Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1386.

Reformation hat man nie ausgelernt

„Bönhasen, Störer und arme Prediger“ sowie „Mehr als Luther“ zeigt das Westpreußische Landesmuseum Warendorf

War damals etwa alles Gold, was glänzte? Danziger Abendmahlskrug
Bild: Museum

Am 31. Oktober 2017 jährte sich bekanntlich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Mit der eigenen Sonderschau „Bönhasen, Störer und arme Prediger – die städtische Reformation in Westpreußen“ erinnert das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf an die Entwicklung der Reformation vor allem in den großen westpreußischen Städten Danzig, Elbing und Thorn. Daneben wird aber auch die Situation in Kleinstädten berücksichtigt, wobei erstmals neueste Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

In einer Tafelausstellung wird die Entwicklung des reformatorischen Wandels im „Preußen königlich polnischen Anteils“, dem späteren Westpreußen, dargestellt. Die von Dr. Martin Steinkühler konzipierte und kuratierte Schau beleuchtet den reformatorischen Wandel, der in verschiedenen Landstrichen unterschiedlich verlief.

Im Königlichen Preußen, dem späteren Westpreußen, kam es am Beginn des 16. Jahrhunderts zu zahlreichen Konflikten. Insbesondere in den größeren Städten entzündeten sich diese an gesellschaftlichen Missständen. Zeitgleich entstand eine Opposition gegen die kritikwürdigen kirchlichen Zustände. Ein Schwerpunkt der Präsentation beschäftigt sich mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten jener Zeit. Dabei finden neben Bettelmönchen auch Bönhasen ihren Platz. Das sind Handwerker, die in keiner Zunft organisiert waren und somit kein Geschäft betreiben durften. Sie flüchteten bei Gefahr vor Entdeckung über die Dächer.

Der Protest der unteren Schichten gegen die herrschenden Patrizierfamilien wuchs ebenso wie die Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten mit den katholischen Pfarrern. Erwähnung finden Würdenträger, die ihre Gemeinden vernachlässigten und sie stattdessen von schlecht bezahlten Predigern betreuen ließen. Es folgte eine weitgehende Abkehr von der römisch-katholischen Kirche.

Die zweite Sonderausstellung, die im Westpreußischen Landesmuseum zu besichtigen ist, trägt den Titel „Reformation im östlichen Europa – Polen-Litauen und Preußenland“. Die deutsch-polnische Präsentation wurde vom Deutschen Kulturforum östliches Europa entwickelt. Die 15 reich bebilderten Banner sind Teil des großangelegten Ausstellungsprojektes im Rahmen des Jahresthemas „Mehr als Luther. Reformation im östlichen Europa“.

In der Ausstellung werden historische Daten und Fakten vermittelt, die darauf verweisen, dass in den früheren Ordensgebieten das Luthertum erst 1559 anerkannt wurde. Die reformierte (calvinistische) Glaubensrichtung hatte ihre Anhänger vor allem in Kleinpolen und in Litauen. In der sogenannten Konföderation von Warschau wurden 1573 allen konfessionellen „Dissidenten“ die gleichen Rechte zugestanden, die die Katholiken besaßen. Polen-Litauen bot religiöse Freiheit und wurde zum Zufluchtsland.

Im 17. Jahrhundert verschwanden die Reformierten nach Kriegswirren weitgehend. Die Lutheraner erhielten trotz Dezimierung Zuzug von deutschen Glaubensflüchtlingen aus Schlesien, die Böhmischen Brüder hingegen aus den böhmischen Ländern. Die Verfolgung der Evangelischen gipfelte im Kirchenbauverbot von 1717 und dem Blutgericht von Thorn 1724 und schließlich in einem Bürgerkrieg ab 1768.

Es gab und gibt auch über die aktuelle Präsentation hinweg Kooperationen mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa. So etwa vermittelt das Kulturforum Ausstellungen des WLM, wie z. B. „Fotografiert um die Jahrhundertwende. Hermann Ventzke (1847–1936) unterwegs mit der Plattenkamera“, umgekehrt werden Projekte des Kulturforums in Warendorf gezeigt. Darüber hinaus präsentiert die Institution verschiedene Publikationen des WLM auf Buchmessen und weist auf der eigenen Homepage unter anderem auf Leihausstellungen des Hauses hin.

D. G. (KK)

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