Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1336.

Literatur und Kunst

Fahrender Sänger zwischen den Sprachen

Dietmar Scholz genießt die Neugeburt seiner Lyrik auf Polnisch in Liegnitz, Breslau und Hirschberg

Fahrender-SängerDietmar Scholz, Reutlinger Lyriker und Maler, war Anfang Mai auf Lesereise mit „Buchtaufe“ in seiner schlesischen, heute polnischen Heimat: ein außergewöhnlicher Vorgang, zumal die Initiative dazu von polnischer Seite ausging und der Autor mit allen Zeichen hoher Wertschätzung empfangen wurde.

Die Einladung zu dieser ersten persönlichen Begegnung war zu Beginn des Jahres von Dr. Edward Bialek gekommen. Er lehrt als Germanistikprofessor an der Fachhochschule in Liegnitz und an der Universität Breslau. Zur Vorgeschichte: Seit etwa 15 Jahren sind an diesen und anderen polnischen Hochschulen Bemühungen im Gang, die deutschsprachigen Autoren aus Schlesien mit wissenschaftlicher Aufmerksamkeit zu würdigen, auch diejenigen, die – wie Dietmar Scholz – im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

So hat das lyrische Werk von Dietmar Scholz bereits in einzelnen wissenschaftlichen Untersuchungen Beachtung gefunden. In jüngster Zeit folgten, von Professor Bialek angeregt und betreut, sogar zwei Bändchen mit Übersetzungen seiner Gedichte ins Polnische, die Studentinnen und Studenten der FH Liegnitz geleistet haben. Als Anlass der Lesereise nach Schlesien bot sich nun die „Buchtaufe“ des dritten Bandes mit Lyrik-Übersetzungen ins Polnische an.

Zur Buchtaufe wurde druckfrisch der Band „Stacje“ präsentiert, erneut zweisprachig, das Titelblatt beziehungsreich illustriert mit einer Reproduktion des Gemäldes „Kunitzer See“ vom Autor selbst. Das Buch enthält die Übertragung der 48 Gedichte, die 2012 von Dietmar Scholz als eine Art rückschauender „Lebenslauf“ unter dem Titel „Stationen“ publiziert worden sind. Die Buchtaufe bildete den Höhepunkt der Lesereise und fand in der ehemaligen Loge der Freimaurer in der Stadtbibliothek Liegnitz statt. Im Wechsel wurden die Gedichte einzeln erst deutsch von Dietmar Scholz und anschließend von den 15 an der Übersetzung beteiligten Studentinnen (in großer Überzahl) und Studenten auf Polnisch vorgetragen. An eine Würdigung des Werks durch Professor Bialek schloss sich eine Lesung weiterer Kostproben aus dem lyrischen und epischen OEuvre des Autors an, verbunden mit Musikakzenten zu projizierten Bildern von Dietmar Scholz.

Um diesen Glanzpunkt herum gruppierten sich weitere Begegnungen und Unternehmungen zusammen mit polnischen Amtsträgern und Vertretern wissenschaftlicher Institutionen. Hervorzuheben ist an erster Stelle der Besuch in Dietmar Scholz’ nahegelegenem Heimatort Kunitz mit einem Empfang im dortigen Rathaus, bei dem der Autor vom Verbandsbürgermeister Tersa mit der Anstecknadel der Gemeinde ausgezeichnet wurde. Ebenso erfolgte in Kunitz ein Interview mit dem Regionalfernsehsender Liegnitz.

Einen zweiten Schwerpunkt bildete eine Lesung am Germanistischen Institut der Universität Breslau sowie eine Stadtrundfahrt durch Breslau, tags darauf ein Treffen mit dem Leiter des Germanistischen Instituts in Hirschberg. Kurzfristig arrangiert wurde speziell für Dietmar Scholz ein Besuch in Gerhart Hauptmanns Haus Wiesenstein in Agnetendorf mit einer persönlichen Führung durch die Direktorin.

Albert Gnädinger (KK)

«

»