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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Scheyer, Ernst

Kunsthistoriker

* 1900, 03.07.
Breslau

† 1995, 05.12.
Detroit (USA)

Der Herausgeber des 1962 erschienenen Buches „Leben in Schlesien – Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten“ schreibt in seinem Vorwort: „Besonders dankbar ist der Herausgeber dafür, daß seiner Bitte um Mitarbeit zwei Männer entsprochen haben, die bereits ein Jahrzwölft vor der Vertreibung ihrer schlesischen Landsleute durch Hitler und seinen Rassenwahn aus ihrer schlesischen Heimat vertrieben wurden und in die Emigration gehen mußten. Beide, Professor Dr. Ernst Cohn, heute in London, und Professor Dr. Ernst Scheyer, heute in Detroit, sind ihrer Herkunft aus Schlesien treu geblieben. Auch sie zeugen durch ihr Mitwirken an diesem Erinnerungsband für das unsterbliche Schlesien“. Den beiden eben Genannten ist überdies eigen, daß der eine die ersten 33 Jahre, der andere 29 Jahre in Breslau gelebt haben, bei Ernst Scheyer wurden es dann fünf Jahrzehnte in den USA.

Für seinen Beitrag wählte Ernst Scheyer den Titel „Bildung in Breslau“ und beginnt mit den Sätzen: „Bildung ist ein tiefgründiger Begriff, den nur die deutsche Sprache kennt. Vieldeutig zielt er auf Geistiges, meint den Prozeß und schließlich das Produkt. Breslau hat mich gebildet, sein Charakter als Stadt im Osten Deutschlands ebenso wie seine Bildungsstätten. So betrachte ich mich als typisches Bildungsprodukt der Stadt, der mein Leben im Jahr der Zentenarwende bis zum Katastrophenjahr 1933 im wesentlichen angehörte mit Unterbrechungen der Dekade (1920-1930), meiner Wander- und Studienjahre. Aber auch während dieser in Freiburg, Wien, Dresden, Heidelberg und Köln verbrachten Zeit blieb ich Breslauer. Breslau spannte mich immer wieder ein in das dichte, tragende Netz von Bildungsbeziehungen“.

Zweimal hat Ernst Scheyer seine jeweils kurz bemessene Studienzeit mit einer Promotion abgeschlossen, in Freiburg als Nationalökonom, in Köln nach einem Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Ethnologie. Da sein Vater in Breslau ein Großkaufmann im Holzhandel war, wollte er den Sohn für diesen Beruf wissenschaftlich vorbereiten, doch bereits während der ersten beiden Semester in Breslau belegte der Student Kunstgeschichte. Schließlich obsiegte die Kunstgeschichte. Der promovierte Kunsthistoriker fand von 1926 bis 1929 in Köln als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter eine Tätigkeit am Kunstgewerbe Museum. Das Ziel war Breslau, und seit dem Herbst 1929 arbeitete er in den Sammlungen der Stadt. Er publizierte über die Kunstdenkmäler der Stadt, hielt Vorträge in der Staatlichen Kunstakademie und erhielt den Auftrag, an der repräsentativen Gerhart-Hauptmann-Ausstellung aus Anlaß von dessen 70. Geburtstag konzeptionell mitzuarbeiten.

Diese Ausstellung, am 3. September 1932 in Breslau eröffnet, zum 70. Geburtstag von Gerhart Hauptmann am 15. November in Berlin, wenn auch im geminderten Umfang gezeigt, war, wie allgemein berichtet wird, ein sensationeller Erfolg. In seinem zweiten Beitrag für die seit 1956 erscheinende Kulturzeitschrift „Schlesien“ hat Ernst Scheyer geradezu im Stakkato das Konzept der Ausstellung vorgestellt, entsprechend dem Zitat aus einem an Gerhart Hauptmann gerichteten fremden Brief: „In Ihrem Werk stellt sich Schlesien selbst dar und wächst aus der gebundenen Enge in die Weite der Welt“. Das sei auch der „Leitgedanke der Breslauer Ausstellung“ im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer gewesen. „Nicht nur Bücher, Manuskripte, Porträts und Photographien sowie andere ‚Souvenirs‘ waren da zu sehen, wie das so Langweilig-übliche in Literatur-Gedächtnis-Ausstellungen ist, sondern Schlesiens Kunst, Kunsthandwerk …, die Wirtschaft des Landsmannes und des Webers, all das Schlesische, was als ‚Stoff‘ den Dichter angeregt hatte, war da ausgebreitet …“ Gerhart Hauptmann ist über die Jahrzehnte ein Leitstern geblieben. Als Ernst Scheyer bereits nach Holland emigriert war, lud ihn Gerhart Hauptmann zum Jahreswechsel 1934/35 nach Agnetendorf in das Haus Wiesenstein ein und nannte ihm Freunde als helfende Kontaktadressen später in England.

Mit Gerhart Hauptmann beschäftigte sich der Kunsthistoriker Ernst Scheyer 1963 in einem ausführlichen Essay in der Zeitschrift „Schlesien“ unter dem Titel „Gerhart Hauptmann und die bildende Kunst“. Die Namen der hier in Zusammenhang mit Hauptmann Genannten reichen von Lovis Corinth und Max Liebermann bis zu Leo von König und Joseph Thorak. Gleichzeitig verweist er auf Gerhart Hauptmanns Selbstbekenntnis: „Ich habe nämlich mein höheres Wesen als Bildhauer angefangen“ und der Essayist sagt zum Dramatiker: „Gerhart Hauptmanns Gestalten sind nicht flüchtig, sie haben festen Stand“, sich selbst zitierend aus einem vor 30 Jahren verfaßten Aufsatz (Neue Rundschau 1932) „Hauptmann der Plastiker“: „Kern seines Schaffens, Hauptmanns dichterische Phantasie wurzelt in den ruhenden Visionen eines Bildhauers. Ausgangspunkt ist ihm immer die körperliche Gestalt“.

Um sich wieder unter seinen schlesischen Landsleuten vorzustellen, veröffentlichte Ernst Scheyer gleich im zweiten Band der Zeitschrift „Schlesien“ (1957) seine Rede zum 100. Todestag von Joseph von Eichendorff, gehalten im „Deutschen Kulturkreis“ 1957 in Detroit. Er verlangte von den Zuhörern, Eichendorff nicht nur als „Sänger des deutschen Waldes“ zu verstehen, und preist gleich das Großartige in des Dichters Sprache: „Was kann uns, die wir nun eine andere Sprache sprechen, Eichendorff noch sein? Eben, einer der vornehmsten Hüter unserer Muttersprache, die er so einfach und doch so tiefbedeutend, so klangvoll und melodisch zu handhaben wußte, daß seine Gedichte Lied und Melodie waren, noch bevor ein Schumann und Mendelssohn, ein Hugo Wolf und ein Richard Strauss sie als Texte für ihre Musik wählten“.

Ein Emigrant, das spricht sich so leicht aus, fern aller schicksalhaften Tragödie. Nicht anders erging es dann auch den deutschen Heimatvertriebenen. Im „Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität“ 1960 heißt es im ersten Absatz des Aufsatzes von Ernst Scheyer über das „Geistige Leben in der Emigration“: „Wie sehr saugt das Wort Emigration das Leben ein, fälscht es und tut ihm Unrecht. Denn hinter dem Wort stehen die traurigen und bösen Tatsachen des Hasses, der Bedrohung, der Flucht, des Verlustes von Heimat, Familie und Freunden. Emigration ist zunächst gleichbedeutend mit dem Aufgeben der Sprache, der Tradition, der Geschichte, des ganzen Komplexes der kulturellen Verwurzelung“. Der schon genannte Aufsatz „Bildung in Breslau“ schließt mit den Sätzen: „Es kam im Mai 1933 für mich nicht unerwartet und nach dem Schrecken und den Spannungen der letzten Monate fast begrüßt. Die Gerhart-Hauptmann-Plakette, die der Oberbürgermeister Dr. Wagner den um die Gerhart-Hauptmann-Ausstellung (1932) verdienten Männern und Frauen überreichen ließ, kam kurz bevor mich der amtierende Nazi-Bürgermeister Schönfelder meines Amtes am Kunstgewerbemuseum enthob. Und dann begann die ‚Vita Nuova‘ in Holland, England und den Vereinigten Staaten. Doch es ist und bleibt Breslau, die zweimal verlorene Heimat, die den Grund gelegt hat für meine ‚Bildung‘“. Erschwerend war auf diesem Weg in die Emigration, daß im Gegensatz etwa zu Thomas Mann oder Franz Werfel der Dreiunddreißigjährige kein abgeschlossenes Werk internationalen Charakters vorweisen konnte. Als ein hervorragender Kenner der Kunstgeschichte Schlesiens, als Gestalter der Gerhart-Hauptmann-Ausstellung ging er in die Fremde und in dieser waren Schlesien, seine Kunst und sein weltberühmter Dichter Gerhart Hauptmann, realpolitisch betrachtet, weit entfernt.

Es sind kunsthistorische Gelegenheitsaufträge und Tätigkeiten im Kunsthandel, die ihm das Leben in Holland ermöglichten. Ein Buchprojekt wurde in Angriff genommen, das sich mit dem Mitschöpfer des Jugendstils, dem Engländer William Morris beschäftigen sollte, Artikel für die von Klaus Mann redigierte deutsche Emigrantenzeitschrift „Die Sammlung“ konnte er in Amsterdam veröffentlichen, darunter auch Nachrufe auf Max Liebermann und den Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe, worüber er rückblickend schreibt: „Ein wenig kam ich mir vor wie ein journalistischer Totengräber“. Ein halbes Jahr hielt er sich 1935 als Emigrant in England auf, stand hier in Verbindung mit Stefan Zweig, der ihm nicht gerade Mut zusprechen konnte, in London sich niederzulassen. Aber die Zeit wurde genutzt, Kenntnisse im Englischen nachzuholen, denn über all zu viele verfügte er nicht, der als Abiturient des Breslauer Elisabeth-Gymnasiums die ihm zufallende Abschlußrede in Latein gehalten hatte.

In Holland hatte Ernst Scheyer die Konzertpianistin Evelyne Rodrigues Pereira kennen gelernt, geheiratet wurde in London, zwei Monate vor der Überfahrt nach New York. Sehr hilfreich waren die Verbindungen zur Frau und Stieftochter von Albert Einstein. Bereits im Januar 1936 erhielt er eine Stellung als „Research Fellow am Detroit Institute of Arts“; von 1938 ab bis zur Emeritierung lehrte er als Professor der Kunstgeschichte und Vergleichenden Kulturgeschichte an der staatlichen „Wayne University“ in Detroit.

Als der Zweite Weltkrieg sein Ende fand, öffnete sich ihm der so lange versperrte Weg in die deutsche Sprache, in das geteilte Deutschland, zu Freunden und Kennern der Kunstgeschichte Schlesiens, zu seinen schlesischen Landsleuten. Allerdings eine erwünschte Heimkehr nach Breslau und Schlesien wurde dem ein zweites Mal vertriebenen Schlesier versagt. Aber nachdem er 1950 zum ersten Mal wieder in Deutschland gewesen war, wurde es bald zur lieb gewordenen Gewohnheit, jedes Jahr Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland zu nehmen.

Leicht und schnell wurde bekannt, daß Ernst Scheyer der beste Kenner der Kunstgeschichte Schlesiens im 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war. Für den Fremden aus der Ferne und angesichts des schlesischen Urgrunds eröffnete sich jedoch keine Professur und auch seine jetzt wohltuend reichlich strömenden Publikationen fanden keinen der großen Verlage und keinen Zugang zu den herausragenden überregionalen Zeitschriften. Um so willkommener wurde ihm die Kulturzeitschrift „Schlesien“ und die Unterstützung durch den Göttinger Arbeitskreis der aus der Heimat Vertriebenen.

In einer Besprechung über das 1961 erschienen Buch „Die Kunstakademie Breslau und Oskar Moll“: „Es ist ein Geschenk, das Professor Dr. Dr. Ernst Scheyer aus Detroit, Michigan, den Schlesiern mit seinem Buch gemacht hat“. Anderenorts war zu lesen: „Ernst Scheyer hat sein Buch über die Breslauer Akademie, die 1932 im Zuge der Sparpolitik unter Reichskanzler Heinrich Brüning hat schließen müssen, nicht nur als kenntnisreicher Kunsthistoriker, sondern auch als unmittelbarer Augenzeuge und Zeitgenosse der letzten Jahre der Akademie, als persönlicher Freund von Oskar Moll und von manchem berühmt gewordenen Mitglied der Akademie, als Liebender und Verliebter geschrieben“. Das Buch zeichnete sich auch dadurch aus, daß es ohne wohl vor allem in Breslau anzuzapfende Quellen im fernen Detroit so gründlich verfaßt worden ist.

Wiederholt hat sich Ernst Scheyer zur Person und zum Werk von Otto Mueller in kompetenten Aufsätzen geäußert. Der Artikel über Otto Mueller in dem Buch „Große Deutsche aus Schlesien“, 1969 erschienen, fängt mit den stolzen Sätzen an: „Seltsam und doch wie befriedigend, daß gerade derjenige schlesische Künstler, der am allerwenigsten für Anerkennung lebte, der einer der ‚Stillen‘ im Lande war, den größten Ruhm geerntet hat, schon zu Lebzeiten und noch mehr nach seinem Tode. Heute ist Otto Mueller auch in die internationale Kunstgeschichte als einer der großen europäischen Künstler eingegangen“. Und immer auf einen unmittelbaren Gegenwartsbezug in der Kunstgeschichte eingehend, wird als Eleve der Kunst Otto Muellers Alexander Camaro genannt, „heute Professor an der Kunstakademie in West-Berlin, in seiner Erscheinung fast ein Otto Mueller redivivus“.

Herkunft aus Schlesien war für Erst Scheyer immer Grund, nachzuforschen und dann auch zu publizieren, vorausgesetzt, es handelt sich um Meisterliches. Die beiden preußischen Jahrhunderte waren ihm näher als die habsburgisch bestimmten des Barock. Er entdeckte als Kunsthistoriker die „Schlesische Malerei der Biedermeierzeit“, so der Titel seines Buches, mit dem überragenden Maler Carl Friedrich Lessing, den dann der Weg von Breslau über Düsseldorf nach Karlsruhe führte. Das Buch offenbart zugleich Sozialgeschichte der Jahrzehnte zwischen 1815 und 1848, und man spürt, daß der werdende Kunsthistoriker auch Soziologie als Student an den Universitäten belegt hatte. 1982 veröffentlichte Ernst Scheyer einen ausführlichen Aufsatz über den „Landschaftsmaler Johann Gottlieb Samuel Rössel aus Breslau (1768-1853)“. „Wer war er?“ hatte Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ gefragt, als er vor dessen Grab in Bornstädt bei Potsdam gestanden hatte. Gründlich forschend breitete dann Ernst Scheyer den Lebensweg und das künstlerische Werk aus, dabei aber keineswegs unkritisch und huldigend.

Geradezu leidenschaftlich engagiert schrieb er über die zeitgenössische Kunst. Hier wären Arbeiten über Ludwig Meidner und Paul Heinrich Ebell zu nennen. In der Zeitschrift „Schlesien“ 1964 heißt es: „Meidners Bedeutung liegt in seiner historischen Sendung und Position in der Entwicklung des deutschen Expressionismus … Meidner paßt auch so schön in die Reihe der expressionistischen Doppelbegabungen, die ein Kennzeichen des ‚totalen‘ Expressionismus sind und zu denen neben ihm Franz Marc, Wassili Kandinsky, Ernst Barlach, Oskar Kokoschka gehören“. 1980 veröffentlichte er einen Aufsatz in der Zeitschrift „Schlesien“ über Paul Heinrich Ebell. „Insgesamt hat Ebell 14 farbige Glasfenster ‚am Bau‘ geschaffen. 1956, das ist auch das Jahr, in dem der in Schlesien aufgewachsene und an der Breslauer Kunstakademie zum Maler und Zeichner ausgebildete Kunsterzieher durch seine Entwürfe … den Schritt machte von der Staffelei zum Bau, vom Weltlichen zum Kirchlichen“.

Der größte publizistische Erfolg in der breiten Öffentlichkeit war der Bild- und Textband „Breslau – so wie es war“. Sein Kollege aus der Zeit in Breslau, Professor Günther Grundmann, bis 1945 schlesischer Kunstkonservator, schrieb das Vorwort. Es darf auch angenommen werden, daß auf dessen Hinweis hin der Auftrag des Droste Verlages in Düsseldorf an den hervorragenden Kenner der Stadt Breslau nach Detroit ging, die Stadt nicht nur als schlesische Metropole, sondern auch als eine Stadt der Kultur und des Geistes zu schildern. Das Buch erreichte, 1969 erschienen, viele Auflagen. In einem Brief aus Detroit heißt es: „Mein ‚Breslau – so wie es war‘ hatte den freundlichsten Widerhall in der Presse, und die ‚fan letter‘ dankbarer Breslauer treffen immer noch ein. Bis jetzt nichts aus Polen!“ Kritik gab es lediglich von Breslauer Emigranten in New York, das geistige Profil der Heimatstadt Breslau werde zu bescheiden und zurückhaltend wiedergegeben. Als bekennendes Geleitwort wählte der Sohn seiner Geburtsstadt Breslau, jetzt seit über bereits drei Jahrzehnten Bürger von Detroit, als Vertriebener und Emigrant über seine Heimatstadt berichtend ein Wort von Carl Zuckmeyer, „aus dem Buch meiner Generation und meines Schicksals: Als wär’s ein Stück von mir – Horen der Freundschaft“: „Geburtsheimat ist keine Gefühlsfiktion, kein Gedankenschema. Sie ist ein Gesetz. Sie bedeutet Bestimmung und Vorbestimmung. Sie prägt Wachstum und Sprache, Blick und Gehör. Sie beseelt die Sinne und öffnet sie dem Wehen des Geistes wie einem keimträchtigen Wind“. Und der Text des Bildbandes über Breslau schließt mit einem Zitat aus dem Gedicht von Joseph von Eichendorff, an den Bruder gerichtet, „Die Heimat“: „Erreichen wird Dich das geheime Singen … / Ach, dieses Bannes zauberischen Ringen / Entfliehen nimmer mehr, ich und Du“.

Als die Festschrift zum 70. Geburtstag von Ernst Scheyer 1970 in Detroit erschien, waren in der Bibliographie über 60 Silesiaca, Bücher und Aufsätze über Schlesier und zu Schlesien angeführt. Die Landsmannschaft Schlesien ehrte Ernst Scheyer mit der höchsten Auszeichnung, dem Schlesierschild. Aus Detroit kam mit der Bekundung des Dankes die gar nicht hoch genug einzuschätzende Erklärung: „Ich werde weiterhin versuchen, mich der mir erwiesenen Anerkennung durch meine Tätigkeit für die Schlesische Kultur in Wort und Schrift in Amerika würdig zu erweisen“.

Um nicht nur das Schlesische im Werk des Kunsthistorikers Ernst Scheyer zu nennen, sei auf die 1964 erschienen Darstellung „Lyonel Feiniger; caricature and fantasy“ aus der Wayne State University Press Detroit verwiesen. Der zu Recht gerühmte Maler Feiniger, in den USA geboren, den ersten Jahren in USA folgten Jahrzehnte in Deutschland und wieder Jahre in den USA. Daß der Karikaturist und Illustrator zu den besten seiner Zeit gehörte und daß dieser Zweig seines Schaffens zu Unrecht vergessen ist, ist Inhalt dieser Arbeit.

In einer Würdigung des Kunsthistorikers Günther Grundmann, seines jahrzehntelangen Weggefährten (mit Ausnahme des Jahrzwölfts unter Hitler) schrieb Ernst Scheyer, und das gilt in gleichem Maße auch für ihn: „Selbst kenntnisreiche ‚Heimatforschung‘ ist nur dann wertvoll, wenn sich diese in größere kulturelle Zusammenhänge von vornherein einordnet und auf dieser Basis informiert wird … Keine Phase der Geschichte läßt sich völlig auslöschen, als wäre sie nie gewesen. Wir heute Lebenden und die danach kommenden Generationen sind lebende Geschichte. Wir tragen sie in uns, wir tragen sie weiter“.

Ein Botschafter der Kultur Schlesiens in den USA, so wurde Ernst Scheyer anerkennend und rühmend genannt.

Herbert Hupka 

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