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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hupel, August Wilhelm

Publizist

* 1737, 25.02.
Buttelstedt/Thüringen

† 1819, 06.01.
Weißenstein/Estland

Der aus Thüringen stammende Pastorensohn August Wilhelm Hupel gelangte als 20jähriger, nach einem Theologiestudium in Jena, 1757 als Hauslehrer nach Riga. Auch für ihn sollte Livland zum „Blivland“ werden, wie es der bekannte baltische Publizist Julius von Eckardt für die vielen Reichsdeutschen des 18. Jahrhunderts, die im Baltikum heimisch wurden, ausgedrückt hat.

Hupel wurde schließlich Pastor, zuerst in Ecks von 1760-1763, dann in Oberpahlen. In Oberpahlen in Livland wirkte er von 1763-1804, über 40 Jahre. Neben seiner seelsorgerlichen Tätigkeit, seinem karitativen Engagement für Alte und Kranke, seinem Einsatz für das Landschulwesen entfaltete er in Oberpahlen in einer eigenen Druckerei eine überaus fruchtbare publizistische Tätigkeit im Sinne der Aufklärung. Diese wurde schließlich weit über die Grenzen des Kirchspiels, über die Grenzen der Provinz, über das gesamte Baltikum hinaus bekannt.

Hupel gehört zu den entscheidendsten Aufklärern und Vermittlern der deutsch-russischen Beziehungen im 18. Jahrhundert. In topographischen Nachrichten sammelte er Material. Zahlreiche Mitarbeiter stellten sich ihm schließlich zur Verfügung, als er begann die „Nordischen Miscellaneen“ herauszugeben, eine Zeitschrift, die von1781-1798 bestanden hat. Die „Nordischen Miscellaneen“ enthalten historische, allgemeinwissenschaftliche und politischeArtikel, nicht zuletzt beschäftigen sie sich mit dem estnischen und lettischen Volkstum.

Die „Nordischen Miscellaneen“ sind das livländische „Aufklärungsorgan“ schlechthin genannt worden. Und bemerkenswert ist, daß als erster ausführlicher Beitrag ein Aufsatz von Hupel selbst erschien, der betitelt war: Über den Nationalcharakter der Russen. In diesem versucht er, unbegründete Vorurteile über die Russen abzubauen, wie sie in zahlreichen Reisebeschreibungen vorgenommen worden waren.

August Wilhelm Hupel lehnte in seiner 40jährigen Zeit in Oberpahlen konsequent Berufungen an andere, höhere Stellen ab. So schlug er den Posten des Oberpastors in Reval 1773 aus, ebenso lehnte er eine Berufung an die Deutsche St. Petrikirche in St. Petersburg ab. Auch den Posten des Livländischen Generalsuperintendenten schlug er 1798 aus. Erst im Jahre 1804, nach seiner Pensionierung, zog er in die Stadt Weißenstein und hat dort seine schriftstellerische Tätigkeit bis hin zum Tode fortgesetzt. Er war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. 1803 wurde er zum Dr. phil, und 1819, in seinem Todesjahre, noch zum Dr. theol. der Universität Dorpat promoviert. Zu Hupels Werken gehören u.a.: „Topographische Nachrichten von Lief- und Ehstland“, die in 3 Bänden von 1774 bis 1782 erschienen. Dann gab er eine estnische Sprachlehre heraus. Ein weiteres Werk behandelt: „Die gegenwärtige Verfassung der Rigischen und Revalschen Statthalterschaft“. „Ein Idiotikon der deutschen Sprache in Lief- und Ehstland“ zählt ebenfalls zu seinen Werken. Und das „Ökonomische Handbuch für lief- und estländische Gutsherren wie auch deren Disponenten“ ist ein bemerkenswertes Buch. Zahlreiche Abhandlungen zur baltischen Geschichte und Landeskunde, über die estnische Sprache, vor allem auch Übersetzungen ins Estnische sind noch zu nennen. „Die Nordischen Miscellaneen“ erschienen in 28 Bänden von 1781-1791, dann die „Neuen Nordischen Miscellaneen“ in 18 Bänden von 1792-1798. Unermeßlich ist sein Wirken durch die Sammlung zahlreichen Materials zur baltischen Landesgeschichte, durch die Sammlung zahlreicher Mitarbeiter in den „Nordischen Miscellaneen“. Insbesondere seine Tätigkeit für die Letten und Esten, die wie die anderen Tätigkeiten durchaus an die Seite des Werkes von Johann Gottfried Herder gestellt werden können, sind hervorzuheben.

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