Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1380.

„Der Augenblick ist mein“

Das sagte Andreas Gryphius, und ihn in Acht zu nehmen, fordert Juri Pawlov mit einen Fotografien im Ostpreußischen Landesmuseum

Der schwarze Rand hat technische Gründe, korrespondiert aber mit der traurigen (Selbst-)Ironie der Roma-Familie in Kaliningrad
Bild: Juri Pawlov

Der russische Fotograf Juri Pawlov aus Königsberg/Kaliningrad porträtierte zwischen 2012 und 2015 insgesamt 270 Menschen im Kaliningrader Gebiet.

Angeregt durch Arbeiten des bedeutenden US-amerikanischen Fotokünstlers Richard Avedon (1923–2004) versucht der 1958 in Odessa (Ukraine) geborene Pawlov, mit seiner Bilderreihe die besondere natürliche Charakteristik der Einwohner dieser westlichen Exklave Russlands in ausdrucksstarken Momentaufnahmen zu spiegeln.

Auf seinen sommerlichen Reisen durch das Gebiet fotografierte Pawlov unter anderem in den Städten Kaliningrad (Königsberg), Sowjetsk (Tilsit), Tschernjachowsk (Insterburg) sowie in kleinen Orten und Dörfern Menschen unterschiedlichen Alters und sozialer Stellung. Der Künstler, seit 1990 Mitglied des Verbands der Kunstfotografen Russlands, traf die Personen in Alltagssituationen, an Feiertagen oder auf besonderen Festen.

Um die Fotosituationen zu vereinheitlichen, benutzte Pawlov – soweit dies möglich war – mit seiner analogen Kamera Rittreck 5 x 7 inch. einen neutralen weißen Hintergrund. Er verfolgt damit nach seiner Aussage eine Vergleichbarkeit der Aufnahmen. Die Motive wählte der Fotograf nach dem Gesichtspunkt aus, einen möglichst vielseitigen Eindruck von den Bewohnern und Traditionen im heutigen, zu Russland gehörenden Oblast Kaliningrad zu vermitteln – einst das nördliche Ostpreußen.

Bei der Eröffnung sprach Juri Pawlov über seine künstlerische Arbeit und die Menschen auf seinen Fotografien. Im Anschluss führte er zusammen mit der Übersetzerin Marina Schönke durch seine Ausstellung.

Das Begleitprogramm bietet einen Fotoworkshop mit Ralf Peters für Fotografen, die tiefer einsteigen wollen. In diesem Kurs stehen inhaltliche Fragen im Vordergrund. Wie funktioniert ein Bild, und wie steht der Inhalt mit der Form in Verbindung? Aber auch das Spielerische und Experimentelle kommt nicht zu kurz. Die eigene Ideenpalette soll erweitert werden.

Von einem zionistischen Getreidehändler, Mäzenen und Gesundheitstourismus, aber auch Neuigkeiten über die Geschichte der Juden in Königsberg um 1900 handelt eine Foto-Präsentation von Ruth und Michael Leiserowitz über in Israel lebende Familien, deren Vorfahren in Königsberg lebten.

Ein Malworkshop mit der Künstlerin Elena Steinke zu zeitgenössischen Porträts zwischen Tradition und Moderne handelt von der Fotokamera als Bestandteil eines Künstlerateliers. Ihre Nutzung mindert den Wert des geschaffenen Werkes nicht, solange das Bild nicht nur zum „Abbild“ eines Fotos wird. Das Porträt und seine Umsetzung ins Zeichnerische und Malerische wird Thema dieses Workshops sein. Angaben zu Anmeldung und Terminen sind auf der Homepage des Museums abzurufen.

Das Ostpreußische Landesmuseum wird zurzeit umgebaut und modernisiert. Das neue Eingangsfoyer ist bereits fertiggestellt und von der Heiligengeiststraße 38 zu betreten. Die neue, vollständig überarbeitete Dauerausstellung mit Deutschbaltischer Abteilung wird nach den Umbaumaßnahmen voraussichtlich im Sommer 2018 wiedereröffnet.

Mit der Ostpreußischen Kulturstiftung als Trägerin wird das Landesmuseum institutionell durch die Bundesrepublik Deutschland auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und durch das Land Niedersachsen gefördert.

(KK)

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