler Bedeutung angewachsene Hansestadt eingewandert war und zu einer weitverzweigten Brauerfamilie wurde. Er besuchte das Danziger Akademische Gymnasium, eine im deutschen Nordosten hochangesehene Bildungsanstalt, die fast den Rang einer Universität anstrebte, verließ es aber vor dem endgültigen Abschluß, da zunächst eine Pestepidemie, dann eine Krankheit den Schulbesuch behinderten. Nach einer Ausbildung in mehreren handwerklichen Künsten (Zeichnen, Drechseln, Kupferstechen, Glasschleifen) erhielt er in den Jahren 1630 bis 1634 eine akademische Ausbildung im Ausland. Gemäß vielfachem Brauch bei Danziger Rats- und Kaufmannsfamilien hörte er zunächst juristische Vorlesungen an der Universität Leyden in Holland und wechselte dann nach England und Frankreich. Auch das Studienfach wechselte er, denn er befand sich in der Umgebung bekannter Gelehrter und Naturforscher, in England bei Usher und Hartlieb (dessen Familie aus Danzig und Elbing stammte), in Frankreich bei Mersenne, Gassendi, Boulliaud und dem berühmten Jesuitenpater Athanasius Kircher, für den er sogar Kupferstiche hergestellt haben soll. Im Jahre 1634 nach Danzig zurückgekehrt, trat er in die Brauerei seines Vaters ein, heiratete ein Jahr später eine Brauertocher, Catharina Rebeschke, und übernahm die Leitung der Brauerei seines Schwiegervaters. Seit 1636 war er selbständiges Mitglied der Brauerzunft.

Seinem ehemaligen Lehrer am Akademischen Gymnasium, Professor Dr. Peter Crüger, gelang es im Jahre 1639, die schon beim Schüler zu beobachtende Begeisterung für die Wissenschaft der Astronomie wiederzuerwecken und ihm auch die ersten Instrumente und Bücher zu übereignen. Johannes Hewelke hat von nun an sein Leben lang mit größter Ausdauer die Gestirne beobachtet, beschrieben und auch theoretisch zu ergründen gesucht. Sein erstes Werk, die Mondbeschreibung von 1647 mit über hundert selbstgestochenen, hervorragenden Kupfertafeln, machte ihn mit einem Schlage berühmt; für fast einhundertfünfzig Jahre wurde es zu einem Standardwerk der Wissenschaftler. Weitere bedeutende und sehr umfangreiche Werke folgten, insgesamt weit über 3000 Seiten mit über 300 wissenschaftlich und auch künstlerisch wertvollen Kupferstichen, größtenteils von eigener Hand, wodurch sich auch der Wert dieser Abbildungen für die Astronomen erklärt.

Wissenschaftliche Detailleistungen wie die auf genauer Beobachtungsgabe beruhende Mondbeschreibung und die Mondkarten, die Erfindung der Pendeluhr um 1655, unabhängig von Huyghens, die Entdeckung der dritten Mondlibration (scheinbare Mondschwankung) und zweier Doppelsterne, die Beobachtung des Veränderlichen Mira im Walfisch, Helligkeitsmessungen und -schätzungen, über 1500 recht genaue Vermessungen von Sternpositionen machten ihn zum „Fürsten der Astronomie“. Seine überragende Bedeutung im Europa jener Zeit spiegelt auch die in 16 Bänden vorhanden gewesene Briefsammlung wider, in der Wissenschaftler und Staatsmänner, Könige und Fürsten Johannis Hevelius größtes Lob zuteil werden lassen. Im Jahre 1664 wurde er in die Londoner Royal Society aufgenommen, wohl die größte Auszeichnung für einen Naturwissenschaftler der damaligen Zeit. Nach dem Tode seiner ersten Frau im Jahre 1662 heiratete er ein Jahr später die 16jährige schöne und begüterte Kaufmannstochter Catharina Elisabeth Koopmann. Sie muß eine kluge Frau gewesen sein, denn sie hat Hevelius nicht nur bei seinen Beobachtungen assistiert, sondern auch aus seinem Nachlaß Werke herausgegeben, vielleicht darf sie als die erste Astronomin bezeichnet werden. Im Jahre 1679 verlor Hevelius durch einen Brand nicht nur seine überaus kostbare Sternwarte, sondern auch einen großen Teil seiner bewundernswerten Schaffenskraft. Zwar baute er unter Einsatz bedeutender Teile seines Vermögens und einiger Zuwendungen von seiten des französischen und polnischen Königs seine drei Häuser und darauf seine Sternwarte wieder auf, doch er starb bald darauf an seinem Geburtstag, am 28. Januar 1687. Daß Hevelius heute zu den Fast-Vergessenen zählt, trotz seiner unbestreitbar wertvollen Leistungen, liegt auch an der Geschichte des Fernrohrs: Zwar baute er selbst Fernrohre für die Zwecke der astronomischen Beobachtung, schliff selber die Linsen und verkaufte sie sogar, aber die meisten seiner Beobachtungen stellte er aus gutem Grunde mit bloßem Auge an. Erst eine oder zwei Generationen nach ihm war die Qualität der Fernrohre so gut, daß die mit ihnen erzielte Genauigkeit der Messungen besser, dann aber auch wesentlich besser war als seine eigene. Damit war ein Großteil seiner Arbeit überholt, nicht aber seine Leistung. Seine handwerklichen Fähigkeiten, verbunden mit seiner nach ihm wohl nicht mehr erreichten Genauigkeit der Beobachtung ohne Fernrohr, sein unerhörter Fleiß und sein kaufmännisches Geschick (denn der Bierbrauer und Kaufmann Hewelke finanzierte den Wissenschaftler und Buchautor Hevelius) machen ihn zu einer der bewunderungswürdigsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten seiner Epoche.

Werke (in Auswahl): Selenographia, Danzig 1647; Mercurius in sole visus, Danzig 1661; Cometographia, Danzig 1668; Machina coelestis, Teil l und 2, Danzig 1673 und 1679; Annus climactericus, Danzig 1685; Prodromus astronomiae, Danzig 1690, postum.

Lit. (in Auswahl): C. B. Lengnich: Hevelius. Danzig 1780. J. H. Westphal: Studien und Schriften des Astronomen Johann Hevelius. Königsberg 1820. J. Hevelke: GertHavelke und seine Nachfahren. Danzig 1927. H.-J. Kämpfert: J. H. – Ein Astronom
aus Danzig, in: Westpreußen-Jahrbuch Band 20, Münster 1970. Danziger Naturwissenschaftler, in: Danzig in acht Jahrhunderten, Münster 1985. Hevelius – der „Fürst
der Astronomie“. Düsseldorf 1986.

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