Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1254.

Die deutsche Sprecherin spricht Tschechisch

Katrin Freier engagiert sich beim Deutsch-tschechischen Jugendforum

„Die Jugendlichen von heute sind die Entscheidungsträger von morgen!“ Diese Aussage stammt nicht etwa von einem Politiker oder einem langgedienten Verbandsfunktionär, sondern von der 23jährigen Kathrin Freier. Sie ist auf deutscher Seite die Sprecherin des Deutsch-tschechischen Jugendforums und engagiert sich neben ihrem Magisterstudium an der Universität Regensburg (Politik, Öffentliches Recht, Germanistik) hauptsächlich in diesem Themenfeld in den südlichen und östlichen deutschen Bundesländern sowie in Tschechien.

In Brünn hat sie zuletzt ein Semester studiert, ein Praktikum in Berlin gemacht. Fast jedes zweite, mindestens aber jedes dritte Wochenende ist die in Obertraubling (Landkreis Regensburg) wohnende Studentin für das Deutsch-tschechische Jugendforum unterwegs. Dabei stellt sie fest, daß „die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik so gut wie nie zuvor“ seien. Ein Praktikum im Pressereferat der Deutschen Botschaft in Prag vertiefte diese Einschätzung. Dennoch hält die 23jährige eine weitere Förderung des Jugendaustausches und der Jugendbegegnungen für absolut notwendig. Für noch wichtiger hält sie die Förderung der Beziehungen im unmittelbaren Grenzraum, wo häufig nur wenige Verbindungen existieren. Gezielter Sprachunterricht könnte ihrer Meinung nach auf beiden Seiten dazu beitragen, sich Kultur und Mentalität des Nachbarn gegenseitig näherzubringen und Ängste zu überwinden.

Die Sprachkompetenz ist auch für Kathrin Freier ein Grundpfeiler der Arbeit. Bei einer Exkursion nach Prag und Pilsen nach ihrem Abitur am Gymnasium Neutraubling, kurz vor Studienbeginn, war sie von diesen Städten so fasziniert, daß sie Kontakte zu tschechischen Studenten knüpfte. „Das studienbegleitende Erlernen der tschechischen Sprache bei Sprachkursen an der Uni war der erste Schritt“, blickt sie zurück und erwähnt in diesem Kontext das Bohemicum an der Regensburger Universität, an dem neben der Sprache auch die Landeskunde, Geschichte und Kultur der Tschechischen Republik intensiv vermittelt wird.

Ein Jahr hat sie die Grundelemente des Tschechischen erlernt, sich darüber hinaus in der Politikwissenschaft mit den politischen Systemen der Staaten Mittel- und Osteuropas beschäftigt. „Seither hat sich mein Interesse für Mittel- und Osteuropa noch verstärkt“, bekennt sie. Der nächste Schritt war, auch um die Sprachkenntnisse zu vertiefen, die Organisation eines deutsch-tschechischen Stammtisches in Regensburg, zu dem seit drei Jahren Angehörige aller Altersgruppen und Berufssparten kommen. Bei „Tandem“, dem Koordinierungszentrum für den Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch, machte sie eine Ausbildung im Bereich Sprachanimation, um bei Jugendbegegnungen die Nachbarsprache spielerisch vermitteln zu können.

Bei dieser Fortbildung wurde Kathrin Freier auf das Deutsch-tschechische Jugendforum aufmerksam. Sie bewarb sich sofort als Mitglied, wobei sie ihre Motivation dazu und einige Projektideen beschreiben und einbringen sollte. Sie konnte das Führungsteam begeistern – seit Herbst 2005 gehört sie dieser binationalen Einrichtung an, die sich aus jeweils 20 deutschen und tschechischen Jugendlichen zwischen 16 und 26 Jahren zusammensetzt. Sie wurde auf Anhieb zur stellvertretenden deutschen Sprecherin gewählt. Als der deutsche Sprecher im Herbst 2006 zurücktrat, fiel die Wahl zur Sprecherin auf sie.

Alle Mitglieder treffen sich zweimal jährlich im Plenum, die fünf Arbeitsgruppen (Bildung, Begegnungen, Jugend, Kommunikation, Politik)  haben drei Zusammenkünfte pro Jahr. Die Hauptarbeit geschieht in den auf zwei Jahre angelegten Arbeitsgruppen, in denen bestimmte Themen projektbezogen erarbeitet werden. „Alle Projekte haben eine deutsch-tschechische Thematik“, erklärt die Sprecherin.

Sie selbst hatte die Projektidee zum verstärkten Tschechisch-Unterricht an Schulen im deutsch-tschechischen Grenzraum. Das heißt konkret, daß Tschechisch als Fremdsprache angeboten werden sollte. Als Basis diente der aus zwei Tschechen und vier Deutschen bestehenden Arbeitsgruppe eine für diesen Zweck durchgeführte Untersuchung zu den Tschechisch-Aktivitäten an bayerischen und sächsischen Schulen im deutsch-tschechischen Grenzraum. Die Ergebnisse der Umfrage in Bayern wurden bereits auf einer Tagung der Euregio Egrensis in Marktredwitz und einer Konferenz des Bohemicums in Regensburg sowie  bei der Mitgliederversammlung des Jugendforums vorgestellt. „Die meisten Schulen in der Oberpfalz, in Niederbayern und Oberfranken hatten keine Kontakte zu tschechischen Bildungseinrichtungen“, lautet nach Kathrin Freier die ernüchternde Bilanz der Studie.

Als Sprecherin des Jugendforums muß sie ihr Freizeitinteresse für das Theater noch mehr reduzieren. Zum Handballspielen kommt sie seit der Aktivität im Jugendforum schon gar nicht mehr. Da die Sprecher des Jugendforums auch in den Beirat des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums und damit in den offiziellen bilateralen Dialog eingebunden sind, kommen noch einige Termine dazu. In gewisser Weise gehört die 23jährige damit schon zu den Entscheidungsträgern, zumindest im deutsch-tschechischen Bereich, und in diesem Tätigkeitsfeld möchte sie sich auch künftig bewegen.

Nähere Informationen zum Deutsch-Tschechischen Jugendforum gibt es im Internet unter www.jugendforum.ahoj.info.

Markus Bauer (KK)

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