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Ausgaben: Ausgabe 1384.

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Wer zählt die Straßen, nennt die Namen

Hans-Jürgen Klein: Die Straßen Elbings. Von der Gründung der Stadt 1237 bis 1945. Elbinger Hefte 49. Truso-Verlag, Münster 2011, 256 Seiten

Straßennamen dienen der Orientierung, der Auffindung von Menschen, Firmen, Gebäuden und Grundstücken. Je größer der Ort ist, desto wichtiger sind die Straßennamen. Sie vermitteln Geschichte und können anregen, über die Vergangenheit nachzudenken. Sie lassen erkennen, welches Zeitbild die im Ort zur Zeit der Straßenbenennung lebenden Menschen hatten oder mindestens jene, die das Stadtgeschehen bestimmt haben.

Mehrfach ist sowohl vor als auch nach 1945 der Versuch unternommen worden, die Herkunft und Bedeutung einiger oder sämtlicher Elbinger Straßennamen zu erklären. Dies gelang jedoch nie wirklich zufriedenstellend. Einige Abhandlungen und Aufsätze, lexikalische Beiträge und andere Kurzfassungen aus der Vergangenheit waren kaum mehr als der Hinweis darauf, dass die Elbinger Straßennamen bis zum Ende der deutschen Zeit im Februar 1945 ein dringend zu erforschender Themenbereich ist.

Der Autor dieses Buches, gebürtiger Elbinger aus Bremen, hat den Ruf vieler Elbinger, der Heimatforscher und der Historiker vernommen und daraufhin sehr gründlich und möglichst vollständig die Straßenbenennungen in Elbing untersucht. Das Ergebnis ist ein wertvoller Beitrag zur Geschichte der Stadt, jedenfalls für die deutsche Zeit bis zur Stadtzerstörung am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945. Es dürfte, gleichsam als Namenslexikon, mithin Nachschlagewerk, sowohl der Stadtgeschichtsforschung wie auch der Familienforschung Fragen beantworten.

Straßennamen sagten früher darüber aus, wer dort ansässig war und welchem Gewerbe die Menschen dort nachgingen, wie in der Fleischerstraße oder auf dem Markt. Andere Straßen, wie die Burgstraße und die Markttorstraße, wiesen auf Bauwerke hin. Wie anderswo auch, trugen zahlreiche Straßen die Namen von Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte oder von Objekten und solche aus der deutschen Geistes-, Wirtschafts-, Industrie- oder auch Militärgeschichte, oder die Namen deutscher Städte und Länder.

Andere Straßennamen stammten von Gemarkungen, ehemaligen Bürgerhöfen und Gütern, oder sie zeigten die Richtung nach auswärts an wie die Holländer Straße und die Pr. Holländer Chaussee. Besonders die vielen neuen Stadtteile wurden von den Einwohnern nach ihrer Lage oder auch inoffiziell nach den Straßennamen genannt. Die Fliegersiedlung lag dort, wo es u. a. eine Richthofenstraße gab. Die Siedlung mit der Amselstraße war die Vogelsiedlung, nicht zu verwechseln mit der Vogelsangsiedlung am gleichnamigen Stadtwald.

Es kann bei einer so alten Stadt nicht verwundern, dass nicht jede Namensfindung schlüssig dargelegt werden kann. Der weitaus größte Teil der Elbinger Straßennamen konnte aber, ausgehend von dem letzten gültigen Plan nach dem Stand von Anfang des Jahres 1945, der allerdings nur eine Rekonstruktion ist, geklärt und beschrieben werden.

Die Untersuchung macht zugleich auf den Umfang der Erweiterung des Stadtgebietes in den letzten 50 Jahren vor 1945, auf die Eingemeindungen und den Bau mehrerer Stadtteile aufmerksam. Sie lässt auch erkennen, dass zahlreiche Straßen in dieser Zeit umbenannt worden sind, und dies nicht erst nach 1933. Einige Namen erinnern an die NS-Zeit. Diese waren amtlich, sie gab es und sie mussten daher auch als die zuletzt gültigen genannt werden. Es war der deutschen Bevölkerung nicht vergönnt, sie nach Kriegsende zu tilgen. Der Ausgang des Zweiten Weltkrieges mit seinen Folgen verhinderte dies.

Versehen ist der Band mit schlüssigem grafischen und fotografischen Material, Straßenkarten und Fotos konkretisieren die alphabetisch geordneten Artikel mit den derzeit möglichen Angaben zu der jeweiligen Straße.

Hans-Jürgen Schuch (KK)

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