Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1387.

„Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache“

Renata Zajaczkowska spricht für die deutsche Minderheit in Polen

Reden gegen den Groll, in Polen wie in Deutschland: Renata Zajaczkowska auf Schloss Burg
Bilder: der Autor

„Meine Kindheit war zu Ende, als ich vierzehn Jahre alt war und der Krieg nach Gleiwitz kam. Dort spürten wir den Krieg nicht so sehr, weil wir ein sehr gut organisiertes Lebensmittelkartensystem hatten. Wir mussten keinen Hunger leiden, alles funktionierte normal, ab und zu hatten wir nur Verwandte bei uns zu Hause, die aus dem Westen kamen, aus Solingen, einer Stadt an der Grenze zu Belgien. Sie kamen zur Erholung, denn bei ihnen gab es Luftangriffe, bei uns war es ruhig. Gut, dass sie sich schon Ende November auf den Weg nach Hause machten, denn bei uns war die Lage im Januar schon sehr schwer – aus dem Osten rückte die Front heran.“
So erzählt Renata Zajaczkowska in ihrem Buch „Vergangenheit, die man nicht vergessen kann“, Breslau 2015.

Wie präsent und lebendig die Erinnerungen an die Ereignisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit für die 1932 geborene Autorin Renata Zajaczkowska auch heute noch sind, wird bei der Lektüre ihres Buches deutlich. Als Vorsitzende der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft (DSKG) in Breslau und als Vertreterin der deutschen Volksgruppe in Polen nimmt die Zeitzeugin auch in weiteren Veröffentlichungen sowie in zahlreichen Vorträgen im In- und Ausland Bezug zu ihren persönlichen Erlebnissen aus der Vergangenheit. Sie blickt jedoch auch optimistisch in die Gegenwart und vor allem in die Zukunft.

Jüngst sprach sie über Heimat und Identität aus Sicht der Heimatverbliebenen beim Treffen der Ostpreußen, Schlesier und Pommern auf Schloss Burg bei Solingen. „Obwohl die Geschichte wichtig ist und wir sehr viel getan haben und weiterhin tun, um sie kennen, verstehen und pflegen zu lernen, ist die deutsche Volksgruppe in Polen auf die Zukunft angewiesen. Um Zukunft zu haben, brauchen wir Bildung und Medien, moderne Kultur neben der Tradition, mit Sprache muss das wiederbelebt werden, was verlorengegangen ist.“

Renata Zajaczkowska zitiert Wilhelm von Humboldt: „Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache“, und kommentiert: „Das wussten auch die kommunistischen Verwalter, als sie das deutsche Schulwesen eingestellt und den Unterricht der deutschen Sprache in Oberschlesien und Ostpreußen zwei Generationen lang verboten haben.“

Aber: „Im vereinten Europa, welches sich als Ziel das Motto ‚Einheit in Vielfalt‘ gesetzt hat, haben auch Schlesien, Ostpreußen und Pommern, die seit Jahrhunderten diesem Prinzip treu gewesen sind, einen festen Platz mit einer eigenen kulturellen Vielfalt, mit starkem deutschen Anteil nicht nur des Erbes, sondern auch der modernen Gegenwart.“

Die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft (DSKG) in Breslau, deren Vorsitzende Renata Zajaczkowska ist, stellt die größte Gesellschaft der Deutschen in Niederschlesien dar. Zu den Aufgaben und Zielen der Einrichtung gehören Tätigkeiten im kulturellen und sozialen Bereich, die Pflege der deutschen Sprache und Kultur sowie der niederschlesischen Traditionen und Geschichte. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurden ein Kulturausschuss, ein Sozialausschuss und ein Ausschuss für Kinder- und Jugendarbeit gebildet. Die Gesellschaft bietet auch Deutschunterricht an und besitzt eine Bibliothek mit Werken zur Geschichte und Kunst Schlesiens.

Die Aktivitäten der DSKG bereichern nicht nur das Kulturleben der Stadt Breslau, sie tragen auch zum besseren Verständnis der schlesischen Geschichte bei. Darüber hinaus unterstützt die Gesellschaft zahlreiche Kulturveranstaltungen in Breslau, etwa die Millenniumsfeierlichkeiten der Stadt.

Die DSKG bringt die Zeitschrift „Niederschlesische Informationen“ heraus und hat eine wöchentliche Radiosendung mit dem Titel „Sami swoi – Miteinander“ beim Sender Radio Wrocław.

Dieter Göllner (KK)

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