Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1385.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Sie haben die Soutane nicht nach dem Wind gedreht

Archiv für schlesische Kirchengeschichte. I. A. des Instituts für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte hg. von Rainer Bendel. Band 73, Aschendorff Verlag, Münster 2015, 405 S., 29,90 Euro

Dieses Jahrbuch trat 1936 in Breslau unter der Ägide von Kardinal Bertram an die Öffentlichkeit, erstand nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen neu und besaß immer qualifizierte Leiter. Der jetzige Herausgeber arbeitet als Professor an der Universität in Tübingen und ist – anders als seine Vorgänger – nicht katholischer Geistlicher.

Den Hauptteil des Bandes bilden 16 Aufsätze, davon vier aus der Feder polnischer Autoren. Die meisten Texte zeigen das Leben ostdeutscher Priester im 19. Jahrhundert, das ideen- und verhaltensmäßig weit ins 20. Jahrhundert hineinreichte, „letztlich bis zum Beginn des ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der alten Mächte in Mitteleuropa“ (Bendel). Rainer Bendel behandelt einleitend das Rahmenthema „Der Seelsorgeklerus in den Auseinandersetzungen mit den Zeitströmungen des 19. Jahrhunderts“, Tobias Norbert Körfer schreibt über „Priester im Kulturkampf in oberschlesischen Gemeinden im Vergleich“ und Hans-Georg Aschoff über „Priester in der norddeutschen Diaspora des 19. Jahrhunderts“.

Der vom Thema her relevante Aufsatz „Priesterbilder im oberschlesischen Industriegebiet zur Zeit des Kulturkampfes“ schwächelt nicht unerheblich, da der Fokus auf nur zwei Geistliche gerichtet ist, der Text eine klare Strukturierung vermissen lässt und die Sprache als abgehoben verkomplizierend erscheint. Paul Mais Beitrag „Breslauer Priester im Bistum Regensburg im 19. und 20. Jahrhundert“ bietet dafür erfreulich viele Personalien, und Michael Hirschfelds Abhandlung „Der soziale Pfarrer – Schlesien und Westfalen im Vergleich“ („Branntweinpest“ und „Mäßigkeitsvereine“ Diepenbrock und Ketteler) ist zu begrüßen. Die Erweiterung des Jahrbuches über schlesische Themen hinaus ist bekundet durch die Aufnahme zweier Beiträge polnischer Verfasser, die das Bistum Ermland bzw. Westpreußen betreffen.

Drei Tagungsberichte und einige Mitteilungen des herausgebenden Instituts sowie Zusammenfassungen in polnischer Sprache runden den Band ab. In summa: Ein umfangreiches, der Beachtung und der Lektüre wertes Buch, das leserfreundlich auf gutem Papier gut gedruckt ist. Dem kombinierten Orts- und Namensregister sollte man freilich kein Vertrauen schenken.

Hans-Ludwig Abmeier (KK)

«

»