Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1387.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Monarchie, Eu- und Kakophonie

Ausschreibung zu einer IKGS-Konferenz

Vom 9. bis zum 11. Oktober 2018 veranstaltet das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Ludwig-Maximilians-Universität München gemeinsam mit dem Institut für Deutsch als Fremdsprache (DAF), dem Internationalen Forschungszentrum Chamisso (IFC) und der Internationalen Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit (IFM) eine interdisziplinäre Konferenz zur Mehrsprachigkeit in der Donaumonarchie (1848–1918) zu Aspekten von „Wissen – Herrschaft – Soziale Praxis“. Bis zum 31. Januar 2018 werden Themenvorschläge erwartet.

Die sprachliche und kulturelle Vielfalt sowie sprachpolitische Komplexität der Habsburgermonarchie wirkt sich nicht nur bis heute auf weite Teile Zentraleuropas aus, sondern liefert gleichzeitig viele Beispiele für den Umgang mit Sprachenvielfalt, Plurikulturalität und Pluriethnizität. Sprach- und bildungstheoretische Diskurse, herrschaftliches Handeln und alltägliche Lebenswelten werden in diesem Zusammenhang durch eine widersprüchliche Koexistenz von Pluralität und Vereinheitlichungsbestrebungen bestimmt. Im Zentrum der Modernisierungs- und Nationalisierungsprozesse, die den Vielvölkerstaat prägen, steht das Problem der sozialen Ordnung. Dies hat wiederum Folgen für das Verhältnis des mehrsprachigen Individuums zu den individuell wie kollektiv wirksamen Verwaltungsakten und für die Herausbildung politischer Ideologien. In diesen Kontexten werden auch die sozialen, politischen und ‚lebensweltlichen‘ Aspekte der Mehrsprachigkeit in Abhandlungen zur Sprachphilosophie, Logik und Ästhetik sowie in sozialwissenschaftlichen und ethnologischen Texten reflektiert.

Den von ideologischer Ausdifferenzierung und sozialem Wandel geprägten Ambivalenzen auf wissenschaftlicher, philosophischer und politischer Seite steht der praktische Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt gegenüber. Betroffen davon sind einerseits individuelle und kollektive, zumal lokal verortete, Phänomene der Mehrsprachigkeit, wie sie sich etwa in Archivquellen und literarischen Zeugnissen niederschlagen, andererseits Fragen zur konkreten Umsetzung sprachpolitischer Konzepte in Schulen, Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen sowie die Rekonstruktion des tatsächlichen Sprachgebrauchs in den unterschiedlichen Domänen.

Die komplexen Themen bedürfen der Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche in historischer, wissenschaftsgeschichtlicher, linguistischer und literaturwissenschaftlicher Perspektive. Dabei soll auch der heuristische Mehrwert einer verstärkten Kooperation zwischen linguistisch-empirischer Erforschung von Mehrsprachigkeit und historischen Untersuchungen zur Diskussion gestellt werden, wie sie vornehmlich Literatur- und andere Geisteswissenschaften praktizieren. Darüber hinaus setzt sich die Tagung zum Ziel, die Fruchtbarkeit ihrer Erkenntnisse für den Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt im gegenwärtigen Europa zu diskutieren.

Willkommen sind Vorschläge zu den folgenden Bereichen (gegebenenfalls auch darüber hinaus): Sprachpolitik und Herrschaft (politisches, legistisches und exekutives Handeln, Sprach(aus)bildung und Verwaltung, Interferenzen über den habsburgischen Raum hinaus), Mehrsprachigkeit und Alltagswelt, Mehrsprachigkeit in literarischen Texten (habsburgische Sprachpolitik, Mehrsprachigkeit als literarisches Phänomen, alltägliche und literarische Formen der Sprachpraxis, linguistische Phänomene), Wechselwirkungen mit der Literatur- und Wissenschaftsgeschichte, langfristige Auswirkungen (Mehrsprachigkeit im postimperialen Kontext der Zwischenkriegszeit, sprachgeschichtliche Argumentationsstrategien, Sprache und Migrations- und Integrationspolitik).

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch, passive Deutschkenntnisse sind erforderlich. Zu senden sind ein Abstract (PDF, maximal 300 Wörter) und ein kurzer Lebenslauf an mehrsprachigkeit2018@ikgs.de. Gerne helfen die Veranstalter dabei, günstige Quartiere in München zu finden. Ein Teil der Reisekosten kann auf Anfrage von den Veranstaltern übernommen werden. Weitere Informationen gibt es auf der Tagungswebsite www.mehrsprachigkeit.info.

(KK)

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