Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1385.

Dome sind niemals fertig

Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen über zwei unfertige Kleinode in Ost und West

Nicht allein Gotteshaus, sondern Hort des preußisch-deutschen Patriotismus im 19. Jahrhundertdie Marienburg an der Nogat
Bilder: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Passend zur Thematik beherbergte die Domstadt Köln ein für Kunsthistoriker, Architekten, Denkmalpfleger und Restaurateure höchst interessantes Treffen unter dem Motto „Die Marienburg und der Kölner Dom – Denkmalpflege und Architekturvollendung in der Romantik“. Mitveranstalter war das Deutsch-Polnische Forschungsinstitut am Collegium Polonicum Slubice, gefördert wurde die Tagung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Idee der modernen Denkmalpflege und damit verbunden der Wunsch, mittelalterliche Monumente wiederherzustellen oder zu vollenden, entstand an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Dabei spielten die aufkommende Frühromantik sowie der infolge der Französischen Revolution auch in Deutschland entstehende Patriotismus eine entscheidende Rolle. Bei der Marienburg an der Nogat im Osten des Reiches wurden diese Ideen 25 Jahre später erstmalig umgesetzt. Die Wiederherstellung der Marienburg markiert den Beginn der Denkmalpflege in Preußen bzw. in Deutschland. Sie eröffnete den Weg für die 1842 in Angriff genommene Fertigstellung des in der westlichsten Provinz gelegenen Kölner Doms als ein Symbol staatlicher und kultureller Einheit Deutschlands.

Vom Kölner Dom heißt es, wenn er fertig ist, geht die Welt unter. Die Gefahr bestand weder 1855, wie unser Bild zeigt, noch besteht sie
heute – hofft man zumindest

Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums des Restaurierungsbeginns in Marienburg und des 175-jährigen Jubiläums der Wiederaufnahme der Bauarbeiten am Kölner Dom wurden bei der Tagung die Wiederherstellung bzw. Vollendung dieser Gebäude im Geist der Romantik aus aktueller Forschungsperspektive vorgestellt und diskutiert. Dabei wurden sowohl der politische und geistesgeschichtliche Hintergrund als auch die konkrete Arbeitsweise der frühen Denkmalpflege beleuchtet. Die wissenschaftliche Leitung der internationalen kunsthistorischen Fachtagung lag bei Professor Dr. Christofer Herrmann, der an der Universität Danzig/Gdansk lehrt und derzeit an der TU Berlin tätig ist.

Im Rahmen der Sektion „Marienburg“ referierten Professor Dr. Udo Arnold aus Bad Münstereifel zum Thema „Der Deutsche Orden und der preußisch-deutsche Patriotismus im 19. Jahrhundert“ sowie Professor Dr. Bernhart Jähnig aus Berlin über „Theodor von Schön als Initiator der Wiederherstellung der Marienburg“. Dr. Kazimierz Pospieszny aus Marienburg/Malbork sprach über „Die Bedeutung der Bauforschung in der Restaurierung des Marienburger Hochmeisterpalastes 1817–1925“, und Justina Lijka aus Marienburg/Malbork behandelte das Thema „Im Dienst der Idee. Die Ansichten des Marienburger Schlosses des Danziger Vedutenmalers Johann Carl Schultz aus der Zeit der romantischen Restaurierung“. Ebenfalls zu diesem Themenkreis hielt Izabela Brzostowska aus Thorn/Torun den Vortrag „Der Restaurierung zweiter Teil – Die Marienburg unter Konrad Steinbrecht“.

Beiträge zur Sektion „Architekturvollendung und frühe Denkmalpflege im 18./19. Jahrhundert“ boten unter anderem Dr. Rita Mohr de Pérez aus Berlin, die über „Die Restaurierung des Magdeburger Doms in der Frühzeit staatlicher Denkmalpflege“ referierte, und der Architekt Petr Chotebor aus Prag, der „Die Vollendung des Prager Doms“ beleuchtete. Auch der Vortrag „Die romantische Wiederherstellung der Marienburg ab 1817 – 200 Jahre Denkmalpflege in Deutschland“ von Professor Dr. Christofer Herrmann gehörte zu dieser Sektion.

Im Rahmen des dritten Themenblocks „Der Kölner Dom“ referierten Professor Dr. Stefan Samerski aus Berlin („Die preußischen Könige und der Weiterbau des Kölner Doms im Spannungsfeld zwischen Preußen und den Rheinlanden“), Michael H. G. Hoffmann aus Köln („Vorgeschichte und Gründung des Zentralen Dombau Vereins Köln“) sowie Elmar Scheuren aus Königswinter („Auf der Suche nach dem richtigen Stein – Ernst Friedrich Zwirner, der Dom und der Drachenfels“) und Dr. Thomas Schumacher aus Köln („Die Kölner Dombauhütte im 19. Jahrhundert“).

Dieter Göllner (KK)

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