Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1377.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Zeitgeschichte als Krimifundus

Elisabeth Hermann: Versunkene Gräber. Goldmann, München 2014. TB, 447 S. 9,99 Euro

Elisabeth Herrmann hat sich in den letzten Jahren (nicht nur) mit ihren Krimis über die jüngere deutsche Geschichte einen Namen gemacht. Ihr Ermittler, der Berliner Anwalt Joachim Vernau (hat da nicht schon mal jemand namens Joachim Fernau in Sachen Vergangenheit ermittelt?), eilt seinem polnischen Freund Jazek zu Hilfe, der unter Mordanklage im Gefängnis sitzt. Er findet die gemeinsame Freundin Marie-Luise in einem polnischen Krankenhaus, ebenfalls des Mordes verdächtig.

Um den Freunden zu helfen, muss er sich von einer widerspenstigen polnischen Anwältin unterstützen lassen – gemeinsam spüren sie alten Familiengeheimnissen nach, die sie ins Jahr 1945 zurückführen, zu Flucht und Vertreibung, Kriegsende, Neubeginn in der Gegend um Grünberg. Ein alter deutscher Friedhof sorgt für die Gespenster der Vergangenheit. Der „Fall“ wird gemeinsam gelöst, außerdem werden junge Polen deutsche Traditionen fortsetzen.

Es wird viel Zeitkolorit eingebracht, das Zentrum gegen Vertreibungen etwa taucht auf, Flüchtlingsgeschichten. Nur einmal sitzt die Autorin einem heute üblichen Übersetzungsfehler auf und verlegt die Graudenzer Goetheschule nach Pommern. Interessante Geschichte, spannend und abwechslungsreich erzählt, recht verwickelt, manchmal etwas gruselig.

Barbara Kämpfert (KK)

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