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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Lenné, Peter Joseph

Garten- und Landschaftsarchitekt

* 1789, 29.09.
Bonn

† 1866, 29.01.
Potsdam

Gleichsam die heutige Brücke von Bonn nach Berlin nachvollziehend, so ist auch der Lebensweg des einer in mehreren Generationen wirkenden Gärtnerfamilie entsprossenen Peter Joseph Lenné geprägt. Sein Leben begann in Bonn, der Höhepunkt seines Wirkens war in Berlin und Potsdam, wo er auch 1866 gestorben ist. Mit der Gestaltung der Parkanlagen in Potsdam und in Berlin wurde er wohl der berühmteste preußische Garten- und Landschaftsarchitekt. Sein Ruf, wie auch sein Werdegang weisen aber weit über den preußischen Rahmen hinaus und legen Zeugnis davon ab, daß die Metropole Preußens europäisch international geprägt war und ist.

Der Name von Peter Joseph Lenné ist denen der ebenfalls noch heute weit bekannten Namen der Gartenfachleute Sckell und Pückler an die Seite zu stellen. Der erstere schuf den englischen Garten in München, der zweite den englischen Landschaftspark in Muskau an der Oder.

Damit ist ebenfalls für Lenné das Stichwort gegeben. Auch Lenne hat bei seinem Lehrer Sckell in München den englischen Landschaftspark zu gestalten gelernt und diese Form in Preußen eingeführt, aber nicht nur dort, sondern auch auf dem Lande, auf den Gütern der Mark Brandenburg und in Mecklenburg.

Lenné, der einer alten Lütticher Familie entstammte, ursprünglich Le Neu heißend, begann seine väterliche Laufbahn bei einem Onkel in Brühl. 1809 ging er auf Reisen. Erst nach Süddeutschland, dann zwei Jahre später nach Paris. Ein Jahr lernte er dort, betrieb dort Studien der Botanik und Architektur, um schließlich bei F. L. Sckell in München in die Lehre zu gehen. Weitere Lehrjahre folgten. In Wien weilte Lenné, 1812 arbeitete er in Schönbrunn, dann in Laxenburg.

So hatte Lenné bereits europäische Weite bekommen, als er 1816 als Gartengehilfe in Potsdam anfing, und zwar in Sanssouci. Lenné hat die Berliner und Potsdamer Gärten, wie Sanssouci, umgestaltet. Das war seine Hauptarbeit, aber in äußerst rigoroser Art. So gab er dem Tiergarten, dem Schloßgarten von Charlottenburg, seine bis in die Gegenwart bestehende Form. Bemerkenswerterweiee plante Lenné, den Tiergarten 1818 als Volksgarten auszubauen. Dieser sollte durch Aufstellung von Denkmälern in seiner Gesamtheit zu einem „National-Denkmal“ werden!

1824 bekam er in Magdeburg von den Stadtvätern den Auftrag, auf dem Klosterberge bei Magdeburg einen öffentlichen Volkspark zu gestalten, der erste in Deutschland. Mit diesen Planungen von Volksgärten wirkte er geradezu modern, vor allem mit seinem Bemühen, die Parkanlagen in die Stadt miteinzubeziehen.

Im Jahre 1822 unternahm Lenné eine Studienreise nach England, anschließend nach Italien.

Sein erster Auftrag war, den sogenannten neuen Garten in Potsdam in einen englischen umzuwandeln. Es folgte im selben Sinne die Umgestaltung des Parkes vom Gute Klein Glienecke bei Potsdam. Das Gut gehörte damals dem preußischen Staatsmann, dem Grafen von Hardenberg, im übrigen Schwiegervater des Fürsten Pückler-Muskau. Es folgte dann der sogenannte Lustgarten, der zwischen dem Potsdamer Schloß und der Havel gelegen war.

Bereits 1822 wurde Lenné Gartendirector, 1828 alleiniger Director in Berlin und Potsdam. Im Jahre 1854 erreichte er schließlich den äußeren Höhepunkt seines Ruhmes mit der Ernennung zum preußischen General-Director.

Es war das Ziel von Lenné, die ganze Stadt in eine Parkanlage einzubeziehen. Aber auch auf dem Lande, wie etwa auf dem Gut Reichenbach in Pommern, schuf er eine Gartenanlage, die nicht nur beabsichtigte, die unmittelbare Hofanlage einzubeziehen, sondern gleichermaßen das gesamte Gutsgelände sowie das erweiterte Areal nach ökonomischen und ästhetischen Gesichtspunkten bedachte. Unter dem Stichwort „Landesverschönerung“ ist diese aus England eingeführte Sehweise auch in Deutschland am Beginn des 19. Jahrhunderts diskutiert worden.

Lenné hat sich darüber hinaus für den Nachwuchs eingesetzt. Er schuf eine Lehranstalt für Gärtner und eine Landesbaumschule, auch stiftete er einen Verein zur Beförderung des Gartenbaus. Unter dem kunstsinnigen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. konnte sich Lenné in besonderer Weise entfalten. Lenné starb in Potsdam im Jahre 1866.

Im Jahre 1966 wurde, anläßlich des 100. Todestages des großen preußischen Garten- und Landschaftsarchitekten, der „Lenné-Preis des Berliner Senats“ geschaffen.

Lit.: ADB (E. Wunschmann); NDB (H. Weierman); G. Hinz, P.J.L. und seine bedeutendsten Schöpfungen in Berlin und Potsdam, 1937; H. F. Wiepking, Geordnete Umwelt, Fruchtbares Land, Menschliche Wohlfahrt, P.J.L. zum Gedächtnis. 1966; D. Hennebo, Leben und Werk P. J.L.s In: Beiträge zur Landespflege, 3,1967. S. 1.

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