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Ausgaben: Ausgabe 1381.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

„Das könnte Mut machen“

Premsyl Pitter: Unter dem Rad der Geschichte. Autobiografie. Neu bearbeitet von Sabine Dittrich. Herausgeber: Ackermann-Gemeinde. Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2017. 173 Seiten, 12,90 Euro

„Das müssen die Leute heute lesen. Das könnte ihnen Mut machen.“ Mit diesen Worten legte Sabine Dittrich den Gästen in Prag die Autobiografie von Premysl Pitter ans Herz. Im Jahr 1970 erschienen Pitters Erinnerungen mit dem Titel „Unter dem Rad der Geschichte“. Nun ist dieses bedeutende Zeugnis zur Geschichte des 20. Jahrhunderts nach über vier Jahrzehnten in einer Zusammenarbeit zwischen der Ackermann-Gemeinde, der Schriftstellerin Sabine Dittrich, dem Nationalen Pädagogischen Museum in Prag und dem Neufeld Verlag in einer bearbeiteten Neuauflage erschienen. Im April wurde das Buch im Nationalen Pädagogischen Museum in Prag der Öffentlichkeit vorgestellt.

In seiner Autobiografie berichtet Pitter sachlich von seinem Leben. Seiner Wendung zum christlichen Glauben folgte mutiges und geschicktes Handeln, das für unzählige Menschen über viele Jahrzehnte zum Segen wurde. Mit seinem Wirken in der Zwischenkriegszeit, während der NS-Besatzung seiner Heimat und in der direkten Nachkriegszeit erwies er sich als großer Humanist, der sich um tschechische, jüdische und deutsche Kinder unabhängig von ihrer nationalen Zugehörigkeit kümmerte. Besonders die „Aktion Schlösser“ verdient Bewunderung. Zunächst nahm er nach Kriegsende jüdische Kinder, die die Konzentrationslager überlebt hatten und meist Waisen waren, in seinen Kinderheimen auf. Dies waren Schlösser im Umkreis von Prag, die ihm hierfür von den staatlichen Stellen zur Verfügung gestellt wurden. Als Pitter die Zustände in den Internierungslagern für Deutsche erlebt hatte, setzte er sich dafür ein, auch deutsche Kinder aufnehmen zu dürfen. Er erlangte die Genehmigung, und so fanden mehrere Hundert deutsche Kinder Schutz in den Schlössern. Mit diesem mutigen Einsatz lebte Pitter bereits 1945 und 1946 die deutsch-tschechische Versöhnung vor.

Dittrich berichtete, wie Pitters Lebensgeschichte und seine Gedanken sie elektrisiert haben, als sie bei einer Recherche im Sudetendeutschen Archiv zufällig auf seine Person stieß. Ihr war klar, seine Biografie sollte auch heute die Menschen erreichen. Für die Neuauflage gewann sie die Ackermann-Gemeinde. Matthias Dörr, Bundesgeschäftsführer des katholischen Verbandes, betonte in Prag: „Die Botschaft von Premysl Pitter ist heute weiter aktuell.“ In seinem Buch führe er durch das 20. Jahrhundert. Dieses halte zahlreiche Beispiele bereit, wie Demokratie und Menschlichkeit verlorengehen könnten. „Er hat gezeigt, was möglich ist“, so Dörr. Er dankte dem Nationalen Pädagogischen Museum in Prag, welches den Nachlass von Pitter verwaltet, und der Autorin für die gute Zusammenarbeit. Auch Markéta Pánková vom beteiligten Museum freut sich über die Neuerscheinung: Sie trage „die Erinnerung an den christlichen Humanisten und seine Mitstreiter in die heutige Zeit.“

In Prag las die Autorin ausgewählte Passagen aus der Autobiografie und zog damit das Publikum in den Bann. Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Veranstaltung durch ein Holzbläsertrio der Musikschule der tschechischen Hauptstadt unter der Leitung von Jan Hejhal.

Dittrich wird mit dem Buch in den kommenden Wochen gemeinsam mit der Ackermann-Gemeinde unterwegs sein. Auch auf dem Sudetendeutschen Tag in Augsburg und im Rahmen des Festivals „Meeting Brno“ in Brünn hat sie die Neuerscheinung und damit den europäischen Humanisten Premysl Pitter präsentiert.

ag (KK)

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