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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Das Ostpreußische Landesmuseum rüstet sich für die Zukunft – Sammlungsaufruf

http://www.lueneburg.de/Portaldata/1/Resources/lgm_dateien/lgm_bilder/tourismus_stadt/museen/hohe_Aufloesung/OL_Ausssenansicht_IMG_9996_m_ha.jpgDie meisten Ostpreußen wissen es: Das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg ist weltweit das einzige Museum für Kultur, Kunst und Geschichte der frühere Provinz Ostpreußen, das sich in Gänze der Bewahrung, Erforschung, Erinnerung und Vermittlung des ostpreußischen Kulturerbes widmet. Vor über 50 Jahren wurde es von Ostpreußen als Jagdmuseum gegründet. Heute wird es zusammen mit seiner Partnerinstitution, dem Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen als Archiv für Ostpreußen, von der Ostpreußischen Kulturstiftung getragen, die 1994 u.a. von der Landsmannschaft Ostpreußen gegründet wurde. Die Finanzierung erfolgt institutionell durch die Bundesregierung und dem Land Niedersachsen auf der Basis des § 96 Bundesvertriebenengesetz. In der Reihe der Museen für die ehemaligen Ostgebiete ist es das Älteste; es ist auch das erste dieser Museen, das sich einer Qualitätsüberprüfung durch unabhängige Museumsexperten unterzog und das begehrte Qualitätssiegel des niedersächsischen Museumsverbandes für
nachweislich professionelle Museumsarbeit erhalten hat.

In all den Jahren hat es eine umfangreiche, wertvolle Sammlung aufgebaut, die jedes Jahr viele Tausend Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland ins Museum zieht. Dank einer sehr erfolgreichen Bildungsarbeit fanden 2012 erstmals mehr Kinder und Jugendliche als Senioren den Weg ins Museum. Dies zeigt: Das ostpreußische Kulturerbe hat Zukunft und kann auch diejenigen begeistern, die selbst nicht dort geboren sind. Denn natürlich muss sich das Museum auch der
Herausforderung stellen, was bleibt, wenn die Erlebnisgeneration einst nicht mehr da sein wird.

1987, als das Ostpreußische Landesmuseum als Landesmuseum eröffnete, bildeten die alten Ostpreußen die wichtigste Zielgruppe. Nun muss die hierfür optimierte Dauerausstellung nach 25 Jahren erneuert werden, um didaktisch auf das immer geringer werdende Vorwissen zu reagieren. Seit vielen Jahren wird deswegen von einer Modernisierung und Erweiterung gesprochen, und nun ist es endlich soweit. 2014 werden die Bagger vorfahren, 2015 wird das erweiterte Museum sich im neuen Glanz präsentieren. Die Dauerausstellung wird sich um fast 50 Prozent vergrößern, ein behindertengerechter Aufzug ist dann ebenso selbstverständlich wie ein gemütliches Museumscafé und ein kleiner Laden mit Erinnerungsstücken an Ostpreußen. Auch neue Themengebiete werden berücksichtigt: Zum einen entsteht eine deutschbaltische Abteilung. Zum anderen wird die Dauerausstellung über das Jahr 1945 fortgeführt: Was geschah mit den Vertriebenen und was passiert heute in Ostpreußen?

Neu hinzukommen wird also eine Abteilung zu Fragen von Ankunft, Aufnahme und
der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen. Dabei werden wir uns als
Lüneburger auf den norddeutschen Raum konzentrieren, aber auch Aspekte wie das Lagerleben in Dänemark oder die sogenannten Wolfskinder thematisieren. Wir
wollen veranschaulichen, unter welchen Lebensverhältnissen die Flüchtlinge in der
unmittelbaren Nachkriegszeit lebten, als Wohnraum, Nahrung und Arbeit nur schwer
zu finden waren. Wir wollen das Alltagsleben der Flüchtlinge zeigen und einen
Eindruck davon vermitteln, wie sich die Integration der Vertriebenen in die örtliche
Gesellschaft in der Stadt und auf dem Dorf vollzog und sich die
Bevölkerungsverhältnisse und Strukturen in den Aufnahmegebieten veränderten.
Welche Arbeit übten die Flüchtlinge aus? Wie engagierten sie sich in Vereinen,
Verwaltung, Politik und im Geschäftsleben? Wo errichteten sie sich ein neues
Zuhause? Wie gestaltete sich generell das Zusammenleben von Flüchtlingen und
Alteingesessenen? Wir wollen (Erfolgs-) Geschichten von Menschen darstellen,
denen Norddeutschland ein neues Zuhause geworden ist.

Vogelmobile_aus Holz_um_1946_Ostpreussisches_LandesmuseumFür ihre künftige Dauerausstellung sucht das Ostpreußische Landesmuseum daher nach originalen Objekten, die an den Verlust der Heimat, die Ankunft in
Norddeutschland und die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen erinnern und eine Geschichte dieser Zeit erzählen. Dazu wendet es sich an Betroffene und deren Nachkommen. Wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen!

Haben Sie Gegenstände, Dokumente, Fotografien oder persönliche
Erinnerungsstücke, die Sie dem Museum dauerhaft zur Verfügung stellen möchten?
Alltagsgegenstände aus den späten 1940er und den 1950er Jahren? Etwas, was
Ihnen nach der Flucht das Leben in der neuen Umgebung erleichtert hat? Militärgerät zum Beispiel, das für Haushaltszwecke umgebaut wurde. Möbel oder Kleider? Erinnerung an die ungewohnte Schulzeit im Westen? Weihnachten, Hochzeit und andere Feste im Stil der alten Heimat oder bereits im Kreis der neuen Nachbarn? Insbesondere für die neue Abteilung Ankunft und Integration suchen wir:
Geschirr, Kochutensilien, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände,
Schulmaterialien, Kleidungsstücke, Fortbewegungsmittel (Fahrrad, Handwagen,
Kinderwagen etc.), Spielzeug, Arbeitsgeräte, Urkunden, Ausweispapiere, Anträge,
Fahrkarten, Fotoalben, Fotos aus der Zeit, Schmuck, Textilien, sakrale Gegenstände,
aber auch Firmenarchive oder Baupläne für das Haus, Fotos ihrer damaligen ersten
Unterkunft, Zeitungsartikel, Broschüren, Plakate und Anschläge, behördliche
Hilfsmittel oder Verordnungen etc. Wie haben Sie improvisiert, als es nichts gab zum

Wohnen, Schlafen, Anziehen, Essen? Wie überlebten Sie die Armut der ersten
Jahre? Wie und warum ging es Ihnen besser? Wie hat sich der Lastenausgleich
ausgewirkt? Neben den Objekten freuen wir uns über die Geschichten zu den
Dingen. Diese würden wir gleich mit erfragen.

Viele von Ihnen pflegen intensive Kontakte zu Ihrer alten Heimat. Wir wollen auch
thematisieren, wie heute in Polen, Russland und Litauen mit der deutschen
Kulturtradition umgegangen wird. Wie läuft es mit der Verständigung und der
Versöhnung? Wie erinnert man daran, dass dort bis 1945 Deutsche lebten? Haben
Sie auch hierfür Objekte und Erinnerungen? Was nehmen Sie mit, wenn Sie z.B. Ihr
Geburtshaus besuchen?

Herr Dr. Eike Eckert freut sich als zuständiger Wissenschaftler auf Ihre Mithilfe bei
der Einrichtung unserer neuen Abteilungen. Melden Sie sich bitte bei dem:

Ostpreußisches Landesmuseum
Ritterstr. 10
21335 Lüneburg
Tel.: +49 (0)4131 75995 24
e.eckert@ol-lg.de

Nicht zu vergessen: Ohne die treue Unterstützung der Ostpreußen wäre das Museum heute nicht da, wo es steht. Um im immer härteren Ringen um
Aufmerksamkeit und der knapper werdenden Freizeit der Menschen bestehen zu
können, benötigen wir eine attraktive Ausstellung mit aufwendigen Inszenierungen
und einem Ansatz, der auch junge Menschen für Ostpreußen begeistern kann.
Hierfür können Sie uns auch mit einer finanziellen Spende unterstützen.
Selbstverständlich sind wir als gemeinnützige Einrichtung in der Lage,
Spendenbescheinigungen auszustellen. Helfen Sie uns! Immer wieder wird
ostpreußisches Kulturgut entsorgt, weil Kinder und Enkel wenig Interesse an der
alten Heimat haben. Nur dank großzügiger Erbschaften sind wir derzeit in der Lage,
zielgerichtet die seltenen geretteten Kulturgüter aus Ostpreußen für unser Museum
anzuschaffen und so dauerhaft zu sichern. Wollen auch Sie an uns denken?

SPENDENKONTO: Ostpreußisches Landesmuseum,
Konto 78 00 6 , Sparkasse
Lüneburg, BLZ 240 501 10

Wir bedanken uns im Voraus!