Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1371

Im Zweifelsfall entscheide man sich für das Richtige

Donnerstag, 25. August 2016

Das fiel schon Karl Kraus nicht leicht, in heutigen Fragen, auch zu den Deutschen im Osten, ist es nicht leichter, wie eine Tagung zeigt

„Deutsche im heutigen Polen und im Kaliningrader Gebiet“ lautete das Thema einer Wochenend-Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Göttingen. Aus dem Untertitel „Ungewisse Zukunft trotz reicher Tradition?“ war Besorgnis herauszuhören, und das bestätigte der Ehrenvorsitzende Hans-Günther Parplies gleich bei der Eröffnung. Er begrüßte eine zahlreiche Zuhörerschaft und besonders die Gäste aus Schneidemühl und Königsberg. Dann ging er auf die Unterzeichnung des Deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages am 17. Juni 1991 ein und erinnerte daran, dass die Vertriebenen seinerzeit die allgemeine Euphorie nicht geteilt haben. Ihre damalige Skepsis sei berechtigt gewesen.

Bärbel Beutner (KK)

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Buchgewordene Hoffnung: der OKR-Bildband in russischer Sprache von 1996. Hat sie sich erfüllt?

Respekt im Geviert

Donnerstag, 25. August 2016

In Breslau hört man sich zu – und horcht, horcht auf

Breslau, heute Wrocław, ist von komplettem Bevölkerungsaustausch gekennzeichnet. Einst eine böhmische und später eine habsburgische Stadt, ein Ort, den Hitler Ende August 1944 zur Festung erklärt hat, und der nach dem Kriegsende polnisch geworden ist. Viele Kulturen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Heute wird Wrocław von der Stadtverwaltung gerne als „Stadt der Begegnung“, eine – auch für Flüchtlinge – offene Stadt, bezeichnet.

Arkadiusz Łuba (KK)

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Besser gemeint als gemacht: der Globus als reizendes Röckchen. Und doch ein naiv buntes Unterpfand der Hoffnung, dass das Denken neue Wege nehmen kann, in vier oder mehr, ja in alle Richtungen
Bild: der Autor

Ist das Kripplein noch so klein …

Donnerstag, 25. August 2016

… es muss konsolidieret sein: Zeugnis der protestantischen Vergangenheit Fraustadts von Deutsch-Polnischer Stiftung gestützt

Fraustadt ist eine geschichtsträchtige, 14 000 Einwohner zählende Stadt am östlichen Rand der Woiwodschaft Lebus und unweit der Woiwodschaften Niederschlesien und Großpolen. Die sächsischen Kurfürsten August des Starke und dessen Sohn hatten hier in ihrer Zeit als Könige von Polen eine Ausweichresidenz, die sie entsprechend ausbauten, wodurch Fraustadt in der Barockzeit bekannt wurde, was in unseren Tagen noch an Spuren nachzuvollziehen ist.

Die Baudenkmale, die bis heute vor allem den historischen Kern der Stadt prägen, sind die katholische Stadtpfarrkirche, der Gebäudekomplex des ehemaligen Franziskanerklosters, die erhaltenen Teile der Stadtmauer aus dem 15./16. Jahrhundert, das neugotische Rathaus, das jenem in Zittau ähnlich sieht, und die ehemalige evangelische Kirche Kripplein Christi sowie der Altstädtische Friedhof. Die Kirche Kripplein Christi, die in der Spätrenaissance ihr jetziges Aussehen erlangte, steht seit vielen Jahren leer. Es ist das Verdienst von Marta Małkus, der Direktorin des städtischen Museums, das für das historische Erscheinungsbild der Altstadt unverzichtbare Sakralbauwerk und die damit verbundene protestantische Vergangenheit Fraustadts wie auch deren Altstädtischen Friedhof immer wieder durch Tagungen und Vorträge ins Bewusstsein der Stadtväter und Einwohner zurückzuholen.

Peter Schabe (KK)

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Kein architektonischer Wurf, vielmehr eine heimisch-anheimelnde Herberge, kein ausladender, vielmehr ein einladender Bau: Kripplein Christi
Bilder: Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz

Alles andere als Stubenhocker

Donnerstag, 25. August 2016

Die Verantwortlichen von Heimatstuben setzen sich im Haus Schlesien zur Beratung zusammen

„Deutsche Kultur und Geschichte im östlichen Europa gehören zum Selbstverständnis unseres Landes und sind zugleich ein Spiegel der Vielfalt und Dynamik Europas. Sie sind wichtig für ein friedliches Miteinander, für das Zusammenleben im Herzen Europas, umso mehr für die junge Generation und für die kommenden Generationen“, betonte Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, in ihrer Rede bei der Bundesdelegiertentagung der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung im November 2015. Die Heimatstuben – in denen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Erinnerungsgegenstände unterschiedlicher Art sowie historisch, künstlerisch und volkskundlich wertvolle Objekte, Bücher und Archivalien gesammelt und aufbewahrt werden – gelten als Schaufenster der ehemals von Deutschen bewohnten Regionen Mittel-, Ostmittel- und Osteuropas, sie sind Zeugnisse deutscher Nachkriegs-geschichte.

Dieter Göllner (KK)

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Dr. Ernst Gierlich, der Motor nicht nur dieses Projektes der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen
Bilder: der Autor

Man sieht nur, was man weiß

Donnerstag, 25. August 2016

Das wissen die Kultureinrichtungen ostdeutscher Observanz und zeigen, was alles zu wissen wäre

Haus Schlesien Königswinter-Heisterbacherrott

Im Haus Schlesien ist die Ausstellung „Breslau persönlich – Biografische Blicke auf die Europäische Kulturhauptstadt 2016“ noch bis zum 11. September zu sehen. An diesem Tag findet die Finissage mit einem musikalischen Streifzug durch das Schaffen des Komponisten Edmund Nick (1891–1974) statt. Petra Kalkutschke und Kornelia Reinke präsentieren Lieder von Edmund Nick, der mit Fritz Ernst Bettauer, dem künstlerischen Leiter der Schlesischen Funkstunde, zusammengearbeitet hat. Das Radiospiel „Leben in dieser Zeit“ (1929) war übrigens die erste gemeinsame Kreation von Kästner und Nick. Im Konzert werden u. a. Vertonungen der Texte von Erich Kästner zu Gehör gebracht.

(KK)

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Funk noch ohne Fernsehen, aber schon zum Lesen in einem „offiziellen Organ“
Bilder: die Museen

Stets von neuem: Altötting

Donnerstag, 25. August 2016

70. Sudetendeutsche Wallfahrt in die Basilika St. Anna

Auch wenn die in Tracht teilnehmenden Wallfahrer seit Jahren in etwa gleich viele sind – zur 70. Sudetendeutschen Wallfahrt nach Altötting in die Basilika St. Anna kamen am ersten Juli-Sonntag bedeutend mehr Teilnehmer, das Gotteshaus war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das freute auch den Erfurter Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Hauptzelebrant der Jubiläumswallfahrt, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, sowie Bernd Posselt, den Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft.

Markus Bauer (KK)

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„Männer und Frauen, die zum Erhalt des Gottesreiches beitragen“
Bild: der Autor

Anpassung passt nicht zu ihr

Donnerstag, 25. August 2016

Franz-Werfel-Menschenrechtspreis für Freya Klier

Die in Berlin lebende Schriftstellerin und Filmregisseurin Freya Klier ist von der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen mit dem Franz-Werfel-Menschenrechtspreis 2016 ausgezeichnet worden. Der Preis wird jedes zweite Jahr verliehen und ist mit 10 000 Euro dotiert. Unter den bisher sieben Preisträgern sind auch die 1953 im Banat/Rumänien geborene Schriftstellerin Herta Müller und Karl Schlögel, der 1948 im Allgäu geborene Emeritus für Osteuropäische Geschichte an der Universität Frankfurt/Oder.

Jörg Bernhard Bilke (KK)

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Bild: Universität Marburg

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Donnerstag, 25. August 2016

Unfreiheit und nicht einfache Freiheit

Aus Elbing 1945 verschleppt und vertrieben. Zeitzeugen berichten. Charlotte Kaufmann, Willi Kuhn. Elbinger Hefte 50. Truso-Verlag, Münster 2015, 122 S.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert nicht nur die Zeitzeugen an die Flucht, Verschleppung und Vertreibung, an Gefangenschaft, Hunger und großes Leid von Millionen Deutschen, die damals jenseits von Oder und westlicher Neiße lebten. Immer wieder werden z. T. vor Jahrzehnten niedergeschriebene Erlebnisberichte veröffentlicht und auch von der nachwachsenden Generation gelesen. Die Truso-Vereinigung hat jetzt ein Buch mit zwei Schicksalsberichten Vertriebener aus Elbing vorgelegt.

Hans-Jürgen Schuch (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Donnerstag, 25. August 2016

Viele Mittelpunkte, keine Mitte

Richard Wagner: Habsburg. Bibliothek einer verlorenen Welt. Verlag Hoffman und Campe, Hamburg 2014, 27,99 Euro

Die „verlorene Welt der Habsburger“ ist nicht nur für jenen Bibliothekar von Bedeutung, der die Geschichte sowie die kulturellen Überreste eines mitteleuropäischen Imperiums zu sammeln und zu archivieren sucht. Mehr denn je gilt das, was in den ersten Zeilen von Richard Wagners Buch zum Tragen kommt: Die habsburgische Welt der Illusionen und Inklusionen ist ein „ferner Spiegel europäischer Gegenwart“. Und: „Dieser Spiegel zeigt uns den Zerfall des Wir.“ An der „schönen blauen Donau“ hängt nicht nur die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, sondern daran hängen auch die vielen Nachfahren der „Habsburger“. Immer noch werden – nebst süßen Walzerklängen – Territorialansprüche laut. Nationalistische Eiferer berufen sich auf längst vergangene Zeiten, Nostalgiker ebenfalls.

Ingeborg Szöllösi (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Donnerstag, 25. August 2016

Literarisch solidarisch

Marion Brandt (Hrsg.): Fortschritt, unverhofft. Deutschsprachige Schriftsteller und die Solidarnosc – eine Anthologie. Studia Brandtiana 10. 223 S. 39,80 Euro

Mit dem Streik der Danziger Werftarbeiter im August 1980 begann die größte Demokratiebewegung, die es im sowjetischen Herrschaftsbereich vor 1989 gegeben hat. 15 Monate lang kämpfte die freie und unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc um gesellschaftliche Reformen, ehe sie mit der Ausrufung des Kriegszustandes am 13. Dezember 1981 in die Illegalität getrieben wurde. Die internationale Öffentlichkeit verfolgte das Aufbegehren der Polen gegen soziale Ungerechtigkeit und Unfreiheit mit angehaltenem Atem. Neben Sympathien, Begeisterung und Hoffnungen weckte es auch Ängste und Ablehnung.

(KK)

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