Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1366

Gar nicht neue „neue Relevanz“

Freitag, 25. März 2016

Die Konzeption 2016 zur Kulturarbeit nach § 96 BVFG holt nach und zurück, was jene von 2000 verschüttet hat

Die „Weiterentwicklung der Konzeption zur Erforschung, Bewahrung, Präsentation und Vermittlung der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes“, hier kurz „Konzeption 2016“, ist im Kern keine „Weiterentwicklung“, sondern die seit langem fällige „Neuorientierung“ der Kulturarbeit nach § 96 BVFG. Im Schlusswort der zwölfeinhalb Seiten umfassenden Bundestagsdrucksache 18/7730 vom 25. 2. 2016 wird entsprechend auch von einer „neuen Relevanz“ gesprochen, die der „Beschäftigung mit deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa im Kontext der europäischen Einigung und der Globalisierung“ zukommt. Diese Relevanz ist zwar Eingeweihten seit langem mitnichten verschlossen geblieben, aber es ist gut, wenn sie nun auch amtlich festgeschrieben wird.

Klaus Weigelt (KK)

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Landschaft als Heimat, opulent und bescheiden, es ist nur Natur, es sind nur Menschen:
Georg Müller-Breslau, Riesengebirgslandschaft mit Fernblick
Bilder: Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg

Kant kann Kalinin nicht hinterfragen

Freitag, 25. März 2016

Dazu braucht er uns und wir ihn. Fragen zur Gedenkkultur an Reinhard Grätz, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

Die Zahl der noch lebenden Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ist im Lauf der vergangenen Jahrzehnte erheblich zurückgegangen. Die Integration ihrer Nachkommen in der Bundesrepublik Deutschland darf als abgeschlossen betrachtet werden. Ist dadurch die mit den östlichen und südöstlichen Herkunftsgebieten verbundene Erinnerungskultur fragwürdig geworden? Findet diese in der Zukunft nur noch institutionell statt?

Reinhard Grätz: Von 17 bis 18 Millionen deutschen Vertriebenen, Flüchtlingen, Aussiedlern und Spätaussiedlern leben wohl noch höchstens zwei Millionen Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten und ca. drei Millionen Aussiedler und Spätaussiedler. Statistiken gibt es nicht. Doch der Abbruch der Erlebnisgeneration wird im nächsten Jahrzehnt schnell erfolgen. Die lntegration der Vertriebenen und ihrer Nachkommen ist tatsächlich längst abgeschlossen, vielfach gehörten schon Vertriebene zu den gesellschaftlichen Eliten der Bundesrepublik. Integration konnte aber den einseitigen Heimat-, Kultur- und Vermögensverlust der Vertriebenen nicht voll ausgleichen. Die Spätaussiedler sind auf gutem Integrationsweg, trotz mancher abfälliger Haltungen, die sie anfangs ertragen mussten.

(„West-Ost-Journal“ – KK)

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Vor nüchternem bergischen Schiefer die etwas linkische Miniatur des Danziger Krantors und die emblematisch aufgeladenen „Klingelzeichen“ der östlichen Heimatgebiete: die Fassade des Gerhart-Hauptmann-Hauses, gelassen sentimental
Bild: Dieter Göllner

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und nicht nur sie

Freitag, 25. März 2016

Die Praxis ist es zudem nicht allein im übertragenen Sinn, wie eine Völkerrechtstagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zeigt

Gemeinsam mit der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht führte die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Berlin eine staats- und völkerrechtliche Fachtagung durch. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Gilbert Gornig und Professor Dr. Hans-Detlef Horn wurden die Themen Migration, Asyl, Flüchtlinge und Fremdenrecht einer genauen Betrachtung unterzogen. „Deutschland und seine Nachbarn vor neuen Herausforderungen“ war die Veranstaltung programmatisch untertitelt.

In seiner ausführlichen Begrüßung sämtlicher Referenten und Ehrengäste lobte der Vorsitzende der Kulturstiftung Hans-Günther Parplies auch die seit vielen Jahren bestehende Zusammenarbeit mit der Studiengruppe, aus der immer wieder wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse hervorgegangen seien. Besonders im akademischen Bereich liege die beabsichtigte Wirkung solcher Symposien.

Ernst Gierlich (KK)

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Die Wahrheit liegt auf dem Tisch, aber wie halten wir‘s mit der Wirklichkeit? V. l. Professor Dr. Dr. h. c. mult. Gilbert H. Gornig, Professor Dr. Peter Hilpold, Jurgita Baur, Professor Dr. Hans-Detlef Horn
Bild: der Autor

Dorthin, wo er stand, weil er nicht anders konnte

 

Freitag, 25. März 2016

Studienreise auf den Spuren von Martin Luther

Die Bedeutung Martin Luthers lässt sich kaum überschätzen, denn keine andere Persönlichkeit der deutschen Geistesgeschichte hat auf so vielfältige und folgenreiche Weise gewirkt wie der Reformator aus Wittenberg. Als er am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, ahnte er nicht, dass er damit einen Umwälzungsprozess einleitete, der Kirche und Kultur, Staat und Gesellschaft in weiten Teilen Deutschlands und in ganz Europa verändern würde.

(KK)

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Papierene Kleinodien der Staatsbibliothek zu Berlin: die h-Moll-Messe Johann Sebastian Bachs, die 95 Thesen und die hebräische Handbibel Martin Luthers, Weltdokumenten-
erbe der UNESCO
Bild: Staatsbibliothek

 

Lehrer lernen Europa

Freitag, 25. März 2016

Begegnung der Akademie Mitteleuropa

Bei den Mitteleuropäischen Begegnungen der Akademie Mitteleuropa e. V. sollen die Teilnehmenden mit Persönlichkeiten aus der deutschen Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Militär und Zivilgesellschaft zusammenkommen und einschlägige Organisationen (Hochschulen, Gedenkstätten, Wirtschaftskammern, Museen etc.) kennenlernen. Hierzu sind Vorträge, Diskussionen und Filme sowie eine thematische Exkursion vorgesehen. Das Spektrum der Themen und die Referenten variieren. Es wird versucht, aktuelle politische Fragen, die Deutschland und die ostmitteleuropä-ischen Nachbarn gleichermaßen betreffen, die aber unterschiedlich gewichtet werden, etwa die gegenwärtige europäische Flüchtlingskrise und die daraus resultierenden Spannungen und Auseinandersetzungen in der Europäischen Union, aufzugreifen.

(KK)

Grundsätzlich – aber wie?

Freitag, 25. März 2016

Zur Rettung der Görlitzer Stadthalle

Im Gespräch mit dem in Görlitz erscheinenden Monatsmagazin „Schlesien heute“ hat der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege erklärt, dass die Stadthalle grundsätzlich gerettet werde. Derzeit würden notwendige Sanierungsarbeiten in einem Umfang von 2,5 Millionen Euro durchgeführt. Mit weiteren Mitteln soll der Kleine Saal so instandgesetzt werden, dass eine Nutzung möglich wird. Insofern könne von einer „grundsätzlichen Rettung“ ausgegangen werden.

(KK)

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Scheinbar strahlt sie klassizistische Gediegenheit aus – und wirft doch nur ein Schlaglicht auf die Mühen des Denkmalschutzes und die Schwierigkeiten einer möglichen deutsch-polnischen Interaktion in dessen Sinn
Bild: Schlesien heute

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Freitag, 25. März 2016

Wer zählt die Mährer, nennt die Namen?

Lukás Motycka – Barbora Veselá (Hg.): Anthologie der deutschmährischen Literatur. Antologie nemecké moravské literatury. (= Poetica Moraviae 7). Univerzita Palackého v Olomouci 2014. 2 Bände. 590 bzw. 526 Seiten. Bestellungen über Universitätsverlag Olmütz: prodejna.vup@upol.cz

Natürlich kennen alle Sudetendeutschen eine große Autorin wie Marie von Ebner-Eschenbach und die Schönhengster ihren Fridolin Aichner. Manche mährische Heimatkreise sind stolz auf ihre Schriftsteller wie die Olmützer auf Franz Spunda oder die Südmährer auf Herbert Wessely. Aber im Vergleich zum Bekanntheitsgrad der Prager deutschen Literatur führen die deutschsprachigen Autoren Mährens und Sudetenschlesiens ein Schattendasein.

Rudolf Grulich (Olmützer Blätter – KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Freitag, 25. März 2016

Bis zum Anfang erzählt

Werner Söllner: Knochenmusik. Edition Faust, Frankfurt am Main 2015, 69 S.

Dünn geworden bist du, Dichter!
Dünne Haut um spitze Knochen.
Und das Feuer aus den Augen
hat sich in den Arsch verkrochen.

Das ist traurig und lustig gleichermaßen, empfindsam und drastisch, einsichtig und flapsig, man findet sich gleich in das dichterische Ich, das den Dichter so despektierlich und mitfühlend anspricht. Sofort ist eine Komplizität zwischen Leser und Schreiber hergestellt, in der beide etwas zu lächeln oder zu grinsen haben. Nichts zu lachen.

Georg Aescht (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Freitag, 25. März 2016

Kaschubische „Bloodlands“

Benedykt Reszka: Zeit des Bösen. Sowjetisches Unrecht im Gochenland in der Kaschubei. Übersetzung von llona Zwierz. Korrektur von lsabel Sellheim. Nowator-Verlag, Danzig und Heidemühl 2015. 320 S.

Um es vorweg zu sagen: Das vorliegende Buch gehört zu den wichtigsten Veröffentlichungen über die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, berichtet es doch vor allem am Beispiel eines kleinen Gebietes namens Gochen/Gochy – südlich der Stadt Bütow/Bytow im östlichen Pommern gelegen – vom Schicksal der kaschubischen Bevölkerung. Es steht beispielhaft für die Leiden unzähliger Menschen aus verschiedenen Ländern des östlichen Europas. Bisher wurde speziell von den Geschehnissen im kaschubischen Raum nur wenig bekannt; denn, wie der Autor einleitend bemerkt: „Bis in die Hälfte der fünfziger Jahre wurde selten über die Kriegserlebnisse und die Deportationen ins tiefe Russland gesprochen … Diejenigen, die aus den Lagern zurückkamen, sprachen über ihr Schicksal ungern. Einige waren eingeschüchtert. Andere hatte man verpflichtet, eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie über ihre Erfahrungen nicht sprechen durften. Man hatte Angst vor Verhaftung, vorgenommen unter dem Vorwand, feindliche Propaganda gegen die Sowjetunion zu betreiben.“

Roswitha Wisniewski (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Freitag, 25. März 2016

Erinnerungseinsam

Christopher Spatz: Ostpreußische Wolfskinder. Erfahrungsräume und Identitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau 35. fibre Verlag, Osnabrück 2015, 239 S., Karte, 29,80 Euro

Im Frühjahr 1947 flüchteten Tausende Ostpreußen vor dem drohenden Hungertod nach Litauen. Die meisten von ihnen waren Kinder und Jugendliche, die sogenannten Wolfskinder. Wer von einer litauischen Familie aufgenommen werden wollte, musste seine Herkunft verschleiern und rasch in eine neue Identität, Sprache und Kultur hineinwachsen, deshalb mieden sich die jungen Ostpreußen fortan gegenseitig. Trotzdem wurden sie von der litauischen Bevölkerung und den Behörden weiterhin als Kollektivum wahrgenommen und später mehrheitlich repatriiert.

(KK)

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