Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1383.

„Freiheit ist kein Freibrief“

Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting

Fahnen vorm Altar: Trachtenträger mit Geistlichen und Ministranten
Bild: der Autor

Angeführt von drei Bannern bzw. Fahnen (Sudetendeutsche Landsmannschaft, St. Anna Bischofteinitz, Pfarrei Friedberg an der Moldau) und den Trachtenträgern zogen die Ministranten und Geistlichen in die Basilika St. Anna ein. Auf den Gedenktag Mariä Heimsuchung verwies Dorothea Schroth von der Ackermann-Gemeinde in ihrer Begrüßung und stellte den Gedanken der Begegnung in den Vordergrund. Die Wallfahrt sei Zeichen des Dankes für die erfahrene Hilfe sowie einer Bitte in eigener Sache. Sie könne aber auch „stärken für die Begegnung im privaten und öffentlichen Leben. Erfahrungen echter Begegnung sind eine Bereicherung und bringen Verständnis füreinander, sind Brücken zum friedlichen Miteinander der Menschen“, so die Vertreterin der Ackermann-Gemeinde.

An die vielen auch der Gottesmutter Maria geweihten Wallfahrtsorte in Böhmen, Mähren und Schlesien erinnerte zu Beginn seiner Predigt Weihbischof Pappenberger. Da diese Stätten nach der Vertreibung und während der Existenz des Eisernen Vorhanges nicht mehr zugänglich waren, habe sich der Gnadenort Altötting als ein neuer Ort der Wallfahrt für die Sudetendeutschen herauskristallisiert. „Altötting ist für viele Heimat im Glauben geworden – auch für die Sudetendeutschen“, stellte der Weihbischof fest. Auch zitierte er Papst Benedikt XVI.: „Hier sind alle daheim, die Gottesmutter ist für alle zugegen. Wer zu ihr kommt, den will sie bei der Hand nehmen und hinführen zu dem, der uns in die wahre Heimat bringt.“ Und so gelte für Marienwallfahrer, dass sie über Maria zu Jesus kommen, d. h. dass ihre Gebete, Sorgen und Anliegen über die Gottesmutter direkt zu Jesus gelangen. Voraussetzung sei allerdings, offen zu sein für Gott und dem Menschen zugeneigt.

Weihbischof Pappenberger ging in seiner Predigt allerdings auch auf die politischen Ereignisse der Vortage ein: die Abstimmung zur „Ehe für alle“ im Bundestag und das Begräbnis von Altkanzler Helmut Kohl. Dazu rief der Weihbischof den Besuch Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1996 in Deutschland, konkret dessen Ansprache vor dem Brandenburger Tor, in Erinnerung. Damals stellte Johannes Paul II. den Aspekt „Freiheit“ in den Mittelpunkt. Er machte klar, dass Freiheit immer mit großer Verantwortung verbunden sei und zur Freiheit auch die Wahrheit gehöre. „Das Bild vom Brandenburger Tor ruft zur Freiheit, die verantwortlich ist vor Gott und den Menschen“, interpretierte Weihbischof Pappenberger und wurde – auch angesichts der Entscheidung im Bundestag – deutlich: „Freiheit ist nicht Beliebigkeit, ist kein Freibrief. Wer aus der Freiheit einen Freibrief macht, hat ihr schon den Todesstoß versetzt!“ Der Weihbischof betonte auch, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes bzw. der Bayerischen Verfassung sehr wohl gewusst haben, „was sie geschrieben haben. Und sie haben es auch so gemeint: in Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Bezüglich des Bundestagsbeschlusses bezog Weihbischof Pappenberger unmissverständlich Position: „Der Deutsche Bundestag hat die Grundfeste der Verfassung angegriffen! Die Ehe zwischen Mann und Frau kann nicht durch eine andere Form ersetzt werden, und es kann nicht gleichgültig sein, wie sich die Ehepartner zusammensetzen. Die Zukunft des Volkes hängt an der Frucht der Liebe zwischen Mann und Frau.“

Als Lektoren und Kantor fungierten beim Gottesdienst Anna Knechtel, stellvertretende Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München-Freising, Anita Langer, Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München-Freising, und Monsignore Johannes Tasler (Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese München-Freising.

Ebenfalls in der Basilika St. Anna fand am Nachmittag die Marienfeier statt, die Monsignore Dieter Olbrich, der Präses der sudetendeutschen Katholiken, zelebrierte. Nach dem Totengedenken zitierte er zu Beginn seiner Ansprache den russischen Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski, der beim Anblick der Sixtinische Madonna von Raffael sagte (und in einem Brief überlieferte): „Damit ich am Menschen nicht verzweifle!“ Heute gebe es, so der Präses, auch viele Verzweiflungsmomente: (Bürger)Kriege, Terror, aber auch Hasstiraden etc. im Internet, Abtreibung, Drogen, Kindesmissbrauch, Betrug, Bestechung usw. „Die Diagnose unserer Zeit sieht nicht gut aus, aber es gibt auch Gutes“, relativierte der Geistliche und bewertete die Gottesmutter Maria als „Symbol des Guten und Zeichen unserer Hoffnung“. In Maria zeige Gott, was er mit den Menschen vorhat, nämlich die Teilhabe am göttlichen Leben. In diesem Sinn habe Dostojewski zu Maria aufgeschaut, ebenso dürfen die Menschen in Altötting und überall zu Maria aufschauen. „Der Blick zu Maria lässt uns in den Himmel schauen“, schloss der Präses.

Nach der Marienfeier zogen die Wallfahrer, musikalisch begleitet von der Altöttinger Musikkapelle, zur Gnadenkapelle. Dort dankte Kapuzinerpater Bruder Georg Greimel den Pilgern und stellte fest, dass dies auch ein wichtiger Beitrag für den Frieden in der Welt und für die Veränderung der Welt hin zum Guten sei.

Markus Bauer (KK)

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