Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1381.

Ferien machen die andern

Die Häuser der Kultur ostdeutscher und osteuropäischer Observanz bieten Begleitprogramme dazu

Kulturerbe will ernsthaft gepflegt sein, hat aber auch etwas mit Freude zu tun, und Fröhlichkeit ist nicht ganz ausgeschlossen: Sommerfest im Haus Schlesien im rheinischen Siebengebirge
Bild: der Autor

Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg: 100. Geburtstag von Johannes Bobrowski
„BDA Schaufenster Lüneburg“ ist eine Präsentation, die bis zum 2. Juli im Foyer des Ostpreußischen Landesmuseums zu besichtigen ist. In Lüneburg ansässige Mitglieder des Bundes Deutscher Architekten (BDA) stellen ihre Arbeiten aus und wollen damit unterstreichen, dass sie bestrebt sind, eine Kultur des Planens und Bauens zu fördern. Interessierte haben die Möglichkeit, sich auf den neuesten Stand in Sachen regionaler Architektur zu bringen. Die Ausstellung zeigt zwanzig aktuelle Antworten von BDA-Architekten auf unterschiedliche Anforderungen der modernen Stadtgestaltung.

Vom 8. Juli bis zum 8. Oktober 2017 präsentiert das Ostpreußische Landesmuseum Arbeiten des litauischen Fotografen Arturas Valiauga unter dem Titel „Johannes Bobrowskis Litauen: Beiderseits der Memel, zwischen Osten und Westen“, deren Schwerpunkt Biographie und Werk des aus Ostpreußen stammenden Schriftstellers Johannes Bobrowski (1917–1965) bilden. Indem Arturas Valiauga die Topographie des Lebens und Schaffens von Johannes Bobrowski und das heutige Erscheinungsbild dieser Orte erschließt, erschafft er eine konzeptuelle Dokumentarfotografie, die die Betrachter auf die Wege Bobrowskis im heutigen Litauen, im Kaliningrader Gebiet und in Deutschland führt.

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Johannes Bobrowski wird auch daran erinnert, dass er in seinen Werken das schwierige Schicksal der Region durch seine eigene Biographie und seine schmerzhaften Erfahrungen in Krieg und Kriegsgefangenschaft wiedergegeben hat, verbunden mit der Trauer über die Auswirkungen des Krieges und die Judenvernichtung. In Verbindung des Werkes Bobrowskis mit der konzeptuellen Dokumentarfotografie von Arturas Valiauga entsteht eine Form des Erinnerns, die europäische Geschichte lebendig macht und zum Nachdenken über Europas Gegenwart und Zukunft anregt.

Vom 31. Juli bis zum 4. August können Anfänger und Fortgeschrittene „Kreative Techniken der Aquarellmalerei und der Aquarellzeichnung“ im Rahmen der Sommerakademie mit der Künstlerin Elena Steinke erlernen beziehungsweise ausüben.

Haus Schlesien Königswinter: Von Luther über die „frische Fahrt“ bis zum Stiftungsfest

Bis zum 8. Oktober ist im Haus Schlesien von Königswinter-Heisterbacherrott die Luther-Ausstellung „Kirchfahrer, Buschprediger, Betende Kinder – 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“ zu besichtigen.

Im Rahmenprogramm bietet Dr. Inge Steinsträßer am 2. Juli 2017 den Vortrag „Bethäuser, Friedens- und Gnadenkirchen – sichtbare Zeichen der Reformation in Schlesien“. Die Präsentation geht sowohl auf die Anfänge der Reformation in Schlesien ein als auch auf die Gegenreformation unter den Habsburgern sowie auf die konfessionelle Stabilisierung unter preußischer Herrschaft. Sichtbare Zeichen der Reformation sind bis heute die Friedens- und Gnadenkirchen, die zum kulturellen Erbe Schlesiens gehören.

Ausstellungsbegleitend finden öffentliche Führungen im Rahmen der „Schlesischen Dreiviertelstunde“ statt. Am 20. Juli geht es um das Thema „Konfessionalisierung im Kirchenraum“ und am 17. August um den Schwerpunkt „Verschiebung der Glaubensmehrheit – Folgen der Vertreibung für die evangelische Kirche Schlesiens“.
Im Haus Schlesien ist bis Anfang November eine neue Kunstausstellung zu sehen.

Unter dem Motto „Ein magisch wilder Fluss. Frische Farben für den Eichendorffsaal“ zeigen Ulrike Biermann, Humberto Brentano, Bernd Immel und Stéph Vasen eine Auswahl ihrer jüngsten Werke. Die ausstellenden Künstler sind Mitglieder des Künstlertreffs Hennef, der von Ulrike Biermann ins Leben gerufen wurde.
Am 20. August lädt Haus Schlesien zum traditionellen Sommer- und Stiftungsfest ein, bei dem ein abwechslungsreiches Programm mit Musik- und Trachtengruppen geboten wird.

Oberschlesisches Landesmuseum Ratingen: Bahnwelten, Sommerfest und Troppau

Die große Sonderausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen-Hösel, „Schlesische Bahnwelten: 175 Jahre Modernität und Mobilität“ greift vielfältige Aspekte der Eisenbahngeschichte auf. Zu sehen sind bis zum Frühjahr 2018 zahlreiche bahntypische Zeugnisse sowie historische und gegenwärtige Facetten der Bahn und nicht zuletzt eine Auswahl von Lok- und Waggontypen verschiedener Epochen. Am 9. Juli kann der Besuch der Ausstellung mit dem OSLM-Sommerfest verbunden werden. Höhepunkte sind neben den Führungen durch die „Schlesischen Bahnwelten“ ein Platzkonzert des Oberschlesischen Blasorchesters und die Kunstausstellung der Lintdorfer Maler.

Am 30. Juli wird im OSLM in Kooperation mit der Troppauer Kulturorganisation (OKO) die Ausstellung „Troppau im Jahre Null“ eröffnet. Im Fokus steht die Geschichte der tschechischen Stadt Troppau/Opava, die ihre Stunde Null 1945 erlebte, als sie von der Roten Armee im Zuge der Mährisch-Ostrauer Operation eingenommen und weitgehend zerstört wurde. Nach dem Anschluss des Sudetengebietes an die Tschechoslowakei wurden die deutschen Bewohner vertrieben.

Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm: Flucht vor der Reformation

Flucht vor der Reformation – bis über den Großen Teich: Landung der Schwenckfelder mit der St. Andrew in Philadelphia im September 1734, gemalt von Adolf Pannash
Bild aus der OKR-Ausstellung „Im Dienste der Menschheit“

Am 7. Juli wird im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm die neue Sonderausstellung „Flucht vor der Reformation – Täufer, Schwenckfelder und Pietisten zwischen dem deutschen Südwesten und dem östlichen Europa“ eröffnet. Die vom Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart konzipierte Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Ministers für Inneres, Digitalisierung und Migration, Thomas Strobl. Die Präsentation rückt religiös bedingte Wanderungsbewegungen zwischen dem deutschen Südwesten und dem östlichen Europa in den Vordergrund. Bis sich die neue Glaubenslehre der Reformation endgültig etablierte, tobten heftige Auseinandersetzungen. Für Andersgläubige gab es als Ausweg oft nur Anpassung, Märtyrertod oder Emigration.

Am 16. Juli findet der Ost-Südostdeutsche Volkstumsabend des Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau-Kreis des Bundes der Vertriebenen statt, in dessen Rahmen die Landsmannschaften an die kulturellen Traditionen aus ihren Herkunftsgebieten erinnern. Die Donauschwäbische Tanz- und Trachtengruppe Ulm sorgt für die musikalische Unterhaltung und wird Volkstänze vorführen.

Haus des Deutschen Ostens München: Das Who’s Who der Deutschen aus dem östlichen Europa

Bereits zum dritten Mal zeigt das Haus des Deutschen Osten (HDO) München eine Auswahl an Biografien von Persönlichkeiten, die als Deutsche im östlichen Europa geboren wurden. Bisher waren bereits 70 Biografien in zwei Folgen zu sehen. Bis zum Jahresende werden weitere 35 Lebensbilder vorgestellt. Die Sammlung soll beispielhaft die Vielfalt des Schaffens der unterschiedlichen Personen aus verschiedenen Herkunftsländern der Deutschen des östlichen Europa durch die Jahrhunderte zeigen und den einen oder anderen Überraschungseffekt des Wiedererkennens oder des Kennenlernens erzielen. In der nunmehr dritten Folge werden unter anderem Martin Opitz, Marie von Ebner-Eschenbach, Marcel Reif und Kurt Schumacher vorgestellt.

Dieter Göllner (KK)

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