Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1386.

Heimat ist nicht nur ein Ort

Ernst-Wiechert-Gesellschaft mit neuem Domizil

Die zwei Türme von Zwiefalten, einem Ort für die nicht nur zwie-, sondern vielfältigsten Gespräche auch über Wiechert
Bild: Klaus Weigelt

Seit ihrer Gründung 1989 hatte die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG) ein Domizil im Museum Königsberg in Duisburg. Als das Museum 2015 in das Ostpreußische Landesmuseum nach Lüneburg zog, musste für das Wiechert-Archiv ein neuer Standort gesucht werden. Bücher, Akten, Nachlässe, Dokumente benötigen eine feste Bleibe.

Zwischen Ulm und Sigmaringen (Hohenzollernburg!) liegt der malerische Erholungsort Zwiefalten. Dort gibt es einen traditionsreichen und kulturell sehr aktiven Geschichtsverein, der von einem Mitglied der IEWG geleitet wird. Mitglied sowohl des Geschichtsvereins wie auch der IEWG war die 2014 verstorbene Hedwig Butz, die dem Geschichtsverein ihr geräumiges und gepflegtes Haus vermacht hat, das zu ihren Lebzeiten ein kultureller Treffpunkt des Ortes Zwiefalten war. Die IEWG darf in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein das Haus mit nutzen.

Ernst Wiechert verbrachte fünfzehn Jahre seines Lebens im süddeutschen Raum, zog 1933 von Berlin nach Ambach am Starnberger See, baute in Wolfratshausen bei München den Hof Gagert, in dem er bis 1948 wohnte, und verbrachte die beiden letzten Lebensjahre in Uerikon bei Zürich. In Stäfa liegt sein Grab. Seine geistigen Erben beziehen also einen Standort in seiner Nähe, voller Dankbarkeit gegenüber der Hausbesitzerin Hedwig Butz, die eine angesehene Bürgerin der Gemeinde Zwiefalten war.

So fand zu ihrem 100. Geburtstag am 23. Oktober 2017 ein Wochenende mit Literatur, Musik und Kultur statt, eine Veranstaltung der IEWG in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Zwiefalten e.V. „Wir öffnen den Schrank von Wiecherts Literatur-Archiv“, lautete das „Motto“ über dem differenzierten Programm. Mit interessierten Vertretern der lokalen Presse traf man sich am 21. Oktober im Butz-Haus und besichtigte die kultivierten Räume, den reichen Bücherbestand und die wertvollen Kunstsammlungen.

Wiecherts vollständiges Werk in Einzelausgaben und in zwei Gesamtausgaben lädt zum Lesen ein. Feuerfeste Stahlschränke enthalten unersetzliche Dokumente und – die IEWG ist international – bereits einen Nachlass aus Frankreich.

Eine große Gesprächsrunde tauschte sich im Butz-Haus über Wiecherts aktuelle Bedeutung aus. Die lokale Presse berichtete ausführlich darüber. Die Wiechert-Freunde besichtigten am 22. Oktober das Psychiatriemuseum Zwiefalten und die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie. Auch dieser Gang war dem Dichter geschuldet, der seine Stimme gegen die Unmenschlichkeit des NS-Regimes erhoben hat. „Ernst Wiechert und die Musik“ – Zwiefalten bietet ein reiches Musikleben. Margarete Geyer (IEWG) hatte ein bewegendes Festkonzert zusammengestellt. Sie trug, begleitet von der Pianistin Liliana Roth, Lieder von Franz Schubert vor, Texte von Ernst Wiechert las Heide Hensel.

Zwiefalten liegt in einer Kultur- und Literaturlandschaft, die viele Verbindungen von Ernst Wiechert zu seinen Dichterkollegen anbietet. Eduard Mörike und Johann Peter Hebel, Ernst Jünger und Hermann Hesse „warten“ darauf, Schiller und Hölderlin auch, und ein Ausflug zum nahen Bodensee führt zum Grab von Anette von Droste-Hülshoff.

Bärbel Beutner (KK)

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