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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Menzel, Adolph von

Maler

* 1815, 08.12.
Breslau

† 1905, 09.02.
Berlin

Kunsthistoriker behaupten, daß Preußen zwei künstlerische Genies hervorgebracht hat, nämlich den Baumeister Friedrich Schinkel (1781-1841) und den Maler Adolph von Menzel. Sicher ist diese Zuordnung unter Fachleuten und Kennern diskussionswürdig, hier aber nicht zu führen. Richtig ist allerdings, daß Adolph von Menzel ein großer und vielseitiger Maler und Künstler war, was nicht zuletzt die zahlreichen Ehrungen zeigen, die er zu Lebzeiten erhielt. Auch heute ist er bei vielen Menschen durch seine Friedrich-Darstellungen bekannt und populär. Man denke nur an das berühmte „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“ (1852). Das Original befindet sich in der Berliner Nationalgalerie und ist bis heute in vielen Wohnzimmern als Nachdruck anzutreffen; für Kaiser Wilhelm II. wurde es das Lieblingsbild. Am 8. Dezember 1815 wurde Menzel in Breslau geboren, sein Vater war Besitzer einer lithographischen Druckerei. 1830 zog die Familie von Schlesien nach Berlin, Menzel erhielt durch seinen Vater eine lithographische Ausbildung. Durch dessen Tod 1832 wurde dies für ihn von zentraler Bedeutung, konnte er doch die Steindruckerei weiterführen und damit seine Familie ernähren. In Berlin fand er sehr bald Kontakt zur Kunstszene, vornehmlich in der Berliner Künstlerakademie. Hier bildete er sich als Maler überwiegend autodidaktisch weiter, was für seinen künftigen Arbeitsstil charakteristisch wurde. Der Kunsthistoriker Franz Kugler wurde auf ihnaufmerksam und erteilte ihm den Auftrag, seine „Geschichte Friedrichs des Großen“ zu illustrieren. Diese Aufgabe sollte Menzels künftige Rolle alsder preußische Historienmaler bestimmen. Von 1839 bis 1842 illustrierte er mit 370 Holzstichen Kuglers Werk, das bis heute populär ist. Die Stiche glorifizieren nicht historische Sternstunden des großen Königs, sondern sie erschließen Geschichte aus eher beiläufigen Motiven. Als Beispiele sind zu nennen „Friedrich der Große in seinem Arbeitszimmer“, „Friedrich am geöffneten Sarg des Großen Kurfürsten“ oder „Friedrich mit Bewohnern des1758 durch die russische Armee zerstörten Küstrin“. Der Erscheinungszeitraum des Buches fiel in das hundertjährige Jubiläum der Thronbesteigung Friedrichs (1740). Hubert Locher schreibt dazu in seinem Werk „Deutsche Malerei im 19. Jahrhundert“: „Dieses Projekt ist im historischen Kontext des Liberalismus der Vormärzzeit zu verstehen. Der aufgeklärte preußische Monarch des 18. Jahrhunderts mit seinen ausgeprägten musischen Neigungen wurde von einem liberalen preußischen Bürgertum, dessen Königstreue nicht in Frage stand, als Hoffnungsträger empfunden.“ Dies deutet die Richtung seines politischen Engagements an, das nicht antimonarchisch war. Sein Gemäldeentwurf „Aufbahrung der Märzgefallenen“, der 1848 unter dem Eindruck der Revolution entstand, ist dabei kein Widerspruch oder gar Protest gegen das bestehende politische System in Preußen.

Der Arbeitsstil von Menzel war bestimmt durch äußerste Sorgfalt und Genauigkeit und durch sein enormes historisches Tatsachenwissen. Planmäßig eignete er sich neue Stoffkreise an und versuchte, künstlerische Antworten auf die moderne Zeit zu geben. Das zeigte sich einmal an seinen zahlreichen Besuchen der Schauplätze des Wirkens Friedrichs des Großen, so z. B. war er 13 mal in Dresden auf der Suche nach historischen Orten – berühmt ist sein Gemälde „Die Ruinen des Nymphenbades im Dresdner Zwinger“ (1850), zum anderen sein genaues Studium der bedeutenden Orte einer beginnenden Industrialisierung in Oberschlesien. Hier ist als bahnbrechende erste große Darstellung industrieller Arbeit in der europäischen Malerei „Das Eisenwalzwerk“ (1872-1875) zu nennen. Das Gemälde zeigt den Arbeitsalltag in Preußens modernstem Werk in Königshütte (heute Chorzów/Polen). Dort studierte Menzel wochenlang die Arbeitsabläufe vor Ort, in 150 Skizzen hielt er seine Beobachtungen fest. Er verherrlicht nicht die Industrie, sondern er stellt den arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt. DerStoff selbst war hochaktuell, das Deutsche Reich befand sich nach dem Sieg über Frankreich und der Reichsgründung 1871 in der Phase einer rasanten Industrialisierung. Das „Eisenwalzwerk“ wurde 1878 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt. Schon 1847 entstand – auch zum Thema Industrialisierung – eine der ersten Eisenbahndarstellungen „Die Berlin-Potsdamer Eisenbahn“ (Nationalgalerie). Beherrschendes Thema blieb – auch unter dem Eindruck des Kuglerschen Buches – Friedrich der Große. Seit 1848 arbeitete Menzel an einem aus elf Bildern bestehenden Zyklus über das Leben des Königs; das bereits erwähnte „Flötenkonzert“ ist das bekannteste, aber auch „Friedrich der Große auf Reisen“ (1855 – Nationalgalerie) oder die seit 1945 verschollene „Tafelrunde“. Weitere bekannte Historienbilder sind „Die Krönung Wilhelms I. zu Königsberg“ sowie „Die Abreise König Wilhelms I. zur Armee am 31. Juli 1870“ (1871 – Nationalgalerie). Fontane lobte gerade dieses Bild nicht nur als Darstellung eines historischen Ereignisses, sondern auch als eine sehr wirklichkeitsnahe Wiedergabe einer Bevölkerung in einer modernen Großstadt. Weiter müssen erwähnt werden „Die Huldigung der Schlesischen Stände vor Friedrich II. 1741“ (1855) und die historische „Begegnung König Friedrichs II. mit Kaiser Joseph II. im bischöflichen Palais in Neisse im Jahre 1769“ (1857 – Nationalgalerie) sowie der Überfall bei Hochkirch und die Ansprache des Königs an seine Generale vor der Schlacht bei Leuthen. Allein diese unvollständige Aufzählung zeigt die ungeheure Schaffenskraft von Menzel, die sich nicht allein auf Historienbilder und Auftragsserien beschränkte: Er schuf auch Bilder so genannter privater Thematik wie „Das Balkonzimmer“ (1845), oder er verarbeitete Impressionen aus seinen zahlreichen Reisen; hier ist eine seiner letzten großen Arbeiten aus dem Jahre 1884 zu nennen: „Piazza d`Erbe in Verona“.

Die unterschiedlichen Facetten des Künstlers Menzel und die Vielfalt seines Schaffens wurden erstmalig in zusammenfassender Weise in der großen Menzel-Ausstellung in Paris 1996, Washington 1996/1997 und in der Berliner Nationalgalerie im Alten Museum 1997 dem interessierten Publikum dargeboten. Sie machte und macht gleichzeitig deutlich, daß aus dem Schlesier und Berliner Menzel nicht nur ein preußischer und deutscher, sondern ein Künstler von europäischem Rang geworden ist. Der umfangreiche Ausstellungskatalog ist unentbehrliche Grundlage für jede Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Adolph von Menzel.

„Die kleine Exzellenz“, wie Adolph Friedrich Erdmann von Menzel wegen seiner geringen Körpergröße im Volksmund genannt wurde, war in der Hauptstadt des Deutschen Reiches bald eine bekannte und prominente Persönlichkeit. Der Schlesier ist nach dem Umzug aus Breslau zum Berliner geworden, wie zahlreiche andere Schlesier auch. Herausragende Daten, die gleichzeitig Anerkennung für seine Arbeit widerspiegeln und seine zunehmende Prominenz dokumentieren, sind zu nennen: 1856 – Ernennung zum Professor der Königlichen Akademie der Künste in Berlin, 1870 – Menzel erhält den Orden „Pour le Mérite“ (Friedensklasse), 1884/85 – große Menzelausstellungen in Berlin und Paris, 1898 – Menzel wird zum Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler ernannt und damit in den Erbadel erhoben. Er wurde zum Ehrenbürger in seiner Heimatstadt Breslau und in Berlin ernannt. Am 9. Februar 1905 ist Menzel in Berlin gestorben, Kaiser Wilhelm II. folgte seinem Sarg.

Das Grab Menzelsbefindet sich auf dem Friedhof an der Bergmannstraße im Bezirk Kreuzberg. In einer Nische mit Rundbogen steht die Porträtbüste des Künstlers als Bronzeguß. Im Zuge einer wieder stärkeren Hinwendung zur eigenen Geschichte vor 1933 erfährt auch Adolph von Menzel als der Zeichner und Maler Friedrichs des Großen wieder mehr Beachtung.

Lit.: Nationalgalerie und Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.), Katalog zur Menzelausstellung in Berlin vom 7.2. bis 11.5.1997. Mit einer umfangreichen Bibliographie, Berlin 1996. – Stiftung Ostdeutscher Kulturrat (Hrsg.), Große Deutsche aus dem Osten, 3. Aufl. Würzburg 1999. – Hubert Locher, Deutsche Malerei im 19. Jahrhundert, Darmstadt 2005. – Kugler/Menzel, Geschichte Friedrichs d. Gr., ungekürzte Volksausgabe, Verlag Seemann Leipzig , o.J.

Karlheinz Lau 

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