Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1325.

Mit der Heimat ist das so eine Sache

Gar ihrer 500: Donauschwäbische Geschenke an Baden-Württemberg

Heimatsachen – das sind zum Beispiel ein Gesangbuch aus dem Jahr 1913, das Dorfmodell von Nitzkydorf (dem Heimatort von Herta Müller), auf Schallplatten gepreßte Lieder einer Banater Husarenkapelle, Trachtenfiguren, „Schwaben Wein“ aus Rumänien oder ein Zuckerhut aus Serbien. Dies alles sind donauschwäbische Geburtstagsgeschenke an das Land Baden-Württemberg. Sie bilden die Grundlage für ein einzigartiges Projekt, das nun die gesammelten „Heimatsachen“ in einer Ausstellung präsentiert.

2012 feiert das Land Baden-Württemberg seinen 60. Geburtstag. Dies war Anlaß, die donauschwäbischen Heimatortsgemeinschaften zu bitten, dem Land ein symbolisches Geschenk – eben „Grüße zum badenwürttembergischen Geburtstag“ – zu überreichen. Das Geschenk sollte den Dank der Flüchtlinge, Heimatvertriebenen und Aussiedler für die von Baden-Württemberg übernommene Patenschaft zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig soll es zeigen, wie diese Menschen wie alle Migranten zum Wohlstand und zum Zusammenwachsen des Landes beigetragen haben.

Die Resonanz auf den Aufruf war überwältigend: Knapp einhundert donauschwäbische Heimatortsgemeinschaften und Vereine sind der Bitte einer Gruppe von Tübinger Studierenden nachgekommen. Die über 500 Geburtstagsgeschenke – 200 von ihnen werden gezeigt – sind seltene Erinnerungsstücke aus der alten Heimat in Ungarn, Rumänien, Serbien und Kroatien, aber auch Dinge, die die Verbundenheit der Geschenkgeber zu ihrer neuen Heimat Baden-Württemberg ausdrücken. Sie sind „Heimatsachen“ und berichten vom Leben in der „alten“ wie auch der „neuen Heimat“. In der Ausstellung werden die Geschenke mit kulturwissenschaftlichen Methoden befragt und zu Themeninseln zusammengestellt.

Der über 500seitige und reich bebilderte Ausstellungskatalog „Donauschwäbische Grüße zum baden-württembergischen Geburtstag“ dokumentiert die in der Ausstellung gezeigten „Heimatsachen“. Er stellt aber zudem in ausführlicher Weise die donauschwäbischen Heimatortsgemeinschaften dar und gibt in den wissenschaftlichen Aufsätzen einen anschaulichen Einblick in die Eigenheiten des donauschwäbische Lebens.

Die im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm mit dem Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde des Landes Baden-Württemberg ausgerichtete Ausstellung und der Katalog sind das Ergebnis eines Studienprojektes am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen. Elf Studierende haben im Rahmen ihres Masterstudiums das heutige Leben der Donauschwaben in Baden-Württemberg erforscht und die vielen Geschenke inventarisiert und befragt. Sie haben Interviews mit den Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften geführt und viel über die Integration der Donauschwaben in Baden-Württemberg erfahren.

(KK)

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