Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1385.

Kultur fördert Geselligkeit

Und umgekehrt: Deutschbaltisch-Estnische Tage Domus Revaliensis

Die Schrift an der Wand weist in die Vergangenheit, die Stadtlandschaft Revals und zwei seiner Bewohner aber aufs Freundlichste in die Zukunft
Bild: Wikimedia Commons

Wie in jedem Jahr begannen auch die 13. Deutschbaltisch-Estnischen Kulturtage mit der Festveranstaltung am Freitag im Spiegelsaal der Wissenschaftlichen Akademie auf dem Domberg (es ist das ehemalige Haus der Familie von Ungern-Sternberg, Sitz der Deutschen Kulturselbstverwaltung in der Zwischenkriegszeit). Zwei hervorragende Vorträge über August von Kotzebue erfreuten die Zuhörer. Den ersten hielt Dr. Otto-Heinrich Elias, Vaihingen, Deutschland, über seine Stellung in der estnischen und deutschen Literaturgeschichte. Dr. Maris Saagpakk, Estland, sprach über Kotzebue und die Anfänge des estnischen Theaters. Viele Gäste aus Estland und Deutschland lauschten aufmerksam den sich gut ergänzenden Ausführungen beider Referenten.

Besonderen Glanz brachte der deutsche Botschafter in Estland, Christoph Eichhorn, durch seine Anwesenheit in die Veranstaltung. Er sprach freundliche Worte zu der versammelten Gesellschaft. Der anschließende Empfang bot den Gästen Gelegenheit, sich über das Gehörte auszutauschen.

Am Samstag fand die Kranzniederlegung am Denkmal für das Baltenregiment im Vorhof der Akademie statt. Deutschbalten haben vor Jahren, durch eine große Sammelaktion, diesen Gedenkstein finanziert. Es war erfreulich, zu hören, dass Bundespräsident Steinmeier, der eine Woche zuvor Reval besucht hat, einen Kranz am großen Freiheitsdenkmal niedergelegt hat.

Anschließend begaben sich die Teilnehmer erneut in den wunderschönen Spiegelsaal der Akademie der Wissenschaften, um das Konzert zu genießen, das Alo Poldmäe, Musikwissenschaftler aus Dorpat/Tartu, mit erstklassigen estnischen Musikern zusammengestellt hatte und vortrug (Olga Voronova, Violine, Diana Liiv, Klavier, Iris Oja, Gesang). Gespielt wurden Stücke von estnischen und deutschbaltischen Komponisten. Am Nachmittag besichtigte eine größere Gruppe von Teilnehmern die Nikolai-Kirche mit dem berühmten Totentanz von Bernt Notke aus Lübeck und vielen musealen Gegenständen und Gemälden der deutschbaltisch-estnischen Geschichte. Die Kirche ist zu einem Museum umgestaltet worden.

Der Abend gehörte der geselligen Begegnung. Bei einem Buffet erfreute die Pianistin Tiiu Lell die Gäste mit wunderbarer Hintergrundmusik. Esten, Angehörige der deutschen Minderheit, Russen und Besucher aus Deutschland unterhielten sich lebhaft in besonders schöner Umgebung. In der Heiliggeist-Kirche gab Pastor Gustav Piir den Anwesenden am Sonntag das Wort Gottes mit auf den Weg. Zudem erklärte er die vielen historischen Kostbarkeiten im Gotteshaus, besonders den Altar von Bernt Notke.

Den Abschluss der 13. Domus-Revaliensis-Tage 2017 bildete, wie in den Jahren zuvor, die Busfahrt über Land. Besucht wurde das ehemalige Gut von August von Kotzebue – Koue. Es gehört heute dem Sohn von Jan Kross, dem bekanntesten estnischen Schriftsteller, der es liebevoll restauriert hat und es als Tagungsstätte und Restaurant nutzt. In Kose/Kosch wurde die Kirche und auf dem Friedhof das Grab von Augusts Sohn Otto von Kotzebue und seiner Frau Amalie besucht. Andere prominente Deutschbalten ruhen ebenfalls dort.

Zwei weitere Güter lagen an der Ausflugsstrecke. Ravila/Meks ist von einem Ehepaar gekauft worden, das eine Seminar- und Begegnungsstätte im Gebäude plant, die noch nicht fertig ist. Uuemoisa/Neuhof befindet sich in besonders schlechtem Zustand. Ein sehr großes Gutshaus, mit einer wunderschönen Parkanlage, umgeben von großen, alten sowjetischen Plattenbauten. Momentan wird es als Schule genutzt.

Die 13. Domus-Revaliensis-Tage 2017 wurden gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der besonderer Dank für die dabei gewonnenen Eindrücke gilt.

Babette von Sass (KK)

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