Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1390.

In eigener Sache

Die Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR steht vor Entscheidungen, allerdings sind es nicht allein die ihren

Aus den Zeiten, in denen der Titel noch stimmte, stammt dieser OKR-Sammelband mit Erzählungen (1982), Frucht eines der zahlreichen Wettbewerbe
Bilder: OKR

Vorerst zum letzten Mal traf sich am 8. März 2018 der Kreis des Kuratoriums des OKR im Haus Schlesien in Heisterbacherrott. Es war kein Nostalgie-Treffen, sondern eine Begegnung des Nachdenkens und natürlich auch der Dankbarkeit für die langen Jahrzehnte, in denen der OKR bisher gewirkt hat. Das Leitthema der Gespräche war die Frage, wie der OKR unter geänderten und gewandelten Umständen weitermachen und wie der Zusammenhalt der vielen zum OKR gehörenden Persönlichkeiten, bei allen Widrigkeiten, aufrechterhalten und vielleicht sogar gefestigt werden kann.

Für dieses Ziel ist es sehr hilfreich, dass mit Christean Wagner ein Mitglied des OKR-Kuratoriums Anfang März 2018 den Vorsitz der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen als Nachfolger von Erika Steinbach übernommen hat. Das Zentrum wird in diesem Jahr wieder den Franz-Werfel-Preis verleihen und gleichzeitig seine fünfte Ausstellung in Frankfurt eröffnen. Die übrigen vier Ausstellungen sind bekannt. Die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen hat ihren Sitz in Godesberg im Gebäude des BdV und ist nicht zu verwechseln mit der Bundes-Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin, die das „Sichtbare Zeichen“ vorbereiten soll.

Bei der vorjährigen Jahrestagung in Warendorf wurde 2016 die OKR-Satzung dahingehend geändert, dass die Gremien auf einen Beirat und den Präsidenten als Vorsitzenden des OKR reduziert wurden. Nachdem es 2010 noch einen Institutionen-Beirat, ein Kuratorium, einen Stiftungsrat und einen fünfköpfigen Vorstand gab, also vier Gremien, ist das eine beachtliche Verschlankung.

Natürlich war die Anzahl der Gremien auch mit einer beachtlichen Bindung von wichtigen Persönlichkeiten an den OKR verbunden. Das war positiv. Das Bestreben des OKR wird es sein, diese Bindung so weit wie möglich zu erhalten. Das ist bisher durch die monatliche Ausgabe der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ recht gut gelungen. Außerdem ist es ein Ziel, Persönlichkeiten dazuzugewinnen, um den Kreis der an ostdeutscher Kultur Interessierten und dafür Engagierten zu erweitern.

Damals war die Frage im Titel eine eher rhetorische, und der KK-Chefredakteur Peter Nasarski, stehend, dürfte noch mit gehörigem Selbstbewusstsein gekontert haben: Ausschnitt aus der Studentenzeitschrift „actio“

Klaus Weigelt stellte über seine Grundsatzrede als Motto ein Bibelwort: „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Dieses Wort macht nachdenklich. Wie kaum eine andere Stiftung ist der OKR auf Vergangenheit und Erinnerung einerseits und auf Vorausschau und Zukunft andererseits bei gleichzeitiger Gegenwartsanalyse ausgerichtet. Ohne Rückschau gibt es keine Vorausschau. Das lehnt das zitierte Wort auch nicht ab. Der Pflug liegt ja in der Erde, gräbt, sich fortbewegend, also ein Fundament, in das die Saat für eine zukünftige Ernte eingebracht wird.

Um aber die Richtung zu halten, muss man nach vorn, auf den Horizont, schauen, sonst geht die Spur daneben. Wer kein Fundament hat, kann auch keinen Horizont wahrnehmen. Das berühmte Diktum von Konrad Adenauer lautet: „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“ In einer Zeit der Krisen, der unbeantworteten Fragen und der Orientierungslosigkeit ist diese alte Menschheitsweisheit weitgehend verlorengegangen. Weigelt hat seine Aufgabe für den OKR von 2010 bis heute immer im Licht des zitierten Spruches vom Pflug gesehen.

Im August 2010 war der Präsident des OKR, Eberhard Günter Schulz, verstorben, und Roswitha Wisniewski leitete den OKR als Vizepräsidentin und geschäftsführende Präsidentin. Sie suchte nach einem Nachfolger. Es war kein Amt, um das es Kampf-Kandidaturen hätte geben können. Man suchte nach jemandem, der die Last auf sich nehmen würde.

Schließlich fragte Roswitha Wisniewski Klaus Weigelt. Der zögerte lange, sagte dann aber zu, trotz zahlreicher anderer Ehrenämter, für die er bis heute die Verantwortung trägt. Im November 2010 wählte unter der Leitung von Josef Joachim Menzel der Stiftungsrat des OKR Klaus Weigelt zum Präsidenten. Was auf ihn zukommen würde, war nicht vorauszusehen. Schon deswegen war es besser, nicht zurückzuschauen, als man die Hand an den Pflug legte oder die Hand an den Pflug gelegt bekam.

Vorrangige Aufgabe war, das in Turbulenzen geratene Stiftungsvermögen in eine professionelle Verwaltung zu geben. Das geschah mit einer entsprechenden, vom Stiftungsrat verabschiedeten Richtlinie im Mai 2011. Die Kontrolle des Vermögensverwalters lag von Seiten des OKR fortan bei Fabiana Hofenbitzer. Des Weiteren wurde die „Kulturpolitische Korrespondenz“ (KK) auf eine monatliche Erscheinungsweise umgestellt und wenig später farbig gestaltet. Schließlich wurde, gemeinsam mit der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, das Kulturportal West-Ost als Internet-Plattform eingerichtet.

Die bis 2011 durchgeführten jährlichen Konferenzen „Wege in die Zukunft. Zusammenarbeit mit den östlichen Nachbarländern“ gingen mit der Konferenz 2012 in Schloss Eichholz bei Wesseling in Kooperationen mit bzw. Beteiligungen an Konferenzen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit deutschen Minderheiten im östlichen Europa über. Solche Konferenzen fanden 2013 in Seksard/Szekszárd (Ungarn), 2014 in Fünfkirchen/Pécs (Ungarn) und Cadenabbia/Italien, 2015 in Temeswar/Timisoara (Rumänien), 2016 in Wudersch/Budaörs (Ungarn) und Uschhorod/Ungwar (Ukraine) und 2017 in Ödenburg/Sopron (Ungarn) und Essegg/Osijek (Kroatien) statt. Es waren Konferenzen, die dem OKR, auch über die KK, eine eigene Kompetenz auf dem Gebiet der deutschen Minderheiten im östlichen Europa gewannen, dazu eine enge Kooperation mit dem KAS-Büro in Budapest und mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedler und Minderheiten, zunächst Christoph Bergner und ab 2014 Hartmut Koschyk.

Die tägliche inhaltliche und konzeptionelle Hauptarbeit lag in der Vorbereitung der monatlichen Ausgabe der KK und damit verbunden in der Wartung des Kulturportals. Diese beiden Aufgaben wurden von Georg Aescht wahrgenommen, zugleich Geschäftsführer und Chefredakteur, der sich als Moderator auch an KAS-Konferenzen beteiligte.

Wenn es noch irgendeines Ausweises für Modernität bedürfte, hier ist einer, bescheiden und klar

Die Ausstellung „Im Dienste der Menschheit. Bedeutende Persönlichkeiten aus dem historischen deutschen Osten“ wurde während der Amtszeit von Klaus Weigelt einmal in Wiesbaden von Roswitha Wisniewski eröffnet und 2012 sechs Wochen in der Vorhalle des nordrhein-westfälischen Landtages in Düsseldorf gezeigt. Sie wurde hier von Carina Gödecke, der Präsidentin des Landtages, und Klaus Weigelt eröffnet. Ein Versuch, die Ausstellung in Sachsen zu zeigen, scheiterte trotz aller Bemühungen von Rüdiger Goldmann.

Inzwischen war die Ausstellung nicht mehr zeitgemäß: sie war zu sperrig und die Platten zu schwer, sie bedurfte jeweils eines eintägigen, komplizierten Aufbaus durch Georg Aescht, der sich allein in der Technik auskannte, und zweier Helfer und war zudem für den OKR sehr kostenintensiv. Aus diesem Grunde wurde die Ausstellung 2017 im Zuge der Vorbereitung der Büroauflösung kostenfrei an einen Interessenten abgegeben. Stattdessen wird jetzt an eine Überarbeitung des von Eberhard Günter Schulz 2010 erweitert neu aufgelegten Kataloges zur Ausstellung gedacht.

Für Klaus Weigelt gehörte die Mitarbeit an der KK zum Kern seines persönlichen Engagements. Sie bedeutete zum einen den ständigen und belebenden Kontakt zu den Mitarbeitern, zunächst im Bonner und nach dem Umzug im Königswinterer Büro. Zum anderen war die geistige Herausforderung durch die gestellte Aufgabe dergestalt, dass sie ständig in vielfältiger Weise zu durchdenken war. Das gelang nur dadurch, dass Gedanken und Kommentare kontinuierlich zur Sprache und zu Papier gebracht wurden.

Dieser Weg war schon 2000 zu Ende, dann ging es weiter, aber wird es weitergehen?
Und wie?

Die insgesamt 70 innerhalb von sieben Jahren entstandenen Artikel zeigen das Anliegen des OKR als einer Stiftung, der die Politik mit dem „Schlachtermesser“ (BdV) im Jahre 2000 fast jede Bewegungsmöglichkeit genommen hat und der die Finanzkrise von 2008 zusätzlich die finanzielle Eigenständigkeit massiv beschränkte, die aber trotzdem mit ihrem geistigen Potential ihre Stimme erheben und ihren Beitrag zum kulturellen Dialog der Gegenwart leisten kann. Das geschieht auch durch die konzeptionelle Beteiligung an internationalen Konferenzen und eben ständig durch die Publikation des OKR-Flaggschiffs „Kulturpolitische Korrespondenz“. Alle Autoren der KK haben einen großen Anteil an dieser wichtigen Aufgabe!

Welche Perspektiven ergeben sich für die Zukunft?
Wie geht es mit der KK weiter? Da Georg Aescht mit dem Monat April 2019 in Rente geht, verliert die KK ihren Chefredakteur, der gleichwohl seine Bereitschaft bekundet hat, auf Honorarbasis weiterzumachen. Dennoch zeigt das Haus der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien wenig Neigung, das bewährte Monatsblatt weiter zu fördern. Der OKR sucht derzeit nach Alternativen.

Welchen Weg nimmt der OKR? Die Stiftung arbeitet bereits seit geraumer Zeit mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Essen zusammen. Die neue Satzung wurde mit dem Stifterverband ausgearbeitet und von diesem auch mit der Stiftungsaufsicht abschließend verhandelt. Ziel ist es, den OKR 2019 als selbständige Stiftung in den Stifterverband zu integrieren. Damit wird vor allem die Vermögensverwaltung, der Verkehr mit dem Finanzamt, die Sicherung der Gemeinnützigkeit etc. vom Stifterverband gewährleistet und Unterstützung bei den Verhandlungen mit der Stiftungsaufsicht gesichert.

Alle inhaltlichen Aufgaben verbleiben beim Beirat des OKR und dem Präsidenten. Dabei geht es vor allem um die Entscheidung über die Verwendung der jährlichen Vermögenserträge. Der Beirat wird sich ab 2019 dem Vermögensaufbau und der Erfüllung der Satzungsziele des OKR widmen. Dabei wird ihn das bisherige Kuratorium als Wissenschaftlicher Beirat unterstützen.

Eine weitere Perspektive könnte sich öffnen, wenn die im Sommer 2017 vorgeschlagene Bundeskulturstiftung Wirklichkeit wird. Worum geht es bei dieser Stiftung? Es geht um eine Wiedergutmachung der Zerstörungen von 2000. Unter einem organisatorischen und finanziellen Dach sollen der OKR und die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen sowie andere damals aus der institutionellen Förderung entfernten Einrichtungen wieder in die Lage versetzt werden, besser und nachhaltiger für ihre satzungsmäßigen Ziele zu arbeiten.
Sollte eine solche Bundeskulturstiftung als Ergänzung der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung (SFVV) errichtet werden, dann wäre eine Situation geschaffen, die es auch dem OKR wieder gestatten könnte, mit einer gewissen Personalausstattung und einer verbesserten Finanzierung wirkungsvoller auf die Ziele des § 96 BVFG hinzuarbeiten als ausschließlich über die Verwendung von geringen Vermögenserträgen.

(KK)

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