Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1387.

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Kann man Heimat schmecken?

Schlesisch-rheinische Tagung

Als identitätsstiftend für ein Gefühl regionaler Zugehörigkeit werden häufig Merkmale wie Landschaft, Sprache, Geschichte und Kultur wahrgenommen. Das Aufleben traditioneller Feste und die Renaissance des Begriffes Heimat gelten als Zeichen eines wachsenden Stellenwerts der Identifikation einer Volksgruppe mit einer bestimmten Region. Doch wann und warum identifizieren sich Menschen mit ihrem räumlichen Umfeld? Was macht regionale Identität aus? Und welche Bedeutung hat sie für die Entwicklung der Region sowie für die Menschen, die dort leben?

Antworten auf diese und weitere Fragen suchten und fanden die Referenten und Teilnehmer einer Fachtagung unter dem Motto „Regionale Identität – Ursache und Wirkung. Heimatgefühle in Zeiten der Globalisierung?“ im Haus Schlesien von Königswinter.

Die Tagung fand in Kooperation mit der VHS Siebengebirge als Rahmenprogramm zur aktuellen Sonderausstellung „Typisch schlesisch!?“ statt. Weitere teilnehmende Partner waren das Siebengebirgsmuseum, der Bund Heimat und Umwelt e.V., die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, der Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein e.V. sowie das Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen.

Auch wenn mehrere hundert Kilometer zwischen Schlesien und dem Rheinland liegen, kann man bei näherer Betrachtung der Geschichte und Kultur beider Regionen feststellen, dass eine gewisse Nähe hinsichtlich der Mentalität ihrer Bewohner vorhanden ist. Beide Landstriche sind Grenzgebiete, die somit vielfältigen Einflüssen durch Grenzverschiebungen, wechselnden territorialen Zugehörigkeiten und Wanderungsbewegungen ausgesetzt waren. Über die Jahrhunderte waren sie Schnittstellen verschiedener Kulturen. Im Rheinland waren es die Römer und später die Franzosen, denen bedeutende Anteile an der kulturellen Entwicklung zugeschrieben werden. In Schlesien waren es neben den Preußen vor allem Polen und Böhmen, die den Landstrich geprägt haben.

Ein Versuch der Veranstalter und Tagungsteilnehmer war, die regionale Identität als „Geschmacksache“ zu interpretieren. Ein schlesischer Reim von Friedrich Bischoff diente als Ausgangspunkt: „Meiner Heimat gute Gaben: Striezel, Streuselkuchen, Baben!“ Eines steht fest: Mit typischen Speisen aus der Heimat verbinden die meisten Menschen positive Erinnerungen – ein Grund dafür, dass die Rezepte über Generationen weitergegeben werden. Die enge Verbindung zwischen einer Region und ihrer Esskultur erkennt man nicht nur in Gasthöfen, wo heimische Spezialitäten angeboten werden, sondern auch an einer wachsenden Zahl von Kochbüchern und Sterneköchen, die die regionale Küche zelebrieren. Allerdings ist „Geschmacksache“ wohl nicht alles, wie sich im Laufe der Veranstaltung herausstellte.

Die Tagung erörterte am Beispiel Schlesiens und des Rheinlandes sowohl Gemeinsamkeiten als auch Abgrenzung gegenüber anderen Regionen.

Von Seiten des Gastgeberhauses beteiligte sich Kuratorin Silke Findeisen mit einer Führung durch die Sonderausstellung „Typisch schlesisch!?“ sowie mit einem Vortrag. Die langjährige Mitarbeiterin stellte in ihrem Beitrag „Hort schlesischer Identität im Rheinland – der Verein Haus Schlesien“ einige Meilensteine aus der Geschichte und Entwicklung des Vereins seit seiner Gründung im Jahre 1973 bis in die Gegenwart vor. In seinem Vortrag „Sprache, Gemeinschaft und Identität“ präsentierte Dr. Arndt Wigger vom Studienhaus für Keltische Sprachen und Kulturen, Königswinter, u. a. Aspekte der unterschiedlichen Dialekte sowie der Mundarten als schützenswertes Kulturgut.

Über das Thema „Regionale Identität – entdecken, gestalten, vermitteln“ referierte Dr. Inge Gotzmann vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn. Sie zeigte Bezüge zwischen Landschaft, Natur und Kultur auf, die Heimat und regionale Identität ausmachen. Und da Heimat nicht an den Grenzen eines Landes aufhört, gelten die Verbindungen zu den Nachbarländern als Anknüpfungspunkte für bilaterale Projekte. Elmar Scheuren, Leiter des Siebengebirgsmuseums Königswinter, beschäftigte sich in seinem Vortrag „Deutschland, Frankreich und der Rhein – Bemerkungen zu einer verunglückten Identitätssuche“ mit der zeitweilig problematischen Entwicklung der deutsch-französischen Verhältnisse.

Claudia Waibel von der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Bad Honnef, sprach über „Konrad Adenauer – Prägungen, Heimat, Identität“. Sie verwies darauf, dass Adenauer oftmals als „preußischer Rheinländer“ bezeichnet wurde und dass er seine Europapolitik mit dem gemeinsamen christlichen Glauben verband. Inke Kuster vom Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein e. V. wiederum rückte in ihrem Beitrag „Erst geht es zum Brünnchen und dann auf Pützchen. Gedanken zu einem Erinnerungsort“ den christlichen Glauben in Form mittelalterlicher Volksfrömmigkeit in den Fokus.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es für die Tagungsteilnehmer einen schlesisch-rheinischen Abend, der die beiden Regionen sowohl kulinarisch als auch mundartlich-humorvoll beleuchtete.

(KK)

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