Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgabe 1382

Die Seele Polens und die seiner Regierung

Dienstag, 25. Juli 2017

Eine Ausstellung in Krakau gibt Einblicke in erstere und lässt tief blicken in letztere

Am Vorabend des 100. Jahrestages der Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch die Republik Polen 1918 eröffnete das Nationalmuseum Krakau eine der größten Kunstausstellungen in Polens Geschichte. Die Großschau heißt „#dziedzictwo“ („#Erbe“) und wirft Fragen zum polnischen nationalen Gedächtnis auf.

In seinem 1994 veröffentlichten Lied sang der Barde Marek Grechute, der polnische Bob Dylan: „Wenn du mich fragst, was dein Vaterland ist, werde ich antworten: / Bist du einmal schon auf dem Markt in Krakau spazieren gegangen? / Hast du das Schloss Wawel gesehen, seine Gemächer und Kreuzgänge – / all die Orte, wo die Vergangenheit dir Kraft gibt?“

Arkadiusz Łuba (KK)

 

Damals wurde nicht eisern, sondern silbern gespart: Denar von Boleslaw I. dem Tapferen, dem ersten König von Polen
Bild: aus dem Ausstellungskatalog „Tür an Tür. Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“

Fake News auf Russisch

Dienstag, 25. Juli 2017

Um die Opferzahlen des vorigen Jahrhunderts hat es ein Verwirrspiel gegeben, bei welchem selbst oberste Führer nicht mehr durchblickten

Seit 72 Jahren feiert Moskau an jedem 9. Mai „unseren großen Sieg“ – mit rückläufigem Enthusiasmus. 2017 ertönte wieder das offizielle Bramarbasieren russischer Politiker und Militärs: „Wir Russen“ haben die „deutschen Faschisten“ allein besiegt, ganz ohne Beteiligung von „Sowjetvölkern“ oder alliierter „Anti-Hitler-Koalition“. Dabei klang 2017 in den offiziellen „Sieges“-Reden bereits deutlicher Selbstzweifel an: Warum ständig Reminiszenzen an Krieg und „Heldentum“ beschwören, wenn russische Soldaten und Polizisten besser gegen „internationalen Terror“ und „organisierte Kriminalität“ mobil machen sollten?

Der 9. Mai gilt längst als „Feiertag seniler Weißhaarschläfen“, der jungen Menschen kaum noch etwas sagt. Details erkundete das (2016 geschaffene) „Zentrum für Studenten-Soziologie“ von Irina Wolodtschenko: 7232 Jungakademiker aus 30 Regionen hat man befragt und so ein repräsentatives Meinungsbild erhalten.

Wolf Oschlies (KK)

 

Selber sehen, selber denken, selber malen ist Sache des Künstlers, eine oft schmerzliche Berufung, wie man bei diesem „Selbst“ von Hansjürgen Gartner aus der Ausstellung der KünstlerGilde (s. S. 28) erkennt. Doch Selbsterkenntnis ist nicht jedem gegeben, weit verbreitet ist sie schon gar nicht – und immer seltener, je weiter man in Europa nach Osten kommt
Bild: der Maler

Deutsch-polnisches Event avant la lettre

Dienstag, 25. Juli 2017

Was mit der Landshuter Fürstenhochzeit heute noch alles gefeiert wird

Ottheinrich, Pfalzgraf von Neuburg und dann bei Rheine in Heidelberg, befand sich 1536 dort, wo er sich fast immer befand, nämlich in schlimmen Geldverlegenheiten. Sofern überhaupt möglich, war die finanzielle Lage seines jüngeren Bruders Phillip noch bedrängter. Er hatte seine Hofhaltung nicht in Neuburg, sondern in Burglengenfeld in der „obern Pfalz“, damals mit dem benachbarten Westböhmen das Eisenhüttengebiet des Mittelalters. Ihn plagte allerdings fast noch mehr als die Geldsorgen die Sorge, ob, wo und wann er eine europäische Fürstentochter finden würde, die bereit wäre, sich mit ihm zu vermählen.

Dietmar Stutzer (KK)

 

Nicht reizlos ist die Frage, wie viel ein Betrachter aus dem Jahre 1475 auf diesen Bildern des Landshuter Fremdenverkehrsamtes wiedererkennen könnte
Bilder: Stadt Landshut

Abstraktes in kristalliner Konkretion

Dienstag, 25. Juli 2017

Internationaler Glaskunstpreis der Stadt Rheinbach

„Mechanischer Fisch“, „Seelenverwandte“ und „Pfeffer“ sind die Titel der Arbeiten, die von der Fachjury des 9. Internationalen Glaskunstpreises der Stadt Rheinbach ausgezeichnet wurden.

Für den diesjährigen Nachwuchsförderpreis reichten Schüler aus Deutschland und mehreren europäischen Glasfachschulen insgesamt 33 Wettbewerbsarbeiten ein. Die Ausstellung mit den Kunstwerken ist im Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“ an der Glasfachschule bis zum 24. September zu besichtigen.

Dieter Göllner (KK)

 

Nicht frisch, dafür „mechanisch“: der Fisch von Ana Łokaj
Bild: der Autor

Feinstes Gespür für Zeit und Zeitung

Dienstag, 25. Juli 2017

Der schlesische Rheinische Postler Joachim Sobotta ist gestorben

An seinem 85. Geburtstag habe ich ihm telefonisch gratuliert! Da ging es ihm gesundheitlich schon sehr schlecht. Nicht lange danach, am 10. Juni, ist er gestorben.

Einem seiner Söhne konnte ich noch von unserer Schneekoppenbesteigung berichten, das war vor 15 Jahren bei einer schlesisch-böhmischen Reise des Bundes der Vertriebenen. Sobotta war gebürtiger Glatzer und blieb auch nach der Vertreibung durch die neuen polnischen „Verwalter“ stets seiner Heimat und den ostdeutschen Vertriebenen verbunden.

Rüdiger Goldmann (KK)

 

Auch für ernstgemeinten Humor zu haben: Joachim Sobotta wird von Rüdiger Goldmann zum schlesischen Ritter gekürt
Bild: privat

Priesterwerktätige

Dienstag, 25. Juli 2017

Aktivitäten des Sudetendeutschen Priesterwerks

Einen Generationswechsel vollzog bei seiner jüngsten Mitgliederversammlung im Bamberger Bistumshaus St. Otto das Sudetendeutsche Priesterwerk e. V.: Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Pfarrer Holger Kruschina (46) steht nun an der Vereinsspitze. Auch alle weiteren Vorstandsmitglieder sind neu. Auf Antrag Kruschinas wurde der bisherige Vorsitzende Monsignore Wuchterl zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Doch nicht nur personell befindet sich das Sudetendeutsche Priesterwerk im Umbruch. Auch in der Vereinsarbeit gibt es nach dem Verkauf des Hauses St. Johann in Brannenburg neue Schwerpunkte. Das Sudetendeutsche Priesterwerk hat nun seinen Sitz in den Räumen der Hauptstelle der Ackermann-Gemeinde in München.

Markus Bauer (KK)

 

Was der Mann Gottes tut, ist wohlgetan und ein Grund zur Zufriedenheit. Diese strahlen die Mitglieder des Priesterwerks auch aus
Bild: der Autor

„Zugleich das Glück sowie das Leid“

Dienstag, 25. Juli 2017

Feiern und Gedenken auf Schloss Burg

Das unter Denkmalschutz stehende Ensemble Schloss Burg bei Solingen wird derzeit renoviert. Der Bergfried des historischen Wahrzeichens ist bis hoch zum Dach eingerüstet, auch die Arbeiten am Grabentorhaus im Eingangsbereich sind bereits angelaufen. Trotzdem wachte das Reiterstandbild des Grafen von Berg und Erzbischofs von Köln Engelbert II. am ersten Juli-Wochenende über das bunte Geschehen rund um die Gedenkstätte des Deutschen Ostens.

Der von der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, schon vor Jahren ins Leben gerufene Begegnungstag auf Schloss Burg fand diesmal in einer erweiterten Form statt.

(KK)

 

Bunter Reigen trotz Regen, Standfestigkeit bei aller Beschwingtheit: Mitglieder der schlesischen Tanzgruppe „Der Fröhliche Kreis“
Bild: Dieter Göllner

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Dienstag, 25. Juli 2017

Politisch blinder Seher

Dass der Berliner Romanistikprofessor Victor Klemperer (1881–1960) dreieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod mit seinen Tagebüchern 1933/45 einmal weltweit bekannt werden würde, war nicht zu erwarten, als er in Dresden starb. Als jüngster Sohn eines Rabbiners in Landsberg an der Warthe geboren, hatte er 1897 die Schule abgebrochen, dann aber 1902 das Abitur nachgeholt und vier Jahre in München, Genf, Paris und Berlin die Fächer Philosophie, Germanistik und Romanistik studiert, ohne freilich irgendein Examen abzulegen.

Jörg Bernhard Bilke (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Dienstag, 25. Juli 2017

Heterogenität als Qualität

Das Beispiel Stettin

Stettin ist die heterogenste Großstadt Polens, so Jan Musekamp vor der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e. V. im Münchener Haus des Deutschen Ostens. Der Referent lehrt osteuropäische Geschichte an der Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Norbert Matern (KK)

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Dienstag, 25. Juli 2017

„Er wartete auf sein Schicksal“

Ernst Wiechert auf Russisch

„Das Nachwort soll nach dem Wort im Text suchen, welches erlöst und rettet, auch wenn das zu interpretierende Wort des Autors sich am Rande der Todesfuge erhören lässt.“ Diese Aufgabe stellt sich Wladimir Gilmanov von der Kant-Universität Kaliningrad/Königsberg, als er das Nachwort zu dem neuen Band mit Texten von Ernst Wiechert in russischer Übersetzung schreibt. Unter dem Titel „Ernst Wiechert – ein Dichter des Widerstandes im Dritten Reich.

Bärbel Beutner (KK)

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