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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Niekrawietz, Hans

Schriftsteller

* 1896, 08.02.
Oppeln/Oberschlesien

† 1983, 27.04.
Wangen/Allgäu

Der schlesische Schriftsteller Hans Niekrawietz hat meist am Rande der „großen Dichterstraßen" gestanden; auf schmalen, grasüberwachsenen Feldwegen seiner oberschlesischen Heimat, die allesamt zur Oder führten; zu dem Strom, den er vielfach besungen und verklärt hat, an dessen Ufern er unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Geboren in der Regierungshauptstadt Oppeln (die ihm auch eine „Ehrenplakette" verlieh), hat ihn nur die Vertreibung aus seiner oberschlesischen Heimat zu entfernen vermocht. Und diese auch nur räumlich; denn geistig blieb der Lyriker stets da, wo er in seinen Versen unveräußerliche Heimat fand:

„An der Oder, nahe dem Wehr und den Wellen/
schwingt in der Dunkelheit noch unser Lied/
An der Oder – unhemmbar seither sind die schnellen/
und größeren Ströme der Zeit – verrauscht und versprüht."

In dem 1961 bei Herder, Freiburg, erschienenen Roman Der Wind weht von der Oder hat der Autor seine Kindheits- und Jugenderlebnisse festgehalten. Eine versunkene Welt wird noch einmal in lyrischer Prosa beschworen. Denn die literarische Stärke dieses Autors war und blieb bis zu seinem Tode die Lyrik. Bereits in den Jahren 1932 bis 1943 waren sechs Gedichtbände erschienen, für die Niekrawietz 1937 mit dem „Schlesischen Literaturpreis" ausgezeichnet wurde. Nach Heimatverlust und Neubeginn in der schlesischen Künstlersiedlung „Am Atzenberg" in Wangen/Allgäu war es für ihn als Lyriker besonders schwierig, literarisch wieder Fuß zu fassen. Erfreulicherweise liegen die Oderlieder (1936) nun (in einer erweiterten Auflage der 1949 im Brentano-Verlag erschienen Ausgabe) im Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn (früher Breslau, jetzt Würzburg) vor. Im gleichen Verlag waren bereits 1957 Gedichte unter dem Titel Östliche Melodie erschienen, für die Hans Niekrawietz 1965 den „Eichendorff-Literaturpreis" erhielt.

Es ist nicht vermessen zu sagen, daß der schlesische Schicksalsstrom, die Oder, in den Gedichten von Hans Niekrawietz Geist und Gestalt gewonnen hat, über die Zeiten hinaus. Neben den Hymnen an die Oder wären indessen auch die Bauern-und Bergmannsgesänge (1936) zu nennen, in denen ein anderer, härterer und kritischer Ton (im Gegensatz zu der romantischen Seite seines Schaffens) Platz greift. Auch aus den nach 1945 entstandenen Gedichten ist ablesbar, daß Niekrawietz der Arbeiter und Industriedichtung verhaftet blieb, in der sich sein Herkommen spiegelt.

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