Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
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Ausgaben: Ausgabe 1254.

Plötzlich war Ferdinand Schichau da

Da, wo er einst war: doppelt „historischer“ Wettbewerb in Elbing

Das IX. Gymnasium in Elbing – vergleichbar mit einer Realschule in Deutschland – befindet sich in dem alten Schulgebäude zwischen Ziese- und H.W.-Straße, der früheren Schichau­- und der Elisabethschule. Das Gymnasium wird geleitet von der Direktorin Hanna Torgonska. Vor Weihnachten veranstaltete die Schule in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Deutschen Minderheit Stadt und Kreis Elbing einen Wettbewerb, den auf Vorschlag der Truso-Vereinigung die AGMO in Bonn finanziell förderte.

Es war ein historischer, in die Zeit der Stadt Elbing vor 1945 führender Wettbewerb, bei dem im Mittelpunkt die deutsche Sprache und die Persönlichkeit des Elbinger Industriepioniers und Ehrenbürgers Ferdinand Schichau standen. Die Schüler hatten künstlerische Präsentationen in deutscher Sprache vorbereitet und in einer Nachmittagsveranstaltung mit Musikbegleitung vorgestellt. Die im Gebäude eingerichtete Turnhalle – die alte auf dem Hof gibt es nicht mehr – war von den Schülerinnen und Schülern dem Wettbewerb entsprechend dekoriert. Die Nachbildungen der 1945 zerstörten Giebelhäuser bildeten dabei eine passende Kulisse. Es fand eine Aufführung statt, die im alten Elbing spielte. Der Geist Ferdinand Schichaus schwebte über der Handlung.

Für die Gäste war ein kaltes Büfett vorbereitet.

Zunächst zeigte eine Multimediaschau Bilder aus dem Leben und dem Werk des gebürtigen Elbingers Ferdinand Schichau. Es folgte die Begrüßung durch die Direktorin Torgonska. Dann ging der Vorhang auf. Die Zuschauer erlebten in einer abendlichen Stimmung und bei Musik eine Einführung in die Stadtgeschichte. Die Biographie des Geheimen Kommerzienrats und Fabrikanten wurde vorgetragen. Ferdinand Schichau hatte durch die Gründung seiner Maschinenbauanstalt 1837 die Stadt Elbing zur Industriestadt werden lassen. Neben seiner Maschinenbauanstalt errichtete er die F.-Schichau-Werften in Elbing und Danzig und die Lokomotivenfabrik in Elbing. Später kam der dritte Schiffbauplatz mit der F.-Schichau-Werft in Königsberg hinzu.

Es folgte die Verlesung der Wettbewerbsregeln und die Bekanntgabe der Teilnehmer und der Sieger, denen Mitglieder des Deutschen Vereins Preise überreichten. Die Vorsitzende Hilda Sucharski betonte die Bedeutung des Wettbewerbs und dankte der Schule für die Durchführung und den beteiligten Lehrern und Schülern für die Teilnahme. Die beste Arbeit wurde sogar vorgelesen. Anschließend gab es Rezitationen deutscher, aber auch polnischer Gedichte. Dazu gehörten in deutscher Sprache Goethes „Erlkönig“ und das Gedicht „Romantycznosc“ des polnischen Dichters Adam Mickiewicz.

Dann wurde wieder die Technik mit der erarbeiteten multimedialen Präsentation „Auf den Spuren Ferdinand Schichaus“ eingeschaltet, und schließlich die künstlerischen Arbeiten zum Thema wurden bewertet und schließlich ein Brief von Schichaus Ururenkelin Elisabeth van Scherpenberg-Schichau, Mitglied der Truso-Vereinigung, verlesen, auch in polnischer Übersetzung. Zum Abschluß spielte ein Schüler der ersten Klasse Franz Schuberts „Traum“ auf dem Klavier.

So endete ein bedeutungsvoller historischer Wettbewerb mit einer erlebnisreichen und sicher lange nachwirkenden Nachmittagsveranstaltung, der eine Kranzniederlegung am Schichau-Gedenkstein gegenüber dem Markttor vorausgegangen war. Das 1945 zerstörte Elbing war an diesem Nachmittag in Elbing auferstanden, und das in deutscher Sprache in einer polnischen Schule.

Hans-Jürgen Schuch (KK)

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