Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1381 und Ausgabe 1382.

Feinstes Gespür für Zeit und Zeitung

Der schlesische Rheinische Postler Joachim Sobotta ist gestorben

Auch für ernstgemeinten Humor zu haben: Joachim Sobotta wird von Rüdiger Goldmann zum schlesischen Ritter gekürt
Bild: privat

An seinem 85. Geburtstag habe ich ihm telefonisch gratuliert! Da ging es ihm gesundheitlich schon sehr schlecht. Nicht lange danach, am 10. Juni, ist er gestorben.

Einem seiner Söhne konnte ich noch von unserer Schneekoppenbesteigung berichten, das war vor 15 Jahren bei einer schlesisch-böhmischen Reise des Bundes der Vertriebenen. Sobotta war gebürtiger Glatzer und blieb auch nach der Vertreibung durch die neuen polnischen „Verwalter“ stets seiner Heimat und den ostdeutschen Vertriebenen verbunden.

Die „Rheinische Post“, die er nahezu 30 Jahre lang erfolgreich als Chefredakteur leitete, hatte seinerzeit noch einen eigenen Teil „Jenseits von Oder und Neiße“ und verfolgte eine gesamtdeutsche Linie, ohne jedoch die Ziele der organisierten Vertriebenen uneingeschränkt zu vertreten. Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Ablehnung jeglicher Art von Diktatur sowie der sowjetischen Vorherrschaft gehörten allerdings zu Joachim Sobottas unerschütterlichen Grundsätzen.

In einer Anzeige gedenken die Verantwortlichen der Mediengruppe des großen Journalisten: „Die Zeitung verstand Sobotta als Brückenbauer, der Verbindung schafft und Heimat erschließt. Das war für den gebürtigen Niederschlesier, der als junger Mensch ins Rheinland kam, wesentlich: Er wollte Geborgenheit vermitteln, ohne schön zu reden, was es zu kritisieren galt. Kaum ein Tag, an dem Joachim Sobotta nicht kenntnisreich und meinungsstark kommentierte. Kaum ein Tag, an dem er nicht Kollegen lobte, die ihn in der Redaktion ideenreich und einsatzfreudig unterstützten. Joachim Sobotta sah sich selbst als erster Schreiber der Redaktion. Er wollte nicht bloß Redaktionsmanager sein, sondern schreibend und gestaltend teilhaben am spannenden täglichen Prozess des Zeitungmachens.“

Nach seiner Pensionierung arbeitete er ehrenamtlich im Haus Schlesien e. V. in Königswinter, im Vorstand der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR in Bonn, nachmals Königswinter, und im Kuratorium der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf, bis er sich wegen der Erkrankung seiner Frau, die er aufopferungsvoll betreute, nach und nach zurückziehen musste.

Er besuchte mit unseren Freunden Oberschlesien und dort den Kreis Ratibor. Er unterstützte den Lubowitzer Eichendorff-Verein und das Kulturzentrum in Lomnitz. Beim Abstieg von der Schneekoppe, den er unbedingt zu Fuß bewältigen wollte, war er zeitweise vermisst, stieß dann aber per Anhalter wieder zu uns. Er hatte eine eigene Art, seinen Kopf durchzusetzen, ohne dabei anderen zur Last zu fallen.

Wegen seiner vielfachen Verdienste wurde er am Tag der Deutschen Einheit, dem 9. Oktober 2002, auf Schloss Stonsdorf in den schlesischen Ritterstand aufgenommen. Das war reichlich überfällig, nach allem, was er für schlesische Belange getan hatte und tat, außerdem beherrschte er die schlesische Mundart perfekt.

Sobotta war als bekennender Protestant zugleich ein Mann der typischen Toleranz, wie sie sich in Schlesien mit seiner religiös gemischten Bevölkerung und seiner jahrhundertelange Zugehörigkeit zu Österreich und danach zu Preußen ausgebildet hat. Zwar hatte er im Rheinland ein neues Zuhause und eine einflussreiche Position gefunden, blieb aber seiner Heimat Schlesien stets verbunden. Mit Rübezahl wollen wir ihm alle danken, wir vermissen ihn und trauern.

Rüdiger Goldmann (KK)

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