Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1384.

„Die ihr Leben in dieses Land einbauten“

Und ihren Tod: Gedenken an die Opfer des Nachkriegslagers Valpovo

Kränze der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Landsmannschaft der Donauschwaben am Denkmal in Walpach/Valpovo
Bild: der Autor

Zum Abschluss der Minderheiten-Konferenz von Essek/Osijek (siehe Vorseiten) fuhr man ins nahegelegene Walpach/Valpovo. Dort befindet sich auf einem großen Friedhof am Stadtrand ein Denkmal für die etwa 1600 Opfer des Nachkriegslagers für die Deutschen. Nikolai Mak, der Vorsitzende der Donauschwaben in Walpach, erklärte, dass die Toten auf einer großen Fläche um das heutige Denkmal in Massengräbern bestattet worden seien. Das Arbeitslager, Mak sprach von einem Konzentrationslager, hat von Mai 1944 bis Mai 1945 bestanden und war durchschnittlich mit etwa 4000 deutschen Internierten belegt, die nur ihrer Volksgruppenzugehörigkeit wegen dort waren.

Das Denkmal wurde aus weltweiten Spenden von Donauschwaben finanziert und 2011 errichtet. Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Michael Lange aus Zagreb und Frank Spengler aus Budapest, legten einen Kranz nieder, ebenso Vertreter der Donauschwaben. Nikolai Mak sprach Worte des Gedenkens, der lutherische Pfarrer Matti Korpiaho, ein Finne, hielt eine Andacht.

Anschließend besichtigte man die Begegnungs- und Gedenkstätte der Donauschwaben in Kroatien, die sich seit 2010 in der St.-Rochus-Kapelle in Walpach befindet. Auf der Tafel vor dem Eingang steht in kroatischer und deutscher Sprache: „Zum Gedenken an unsere Vorfahren, ehrsame und fleißige Menschen, die in den vergangenen Jahrhunderten auf kroatischem Boden eine neue Heimat fanden. Allen Donauschwaben, die ihre Träume und ihr Leben in dieses Land einbauten, als Zeichen der Erinnerung und Dankbarkeit. – Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien, Esseg“. In der Kapelle sind an Wandtafeln etwa 1200 der 1600 Opfer namentlich erfasst und weitere Dokumente aus dem Leben der Donauschwaben in Kroatien zu sehen. Eine Karte zeigt ihre historischen Siedlungsgebiete. Renata Trischler, die Geschäftsleiterin der Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien, erläuterte die Aufgaben der Begegnungs- und Gedenkstätte.

Die Konferenz war ein guter Beweis dafür, welche Möglichkeiten sich den Donauschwaben und anderen Minderheiten in Kroatien und seinen Nachbarstaaten bieten, insbesondere nachdem die demokratische Entwicklung sich nach dem verheerenden Krieg in den 1990er Jahren stabilisiert hat und Kroatien seit 2013 Mitglied der Europäischen Union ist. Das Gelingen der Europäischen Integration ist die grundlegende Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Minderheiten in ihren Ländern und damit für ihren wichtigen Beitrag innerhalb der europäischen Verständigung.

Klaus Weigelt (KK)

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