Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1364

Guter Rat war teuer

Montag, 25. Januar 2016

Die Ratgeber nicht: Der OKR war und ist für die Aktiven ein Ehrenamt und gereicht zumal seinen Präsidenten zur Ehre

Die Konstituierung des Ostdeutschen Kulturrates fand vom 22. bis zum 24. Juli 1950 in Marburg an der Lahn statt. Die Gesprächsteilnehmer waren sich bei der Gründung dieser neuen Institution darin einig, „daß bei aller Anerkennung der engen landsmannschaftlichen Bindungen jeder Kultur in erster Linie das große Gemeinsame und Verbindende der kulturschöpferischen Leistungen des ostdeutschen Raumes herausgestellt werden muß“.

Bereits im letzten Heft haben wir einen Blick auf die 65-jährige Geschichte des Ostdeutschen Kulturrates geworfen. In dieser Ausgabe soll der Persönlichkeiten gedacht werden, die den OKR leiteten und ihm ein Gesicht gaben. Karl Jaspers hat in seiner bedeutsamen Schrift „Die geistige Situation der Zeit“ geschrieben: „Arbeit kann nur gedeihen, solange an entscheidenden Stellen Menschen führen, die sich einsetzen, indem sie als sie selbst sich einsenken in ihre Welt.“

Die Präsidenten des OKR hatten also jeweils eine doppelte Verpflichtung: Nach der Gründungsidee sollten sie ihre eigene landsmannschaftliche Bindung dem Gemeinsamen und Verbindenden unterordnen, und nach Karl Jaspers war es ihre Verantwortung, sich einzusetzen, indem sie als sie selbst sich einsenken sollten in die Welt ihrer Führungsaufgabe. Ein hoher Anspruch und Maßstab, an dem die sechs bisherigen Präsidenten nicht gemessen, sondern in ihren Lebensbildern skizziert werden sollen.

Klaus Weigelt (KK)

Seit 2010 leitet Klaus Weigelt, geboren am 14. Mai 1941 in Königsberg, den OKR als Präsident.

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Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Bilder: Archiv

Begegnung ohne Gegen- und fürs Miteinander

Montag, 25. Januar 2016

Die Stiftung Haus Oberschlesien und ihr Museum praktizieren und zelebrieren europäisches Zusammensein im Zeichen der Kultur

Der traditionelle, in Schlesien besonders hochgehaltene Barbaratag am 4. Dezember ist für die Stiftung Haus Oberschlesien (SHOS) in Ratingen-Hösel immer ein Grund zum Feiern. In diesem Jahr jedoch wurde zugleich das 45-jährige Bestehen der Stiftung gefeiert, deren Gründungstag der 4. Dezember 1970 war. Höhepunkt des ereignisreichen Tages war die Feierstunde mit musikalischer Begleitung. Viele deutsche und polnische Gäste aus dem politischen und kulturellen Leben nahmen an der Veranstaltung teil. Gemeinsam wurde auch die neue Sonderausstellung „Für Leib und Seele“ und die Barbarafeier der Landsmannschaft der Oberschlesier besucht. Das Festprogramm wurde vom Heimatchor aus Gleiwitz-Stroppendorf und vom Oberschlesischen Blasorchester Ratingen begleitet.

Dieter Göllner (KK)

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Die Partitur der europäischen Gemeinsamkeit ist schwer zu lesen, gesungen klingt sie gleichwohl leicht: der Heimatchor von Gleiwitz-Stroppendorf und das Oberschlesische Blasorchester Ratingen vor den Gästen der Jubiläums-veranstaltung
Bilder: der Autor

„Ein sehr reales Ereignis“

Montag, 25. Januar 2016

Polnische und deutsche Studenten probten Mythenkollisionen

„Wenn Vorurteile alt werden, werden sie zum Mythos. Kollidiert dann ein Mythos mit einem anderen, gibt es ein sehr reales Ereignis.“ Mit diesen Worten des polnischen Aphoristikers Stanislaw Jerzy Lec begann Dr. Christoph Studt vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn den gemeinsamen Workshop der deutschen und polnischen Studenten.

Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott organisiert bereits seit 1996 die vom Bundesministerium des Innern geförderten grenzüberschreitenden Maßnahmen der verständigungspolitischen Begegnungen. Kooperationspartner sind polnische Hochschulen mit dem Schwerpunkt Germanistik und Geschichte. Die Seminare im Rahmen der „Schlesischen Begegnungen“ werden übrigens von den Universitäten offiziell für den jeweiligen Studiengang anerkannt. Im Rahmen der jüngsten Veranstaltung nahmen 30 Studentinnen und Studenten vom Germanistischen Institut an der Universität Breslau an einer Seminarwoche im Haus Schlesien teil. Adam Wojtala, der Projektmitarbeiter des Gastgeberhauses, und Mariusz Dzieweczyñski, der Begleiter der Studentengruppe aus Breslau, führten die jungen Menschen durch das abwechslungsreiche Programm.

(KK)

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Fern von Breslau und doch zu Hause im Haus Schlesien im rheinischen Siebengebirge: die Breslauer Studenten mit (v. l.) Dr. Christian Studt und Leiterin Nicola Remig
Bild: Dieter Göllner

Wechsel bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Montag, 25. Januar 2016
Nach vier Jahren als Vorsitzender des Kuratoriums und zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender hat Hans-Günther Parplies zum Jahresende die Verantwortung für die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Bonn an BdV-Vizepräsident Reinfried Vogler weitergegeben. Wie bisher gehören dem Vorstand Christine Czaja und Dr. Barbara Drufar-Loeffke an. Neu hinzugewählt wurde BdV-Vizepräsident Oliver Dix.
Der bisherige Vorsitzende Hans-Günther Parplies wird der Arbeit der Stiftung als Ehrenvorsitzender beratend verbunden bleiben.

(KK)

 


Buchenland, wie es – nur noch – im Buche steht

Montag, 25. Januar 2016

Die Bukowina wird von den Buchenlanddeutschen vom Rand der europäischen Geschichte ins Zentrum des Interesses geholt

Was ist in den beiden Multi-Erinnerungs- und Gedenkjahren 2014 und 2015 nicht alles geschrieben und gesagt worden! Nicht etwa um die Geschehnisse, derer gedacht und erinnert werden sollte, besser zu verstehen, besser in das heutige Leben einordnen zu können und aus ihnen vielleicht positives Tun und Handeln für die Zukunft abzuleiten; nein, es geht im Wesentlichen darum, eine bestimmte Sicht der Vergangenheit zur bestimmenden Sicht werden zu lassen.

Ortfried Kotzian (KK)

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Byzantinische Anklänge in der Architektur kommen nicht von ungefähr, gleichwohl war die Universität Czernowitz ein Hort abendländischer Bildung: kolorierte k. u. k. Postkarte
Bild: Archiv

Kämpfernatur als Friedensstifter

Montag, 25. Januar 2016

Gotthold Rhode verstand nicht nur Polnisch, sondern auch die Polen

Kein anderer Historiker hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg so intensiv mit dem deutsch-polnischen Verhältnis beschäftigt wie Gotthold Rhode. Die Nachbarschaft der beiden Völker erlebte er hautnah von Jugend an. Geboren und aufgewachsen ist Rhode in der einst preußischen Provinz Posen, in der fast überall der Alltag vom gespannten Nationalitätenverhältnis geprägt war. Es erübrigt sich zu betonen, dass seine perfekten Polnischkenntnisse später nicht nur seine Forschungen, sondern auch die Gespräche mit den Kollegen der „anderen Seite“ erheblich erleichterten. Am 28. Januar 2016 wäre der führende Polenexperte seiner Zeit hundert Jahre alt geworden.

Helmut Neubach (KK)

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Das Bild ist sichtlich alt, sein Anliegen stets neu: Gotthold Rhode mit dem von ihm im Auftrag des OKR zusammengestellten und eingeführten Band „Deutsche in Südosteuropa“. Rechts OKR- Geschäftsführer H.-G. Parplies
Bild: Archiv

Bedenkliches Gedenken

Montag, 25. Januar 2016

In Sankt Petersburg erinnert ein U-Boot-Museum an den Untergang des Flüchtlingsschiffes „Gustloff“ – samt Verursacher

„Wo wollen Sie hin?“, fragt der Taxichauffeur, mit verwunderter Betonung auf dem Fragewort. „In das Museum der Unterseeboote“, wiederhole ich. „So etwas gibt es in Sankt Petersburg nicht. Und ich kenne nun wirklich die Stadt.“ – „Doch, gibt es, fragen Sie nur in Ihrer Zentrale nach.“ Das macht er dann, notiert sich verwundert die Adresse: Kondratjewskij Prospekt Nr. 83, und kommentiert das: „Bin ich noch nie gewesen! Weder mit einem Russen noch mit einem Ausländer. Steht auch nicht im Angebot für internationale Gäste.“ Das stimmt. In der umfangreichen Liste der Sehenswürdigkeiten für die Passagiere meines Kreuzfahrtschiffes wurde vieles als besuchenswert empfohlen, dieses Museum aber nicht. Nun ja, Russland gibt sich dem Ausland gegenüber gerne nachdrücklich friedlich.

Bernhard Fisch (KK)

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Entschlossen – und zwar zu allem: Büste des U-Boot-Kapitäns A. I. Marinesko
Bilder: der Autor

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. Januar 2016

Orientiert am (Un-)Wissensstand

Joachim Bahlcke, Dan Gawrecki und Ryszard Kaczmarek (Hrsg.): Geschichte Oberschlesiens. Politik, Wirtschaft und Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart. De Gruyter Oldenbourg, München 2015, 723 S., 306 Abb. (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa; 61)

Das Warten hat sich gelohnt. So mag die lange unerfüllte Hoffnung auf eine sachkundige Regionalgeschichte für diesen wichtigen Teil Schlesiens zusammenzufassen sein. Blickt man zurück, gab es den ambitionierten Versuch zu dessen Gesamtgeschichte durch die Historische Kommission für Schlesien: Band 1 erschien bereits 1938 (durchgesehene Neuauflagen bis 1988), nach vielen Wirren folgten Band 2 für die habsburgische Zeit 1973 und Band 3 für die preußische Epoche nach noch mehr Problemen 1999. Drei übersichtliche Zusammenfassungen bieten die Bände zu Schlesien in der Reihe „Deutsche Geschichte im Osten Europas“ (Conrads, 1994), der Historischen Landeskunde der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen (Band 4: Irgang, Bein, Neubach 1995) und der Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat (Band 7: Bahlcke 1996).

Stephan Kaiser (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. Januar 2016

Moderne jenseits der Wälder

Michael Markel (Hg.): In Dornbüschen hat Zeit sich schwer verfangen. Expressionismus in den deutschsprachigen Literaturen Rumäniens. Anthologie. Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Band 130. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2015, 340 S.

Michael Markels Anthologie ist zu einem Zeitpunkt erschienen, in dem die regionale Literaturgeschichtsschreibung in Deutschland eine veränderte Sichtung und Beurteilung des regionalen Schrifttums anstrebt. Walter Engel stellt in seinem 2014 erschienenen Buch „Blickpunkt Banat“ fest, dass diese Fragestellung seit Anfang der 1990-er Jahre zunehmend ins Blickfeld der Germanisten und der Medien rückte, wobei die deutschsprachige Literatur außerhalb des deutschen Sprachraums deutlich mehr Aufmerksamkeit fand als in den Jahrzehnten davor. Bereits 1992 wies Professor Dr. Anton Schwob auf neue Publikationen zu diesem Themenbereich und auf deren breite Beachtung in der Literaturgeschichtsschreibung hin. In diesem Kontext kann auch Michael Markels Anthologie gesehen werden, die eine in ihrer Gesamtheit bisher noch nicht vorliegende kritische Präsentation des deutschsprachigen Schrifttums in Rumänien zwischen 1919 und 1939 vornimmt.

Franz Heinz (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Montag, 25. Januar 2016

Zu realistisch für den
sozialistischen Realismus

Siegfried Pitschmann: Erziehung eines Helden. Aisthesis Verlag, Bielefeld, 19,95

„Wär schön gewesen“. Der Briefwechsel zwischen Brigitte Reimann und Siegfried Pitschmann. Herausgegeben von Kristina Stella. Aisthesis Verlag, Bielefeld, 24,80

Ein Mann steigt aus. So sagt man heute. Damals, wir befinden uns im Wechsel von den 50er zu den 60er Jahren in der DDR, stieg man nicht aus, was ja eher pejorativ klingt, sondern: Man ging in die Produktion. Und die Schriftstellerinnen und Schriftsteller gingen mit. So auch Siegfried Pitschmann. Als auf der Konferenz der Schriftsteller in Bitterfeld im April 1959 beschlossen wird, die Trennung von Kunst und Leben, Künstler und Produktion zu überwinden, hatte Siegfried Pitschmann diesen Schritt längst vollzogen. Denn er war schon im August 1957 nach Hoyerswerda zum Kombinat Schwarze Pumpe in die Produktion gegangen. Zu einer Zeit also, als der nachmalig so benannte „Bitterfelder Weg“ noch ein unbekannter war. Und Pitschmann lebte zu den Bedingungen derer, die dort arbeiteten: Er wurde über die „Zentrale Arbeitskräftelenkung“ eingestellt, erst als Betonarbeiter, dann als Maschinist für Baumaschinen; er wohnte wie alle anderen Bauarbeiter in einer zugeteilten Wohnung zusammen mit anderen. Das ging ein halbes Jahr gut, dann musste Pitschmann aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden. 1960 kehrt er mit Brigitte Reimann zurück nach Hoyerswerda, diesmal als Privilegierter mit Wohnung und Kontakt zu den Funktionären.

Ulrich Schmidt (KK)

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