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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Karl IV.

Römischer Kaiser, Römisch-deutscher König, König von Böhmem, Italien und Burgund

* 1316, 14.05.
Prag

† 1378, 29.11.
Prag

Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten deutscher und europäischer Geschichte zählt Kaiser Karl IV., dessen Todestag vor 600 Jahren uns Anlaß gibt, seiner großen Leistungen zu  gedenken. Johann von Luxemburg und Elisabeth aus dem Hause der Premysliden waren seine Eltern. Sein eigentlicher Name war Wenzel, und erst bei seiner Firmung in Paris, wohin er zum Studium gesandt worden war, nahm er den Namen Karl an. Sein dortiger Lehrer war übrigens Pierre Roger, der spätere Papst Clemens VI. Der sich straffende Zentralismus des französischen Königtums lehrte ihn Politik. Zwei Jahre Italien, wo er das Zufallsreich des Vaters verwalten sollte, lehrten ihn die Macht politischer Wirklichkeiten noch eindringlicher kennen. Kaum achtzehnjährig kam er 1333 als Regent nach Böhmen. Als Mitregent seines Vaters regelte Karl die verwilderten Verhältnisse im Lande. Der Vater hatte ihm nur den Titel Markgraf von Mähren zugestanden, wohl um der eigenen Würde nicht Abbruch zu tun. Doch Karl ging beharrlich und zielsicher ans Werk und erwarb sich bald das Zutrauen der Städte und des Volkes. Ein neues Zeitalter stieg mit Karl herauf, und er war sein erster weit blickender Gestalter, nicht zuletzt deswegen, weil ihm sein Vater 1346 die deutsche Königskrone erwirkt hatte. Damit ist er in jenen Streit der Meinungen hineingestellt, der seit Maximilians I.  Ausspruch von „des Reiches Erzstiefvater“ seine Gestalt umgab. Erst neuere Forschung hat erkannt, was dieser Herrscher im Gesamtschicksal des Reiches bedeutet. Er hat das immer schwankendere Gefüge des Reiches auf die feste Grundlage einer Hausmacht gestellt, eben seine böhmischen Lande, die er dem Reiche einband ebenso wie den deutschen Osten, der so erst dem Reiche politisch gesichert wurde. Er hat als Anreger einer frühen deutschen Renaissance Roms geistiges Erbe auch dem deutschen Osten eingepflanzt, unter dessen Wirken jene ostmitteldeutsche Sprachbewegung einsetzen konnte, die unserer Sprache die heutige Form gegeben hat. Neu waren auch seine politischen Ziele. Er setzte der mit ihrem Schwergewicht südwärts drängenden Imperiumsidee der Staufer – noch sein Großvater Heinrich VII. hatte ihr bis zum Tode gedient – den zeitgemäßen Gedanken einer ostwärts gerichteten Kulturpolitik entgegen. Bewußt baute Karl am Kern der neuen Kultur. Drei Bildungsmächte rief er auf, um sein Werk geistig zu durchdringen: Erzbistum, Universität und Kanzlei. Seine beiden kongenialen Partner waren dabei Ernst Malowetz von Pardubist, der 1344 Erzbischof von Prag wurde, und später dann Johann von Neumarkt, ein schlesischer Geistlicher, der über Breslau nach Prag in die Kanzlei kam (1347) und 1353 oberster Kanzler dieses Instituts wurde. Dort wurde übrigens die Grundlage für die folgenreiche mitteldeutsche Sprachbewegung bereitet, in die dann anderthalb Jahrhunderte später durch Luthers Bibelübersetzung der protestantische Osten und unter seiner Führung schließlich ganz Deutschland eingehen sollte. Prag war in dieser Zeit Karls IV. neben Rom und Paris ein europäisches Machtzentrum. Die Stiftung der ersten deutschen Universität (1348) und die Schaffung des ersten Reichsgrundgesetzes, die „Goldene Bulle“, mit der Karl die Wahl des Königs auch gesetzlich regelte (1356), sollen stellvertretend für zahlreiche andere Leistungen dieses deutschen Kaisers genannt werden. Stumme und dennoch so beredte Zeugen seines Wirkens sind in Prag zu sehen, jener Stadt an der Moldau, der er seinen Stempel aufgedrückt hat.

Bibl.: Oskar Schürer: „Prag“, Vierte veränderte Auflage, Georg Callwey Verlag/München, Rudolf M. Rohrer Verlag/Brunn, Oktober 1940.(1978)

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