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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Rein, Kurt

Linguist

* 1932, 06.03.
Deutsch-Alt-Fratautz


Am 6. März 2012 beging Prof. em. Dr. Kurt Rein in Baldham bei München seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar zählt zu den verdienstvollen aktiven Persönlichkeiten der Erlebnisgeneration der Umsiedlungen aus der historischen Bukowina 1940 bzw. der Nachumsiedlung 1941 über Kronstadt in Siebenbürgen. Geboren wurde er im vorwiegend evangelischen Deutsch-Alt-Fratautz, wo er seine Kindheit in multiethnischer Umgebung verbrachte, da sein Vater Notar in der benachbarten Szekler-Gemeinde Andrasfalva war.

Viele seiner Landsleute gelangten während bzw. nach der Umsiedlung und dem Zweiten Weltkrieg nach Weiden in der Ober­pfalz, wo Rein sein Abitur machte. Auf sein Studium und seinen beruflichen Werdegang soll hier nicht näher eingegangen werden (siehe dazu das Gespräch, das Dr. Stefan Sienerth in den Südostdeutschen Vierteljahresblättern München, 1/1999, mit dem Jubilar führte), sondern auf die Leistungen, die ihn bei den Buchenländern und darüber hinaus bekannt gemacht haben.

Prof. Dr. Kurt Rein – er hatte 1957 seine Doktorarbeit zu Areal­linguistik verteidigt und sich 1973 zu einem soziolinguistischen Thema habilitiert – gehörte zu den vielen engagierten Buchenländern der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland, die gleich in mehreren Bereichen der Kultur-, Forschungs- und Vereinsarbeit Anregungen eingebracht und rege mit agiert haben. In seiner beruflichen Lehr-, Forschungs- und Fördertätigkeit setze er sich wie im ehrenamtlichen Wirken für seine Schicksals- und Erlebensgeneration weit über die buko­winischen Belange hinaus ein. Rein verwies stets auf die vielen Verbindungen, die es zu Siebenbürgen, Galizien, Bessarabien, der Dobrudscha, dem Banat und anderen Regionen der alten Monarchie, zu den Umsiedlungsgebieten in Ost, West und im Süden, sowie in jüngerer Zeit bis zu den „Verwandten“ nach Übersee gab und gibt (dazu beispielsweise William Keel/Kurt Rein, German emigration from Bukovina to the Americas, 1996, 300 S., hrsg. vom Augsburger Buko­wina-Institut, Max Kade Center for German-American Studies, Universität Kansas). Es war immer ein Engagement für die gesamteuropäische Prägung, die ihm am Herzen lag.

Daraus erwuchs eine Sonderstellung: Der Inhaber eines Lehrstuhls an der LMU München gehörte in der Zeit, als es den Eisernen Vorhang noch gab, zu den nicht allzu vielen Universitätsprofessoren in Deutschland, die sich seit den frühen siebziger Jahren nicht nur dem Westen zugewendet, sondern auch Ost- und Südosteuropa nicht vergessen haben. So förderte und wirkte der Sprach- und Dialektforscher Rein, der sich selbst als „Schüler von Karl Kurt Klein“ (gebürtiger Siebenbürger) bezeichnete, an den Forschungs- und Facharbeiten in Siebenbürgen, Sathmar, im Banat und in Ungarn (Budapest und Fünfkirchen/Pecs) mit. Dem gern gesehenen Forscher und Gastprofessor zahlreicher renommierter europäischer und amerikanischer wissenschaftlicher Institute wurde von der Universität Eötvös Lorand Budapest nach der Wende der Ehrendoktor und der Professor honoris causa verliehen, in der rumänischen Südbukowina wurde Rein 2004 in die große Enciclopedia Buco­vinei aufgenommen (Bd. 2/S. 301). Für Siebenbürgen ste­hen bleibend die von ihm bearbeiteten und herausgegebenen drei Bände des Siebenbürgisch-deut­schen Sprachatlasses. Weiter war der damalige Ordinarius Ini­tiator und Verantwortlicher der LMU für die Institutspartnerschaft Germanistik München-Te­mes­war sowie der Universitätspartnerschaft zur ELTE Budapest.

Dem Universitätsprofessor waren entsprechend viele Ehrenämter zugekommen, andere hat er gerne übernommen. So wirkte er im Südostdeutschen Kulturwerk in München rege mit, eine Zeit im Verein für Siebenbürgische Landeskunde, in der Südostdeutschen Historischen Kommission und ist heute noch im Vorstand des Bukowina-Instituts an der Universität Augsburg wie im Bundesvorstand der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen aktiv. Rein zählte zu den Initiatoren (1972) und Gründern (Mai 1974) der Raimund-Friedrich-Kaindl-Gesell­schaft, deren letzter Vorsitzender der frühere Kulturbeirat im Präsidium bis zur Selbstauflösung des Vereins 2003 in Brehna war. Vor einigen Jahren ließ sich der Emeritus in den Geschäftsführenden Bundesvorstand der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen wählen, um hier in die Bresche zu springen, weil Not am Mann war. Die Verbindungen zu diesem Verein seiner Landsleute bestanden über all die Jahre, ganz besonders zu „seinen“ Pfälzern und Saarpfälzern. So hielt er bei­spielsweise beim Bundestreffen 1976 in Homburg/Saar den Festvortrag zum 100. Geburtstag des Mundartdichters Heinrich Kipper. Die Herausgabe der ergänzten und aktualisierten Neuauflage des Heimatbuches Fratautz (zusammen mit Waldemar Radmacher) im Jahre 2005 (456 Seiten) ist eine große Hommage an seinen Geburtsort und die alte Heimat Bukowina.

Ein wichtiges Anliegen möchte der Dialektforscher bald möglichst zu Ende führen: Die Herausgabe von drei CD mit Tonbelegen zu den drei bekanntesten deutschen Mundarten in der ehemaligen Bukowina: Pfälzerisch (Schwäbisch), (Deutsch-) Böhmisch und Zipserisch.

Lit.: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1976, Zwölfte Ausgabe, N-Z und Register, Sp. 2532/2533, und 1992 (beispielsweise), 16. Ausgabe, I-R, Walter de Gruyter, Berlin-New York, S. 2923-2924 (mit ausführlicher Biographie und Werkverzeichnis). – Emil Satco (Hrsg.), Lexikon „Bucovina“, Bd. 2, Suceava 2004. – Kurt Rein/ Waldemar Radmacher, Heimatbuch Fratautz/Bukowina, München 2005, 456 S. – Kurt Rein, Bukowiner in Amerika. Besuch bei unbekannten Verwandten, Jahresgabe 1992 der Raimund Friedrich-Kaindl-Gesellschaft. – Kurt Rein, Jahresgabe(n) 1989/99 und 2000/2001 der Raimund Friedrich-Kaindl-Gesellschaft, – Halrun Reinholz: Spiegelungen, Heft 1/7(61) Jahrgang 2012, S. 106-107: Prof. em. Dr. Dr. h. c. Kurt Rein zum 80. Geburtstag.

Bild: Archiv des Autors

Luzian Geier

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