Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1387.

Bücher, Medien, Veranstaltungen

Bühne als Brücke

Vertreibung und Migration auf dem Theater

Mit einem Wiegenlied aus Siebenbürgen, in das alle einstimmten, begann eine Podiumsdiskussion im Münchner Haus des Deutschen Ostens zum neuen Theaterprojekt „Kalte Heimat – Was heißt woher?“. Wohl erstmals beschäftigen sich Theaterleute mit Flucht, Vertreibung und Migration. Professor Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Haus des Deutschen Ostens, stellte klar: Flucht und Vertreibung ergaben sich unter direkter Gefahr eher spontan, Migration verlangt eine Entscheidung, sie wird vorbereitet.

In vielen Gesprächen mit Heimatvertriebenen hat sich die diplomierte Regisseurin Dorothea Schroeder auf ihr Theaterstück vorbereitet und dabei an sich selbst erfahren, wie wenig die Schule das Schicksal der Millionen Heimatvertriebenen berücksichtigt, wie lückenhaft die Schulbücher sind. „Wie kann es sein, dass eine achthundert Jahre lange Geschichte einfach nicht mehr bekannt ist?“

Eine Willkommenskultur gab es bei Kriegsende nicht, die Heimatvertriebenen kamen in zerstörte Städte, und wenn sie in weniger betroffene Gebiete verbracht wurden, übertrafen sie an Zahl fast die dortigen Einwohner. Als Beispiel nannte Andreas Otto Weber Starnberg, das 50 Prozent Heimatvertriebene verkraften musste, Bayern insgesamt 28 Prozent.

Erklärtes Ziel von Dorothea Schroeder ist es, mit soziokulturellen Projekten Brücken zu bauen zwischen den Heimatvertriebenen von einst und den Flüchtlingen, wie sie zum Beispiel aus Vietnam, der Tschechoslowakei, Bosnien und Syrien gekommen sind. Auslandserfahrungen hat sie u. a. in Belgrad und Moskau gesammelt. Lesungen über Vertriebenen- und Flüchtlingsschicksale machen einen Teil des Theaterprojekts aus. Gezogen wird ein Vergleich zwischen dem Ankommen der Deutschen bei Kriegsende und den Flüchtlingen in der Gegenwart. Ist es ähnlich oder ganz anders? Wie muss eine Gesellschaft aussehen, die Menschen aufnimmt? Zum Nachdenken darüber anzuregen ist eine Intention des auch von der Stadt München und Oberbayern geförderten Projekts.

„Was ist Heimat?“, fragten die Theaterleute im Haus des Deutschen Ostens ihre Zuhörer. Andreas Otto Weber: „Heimat ist ein Gefühl, das sich auch an anderen Orten einstellen kann, zum Beispiel beim Besuch der Gräber von Vorfahren, Heimat, das geht nicht aus der Seele.“

Norbert Matern (KK)

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