Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1380.

Ein „schicklicher Ort“

Das Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf feiert sein 60-jähriges Bestehen als Stätte der Erinnerung und Zukunft

Auch wolgadeutsches Schicksal, gewiss keine festlicher, aber umso denkwürdigerer Gegenstand, wurde zur Düsseldorfer Feierstunde von jungen Laienschauspielern aus Saratow auf die Bühne gebracht
Bilder: der Autor

Die Urkunde im Grundstein für den Bau des Hauses in der Düsseldorfer Bismarckstraße enthält die Aussage: „Keine Stätte der Absonderung, sondern eine Stätte der Begegnung! Nicht nur eine Stätte der Erinnerung, sondern eine Stätte der Zukunft!“ Dieses Motto war und ist im Gerhart-Hauptmann-Haus immer Programm. Die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus wurde 1957 unter dem Namen Haus des Deutschen Ostens durch die nordrhein-westfälische Landesregierung gegründet. 1992 fand die Umbenennung in Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-osteuropäisches Forum statt. Das Ziel war und ist auch heute die Erhaltung, Darstellung und Weiterentwicklung der Kultur der historischen deutschen Ostgebiete und der deutschen Siedlungsgebiete in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens fanden in Düsseldorf mehrere Veranstaltungen statt, die in einem Festakt gipfelten. Die musikalische Umrahmung übernahm der Violonist Paul Rosner, durch das Programm führte Professor Dr. Winfried Halder, Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus.

Helmut Harbich, der Vorsitzende des Vorstandes, und Reinhard Grätz, der Vorsitzende des Kuratoriums, boten den Gästen einen Streifzug durch die Geschichte der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Sie verwiesen auch auf die Bedeutung der aktuellen und zukünftigen Aufgaben zur Bewahrung und Pflege des gemeinsamen historischen und kulturellen Erbes. Vorgestellt wurde auch die druckfrische Broschüre zum 60-jährigen Bestehen der Stiftung, die unter dem Motto „Zukunft braucht Erinnerung“ auch ein Aktionsprogramm enthält.

Als Hauptrednerin bei der musikalisch umrahmten Feierstunde konnte die Familienministerin Christina Kampmann gewonnen werden, die in ihrer Ansprache die Leistungen der Stiftung würdigte. Die Ministerin betonte, dass die Einrichtung einen wesentlichen Beitrag dazu leiste, die Erinnerung an Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und das Bewusstsein für die Entwicklungen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa wachzuhalten. „Die Stiftung schafft es damit, die Bedeutung der Erinnerungskultur für das geeinte Deutschland und in einem friedlichen Europa zu verdeutlichen“, erklärte Ministerin Kampmann und fügte hinzu: „Ihr Haus ist ein Ort der Begegnung und Erinnerung. Aber es ist auch eine Denkfabrik geworden, die neue Herausforderungen aufgreift und Gestaltungsangebote schafft.“

Christina Kampmann, Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen

Vor allem lobte die Ministerin die Anstrengungen des Gerhart-Hauptmann-Hauses, junge Menschen für die Erinnerungskultur, für die Geschichte von Flucht und Vertreibung zu sensibilisieren. Sie betonte: „Wir möchten erreichen, dass junge Menschen ihre gemeinsamen europäischen Wurzeln entdecken und für ein friedliches Europa in Freundschaft und Solidarität eintreten.“ Skizziert wurde auch das Konzept zur Neuausrichtung der Förderung nach § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) – Kulturpflege der Vertriebenen und Bildungsarbeit zum Thema Flucht und Vertreibung. Christina Kampmann weiß zu schätzen, dass die Stiftung neben einem Zukunftspapier auch ein neues Leitbild erarbeitet und hier Vorbildliches geleistet hat: „Ich finde es richtig, dass die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg eine Kernaufgabe des Hauses bleibt.“

Bodo Löttgen, Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen, betonte in seiner Ansprache: „60 Jahre Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, das bedeutet auch 60 Jahre aktives Eintreten für gelungene Integration, für eine lebendige Erinnerungskultur, für eine aktive und fruchtbare Völkerverständigung und für die notwendige Bewahrung unseres gemeinsamen kulturellen Erbes.“ Löttgen sprach von der ausdrücklichen Anerkennung der Leistungen, die die Heimatvertriebenen bzw. die Spätaussiedler und Übersiedler beim Aufbau des Landes nach 1945 erbracht haben, sowie über ihren Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilität Nordrhein-Westfalens und der gesamten Bundesrepublik bis in die Gegenwart.

Bodo Löttgen verwies auch darauf, dass all diese Errungenschaften nur dank des Engagements auch der Mitarbeiter des GHH und der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer sowie durch die Unterstützung der Landsmannschaften und des BdV zustande kommen konnten: „Wir begrüßen mit Nachdruck die umfängliche Integration der Vertriebenenkultur in das erinnerungskulturelle Leitkonzept der Landesregierung und erkennen die diesbezüglichen besonderen Verdienste des Gerhart-Hauptmann-Hauses um eine zeitgemäße Ausgestaltung der Kulturarbeit nach § 96 Bundesvertriebenengesetz an.“

Hans-Günther Parplies, Ehrenvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Landesverband Nordrhein-Westfalen

Ein Grußwort zum 60. Gründungstag sprach auch der Ehrenvorsitzende des BdV, Landesverband NRW, Hans-Günther Parplies. Er würdigte die gute Zusammenarbeit mit den Gremien des Hauses und die stets auf Konsens gerichtete Amtsführung. Mit Blick in die Zukunft betonte Parplies: „Es ist für die Vertriebenen und ihre Nachkommen ebenso wie für die Gesamtheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen wichtig, ja notwendig, das Gespräch über die Zukunftsfragen gemeinsam zu führen. Das Gerhart-Haus ist – um es mit Immanuel Kant zu sagen – der ‚schickliche Ort‘ dafür.“

In seinem Schlusswort sagte Reinhard Grätz lapidar und doch überzeugend überzeugt: „Die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus – Deutsch-osteuropäisches Forum hat sich vorgenommen, auch weiterhin eine gute Arbeit zu leisten – nicht mehr und nicht weniger.“

Ergänzend zur Feierstunde wurde ein Theaterstück über das Schicksal einer wolgadeutschen Familie im Jahr 1941 von Vertretern der Jugendakademie aus der Region Saratow/Wolga aufgeführt.

Dieter Göllner (KK)

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