Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1380.

Beweger

Georg Dehio-Kulturpreis an Paul Philippi und Jaroslaw Ostrcilik

Mit dem Georg Dehio-Kulturpreis 2017 des Deutschen Kulturforums östliches Europa wurde der evangelische Theologe, Historiker und Politiker Paul Philippi (Hermannstadt/Sibiu, Rumänien) und der tschechische Autor, Journalist und Aktivist Jaroslav Ostrcilík (Brünn/Brno) ausgezeichnet.

Die siebenköpfige Jury unter Vorsitz von Dr. Felix Ackermann sprach den Hauptpreis dem Kirchenmann, Wissenschaftler und politischen Praktiker Professor Dr. Dres. h. c. Paul Philippi für sein herausragendes Engagement für die Wahrung des kulturellen Erbes der Siebenbürger Sachsen, für seinen konsequenten Einsatz für die Völkerverständigung im Donau-Karpaten-Raum sowie für seine Verdienste als deutscher Minderheitenpolitiker im Rumänien der Nachwendezeit zu.

1923 in Kronstadt/Brasov geboren, musste Philippi nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westzonen Deutschlands verbleiben, wurde evangelischer Theologe und als Diakoniewissenschaftler Ordinarius an der Universität Heidelberg. Ab den 1950-er Jahren initiierte er eine Neuaufstellung der Siebenbürgen-Forschung in der Bundesrepublik und ließ sich für den Pfarrdienst in der heimischen Landeskirche ordinieren. 1983 konnte er seinen Umzug nach Hermannstadt/Sibiu realisieren und unterrichtete Kirchengeschichte am dortigen Theologischen Institut. Ab Ende 1989 übernahm er politische Verantwortung in dem von ihm mitbegründeten Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, 1992—1998 als dessen Vorsitzender, seither als engagierter Ehrenvorsitzender.

Der Förderpreis geht an den Autor, Journalisten und Aktivisten Jaroslav Ostrcilík für sein langjähriges Engagement in der Vermittlung der jüngeren Geschichte der einst multiethnischen Stadt Brünn/Brno in Mähren, insbesondere für den in Erinnerung an den Brünner Todesmarsch 1945 inszenierten jährlichen Gedenkmarsch zur österreichischen Grenze.

So setzen Jaroslav Ostrcilík und seine immer zahlreicheren Mitstreiter jährlich ein Zeichen. Begleiteten ihn anfangs nur wenige Enthusiasten, stieg die Zahl der Teilnehmer inzwischen auf mehrere hundert an. 2015 änderte er die Marschrichtung und holte damit symbolisch die verlorene deutsche Bevölkerung in die Stadt zurück, als Zeugnis für die Suche nach einer Zukunft jenseits von Gewalt und Ressentiments. Der Gedenkmarsch wurde zu einem Sinnbild der Brünner Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit in Mähren, an der mittlerweile auch führende Lokalpolitiker teilnehmen.

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa verleiht den Georg Dehio-Kulturpreis in diesem Herbst zum achten Mal. Mit der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsministerin Professor Monika Grütters, dotierten Auszeichnung werden Persönlichkeiten und Initiativen geehrt, die sich in vorbildlicher Weise mit den Traditionen und Interferenzen deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa bewahrend, zukunftsorientiert und im partnerschaftlichen Dialog auseinandersetzen.

Der Georg Dehio-Kulturpreis ist aufgeteilt in einen mit 7000 Euro dotierten Hauptpreis und einen mit 3000 Euro dotierten Förderpreis.

Die Preisverleihung wird am 28. September 2017 in Berlin stattfinden.

(KK)

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