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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Kollwitz, Käthe

Grafikerin, Bildhauerin

* 1867, 08.07.
Königsberg i.Pr.

† 1945, 22.04.
Moritzburg bei Dresden

Zu den deutschen Persönlichkeiten, die die moderne Kunst weitgehend mitgeprägt haben und deren Werke heute von beiden Teilen Deutschlands anerkannt sind, gehört die Ostpreußin Käthe Kollwitz. Das ist keineswegs so selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie gegensätzlich sich die Kunstströmungen nach dem Krieg in Ost und West entwickelt haben und wie die zeitgenössische Kunstgeschichte der Bundesrepublik Deutschland etwa durch Josef Beuys, jene der DDR durch Werner Tübke etikettiert sind. Dabei stand das Oeuvre der vor 120 Jahren geborenen Zeichnerin, Grafikerin und Plastikerin bis zur Liquidierung des Dritten Reiches wechselvoll in der Gunst sowohl der Offiziellen wie des Volkes. Kein Geringerer als der große Adolph von Menzel, der Berliner aus Schlesien, schlug die junge Künstlerin 1898 für die Goldene Medaille der Großen Kunstausstellung Berlin vor, was allerdings von Kaiser Wilhelm II., der ihre Werke als „Rinnstein-Kunst“ apostrophierte, vereitelt wurde. 1907 weilte Käthe Kollwitz als Stipendiatin des Villa-Romana-Preises in Florenz, 1929 erhält sie den Orden „Pour le Mérite“. Jedoch kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verliert sie die Leitung des Meisterateliers für Graphik an der Berliner Akademie, wird aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen, und 1936 erfolgt das „inoffizielle Ausstellungsverbot“.

Einer ihrer Söhne fiel als Kriegsfreiwilliger schon in den ersten Kriegsmonaten (1914), ihr Enkel 1942 an der sowjetischen Front. Ein Jahr danach wird die Berliner Wohnung mit dem Künstleratelier von Bomben zerstört, ein großer Teil ihres Werkes vernichtet. Am 22. April, wenig Tage vor Kriegsende, stirbt die bedeutende Künstlerin in Moritzburg.

Sie hat ihr Schicksal tapfer ertragen und sich stets mit ihrer Kunst und mit Rat und Hilfe für die Benachteiligten und Bedürftigen eingesetzt. Das begann 1893 mit der Radierfolge „Ein Weberaufstand“, die unter dem Eindruck von Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“ in Angriff genommen wurde. Nicht zufällig stand die Künstlerin auf der Seite der Armen, obwohl sie als Professorin und durch ihre Heirat mit dem Arzt Dr. Karl Kollwitz zur „akademischen Schicht“ gehörte. Doch gerade durch den Beruf ihres Mannes, dessen Praxis im Norden Berlins lag, lernte sie Not und Elend der Menschen kennen. Mit sozialen Fragen war sie freilich schon in ihrer Jugend in Berührung gekommen: Ihr Vater, Maurermeister, hatte die Stelle eines Predigers in der Freireligiösen Gemeinde in Königsberg bekleidet.

Ihre zeichnerischen, plastischen und grafischen Werke (Radierung, Holzschnitt, Litho) sind dem Menschen gewidmet, dem Porträt, vor allem aber dem leidenden Menschen („Deutschlands Kinder hungern!“, Litho, 1924), der Arbeiterschaft („Solidarität“), den Trauernden, dem Tod. Der Krieg hat ihr ja selbst schmerzliche Verluste beschert, begreiflich, daß sie in die Welt schreit: „Nie wieder Krieg!“ Es sind eindringliche Zeichnungen und Grafiken von expressionistisch-realistischer Ausdrucks weise. 1932 stellt sie ihr „Totenmal“ der trauernden Eltern für ihren gefallenen Sohn auf den Soldatenfriedhof in Roggeville bei Dixmuinden auf, das auf Entwürfe während der Jahre im Ersten Weltkrieg zurückgeht; das von Ewald Matare in Stein nachgebildete Werk befindet sich in der Ruine von St. Alban in Köln und wurde in dieser Gedächtnisstätte 1959 von Prof. Theodor Heuss eingeweiht. Ernst Barlach, Freund der Kollwitz, hat seinem Schwebenden Engel in Bronze (Güstrow/ Mecklenburg und Köln) ihre Züge verliehen. Seit zwei Jahren befindet sich in Köln auch ein Käthe-Kollwitz-Museum. Rund 250 Blätter und 15 Plastiken wurden von der Kreissparkasse Köln erworben und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Hier und da werden kritische Stimmen laut, diese wertvollen Kunstschätze gehörten nicht in ein Geldinstitut, sondern in kommunalen oder staatlichen Besitz. Doch mit Recht fragt die Enkelin der Künstlerin, Frau Jördis Erdmann: „Wäre es denn richtiger, die Blätter weitere Jahre oder Jahrzehnte lang in den Archiven der einzelnen Museen zu verstecken? Sie nur ein- bis zweimal jährlich für interessierte Besucher hervorzuholen? Wäre das vielleicht im Sinne der Käthe Kollwitz, deren Aussage wohl vielen bekannt sein dürfte: ,ICH WILL WIRKEN IN DIESER ZEIT!“

Lit.: H.W. Singer, 1908; J. Sievers, Die Radierungen u. Steindrucke, 1913; A. Kühn, 1921; A. Wagner, die Radierungen, Holzschnitte u. Lithographien, 1927; Das K.K.Werk, 1930; W. Worringer, 1931; F. Schmalenbach, 1948; Ders., 1965; A. Heilborn,41949; H. Isenstein, 1949; G. Strauss, 1951. A. Klipstein, 1953; B. Bonus-Jeep, 1963. Ausst.-Kat. Handzeichn. u. Graphik, Hannover 1967; O. Nagel, Handzeichn. 1972; Ausst.-Kat. Frankfurt 1973; Schmalenbach, F.: K.K., Königstein im Taunus31979; K.K., Zeichnungen. Ausstellungskat. Wallraf-Richartz-Museum, Köln 1973; „Käthe-Kollwitz-Sammlung der Kreissparkasse Köln – Katalog der Handzeichnungen“, 208 Seiten mit 112 meist ganzseitigen Abbildungen und einer ausführlichen Bibliographie (auch autobiografische Schriften). Mit Texten von Dr. H. J. Möhle, Dr. E.W. Kornfeld, Dr. Jutta Bohnke, Prof. Dr. G. Thiem u.a., Köln 1985.

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