Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1385.

Reformation schlesischen Formats

Beitrag zum Gedenkjahr aus Görlitz

Mit der Wanderausstellung „Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder. 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“ und mit der Beteiligung an verschiedenen Programmen leistet das Schlesische Museum zu Görlitz einen Beitrag zum Reformations-Gedenkjahr. Die bereits von vielen evangelisch-augsburgischen Gemeinden ausgeliehene Präsentation wird zurzeit in Waldenburg (Wałbrzych) und auf dem Friedensplatz in Schweidnitz (Swidnica) gezeigt.

Die zahlenmäßig kleine Evangelisch-Augsburgische Kirche Polens – in Schlesien die Diözesen Wrocław, Katowice und Cieszyn – hat über das ganze Jahr hinweg mit mehreren Veranstaltungen die Besonderheiten des lutherischen Glaubens und der schlesischen Kirchengeschichte vorgestellt. So etwa trafen sich im September 500 Gläubige in der Friedenskirche zu Jauer, um an den vor 20 Jahren geschlossenen Partnerschaftsvertrag zwischen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg Schlesische Oberlausitz (EKBO) und der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens zu erinnern.

Auf Anregung des Bischofs der Diözese Breslau, Waldemar Pytel, wurde bei dieser Gelegenheit im Wald bei Konradswaldau (Kondratów), etwa vier Kilometer von Goldberg (Złotoryja) entfernt, ein Gedenkstein eingeweiht. Es handelt sich um ein Denkmal aus dem Jahre 1850, das den Standort einer Eiche würdigt, die im 17. Jahrhundert Treffpunkt für heimliche Gottesdienste und vor allem das Sakrament der Taufe gewesen war. Aus Anlass des Reformationsjubiläums wurde die von einem Blitzschlag zerstörte „Taufeiche“ restauriert. Die feierliche Segnung wurde von Bischof Pytel gemeinsam mit dem Berliner Bischof Markus Dröge vorgenommen, der bereits vorher in Jauer die Predigt gehalten hatte. Gemeinsam pflanzten die Geistlichen einen Eichenbaum. Die Andacht im Wald wurde von einem Posaunenchor aus dem Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz und dem Gesang der Gemeindemitglieder von beiden Seiten der Neiße begleitet.

Ein Stein für eine Eiche: Denkmal für den Ort heimlicher Gottesdienste bei Konradswaldau in Schlesien
Bild: Schlesisches Museum zu Görlitz

Zu einer weiteren Veranstaltung lud die Evangelisch-Augsburgische Gemeinde Lauban (Luban) gemeinsam mit ihren Partnern aus Deutschland in ihre Filialgemeinde Reichenau (Bogatynia) ein. Zum Programm gehörte ein Festakt zur Umbenennung der Kapelle auf dem evangelischen Friedhof in Evangelische Auferstehungskirche. Mit Unterstützung von Stiftern und Spendern aus Deutschland ist es der Gemeinde in den letzten Jahren gelungen, ihr Gotteshaus, die ursprüngliche Friedhofskapelle, zu sanieren und eine Gedenktafel einzuweihen.

Heute gehört Bogatynia zur Woiwodschaft Niederschlesien. Dort hat sich eine kleine evangelische Gemeinde erhalten, die zunächst durch die verbliebenen Deutschen getragen wurde. Die Betreuung der Gemeinde oblag über Jahrzehnte hinweg den Pfarrern der polnischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche aus Bad Warmbrunn (Cieplice). 2005 wurde in Lauban eine eigene Pfarrstelle eingerichtet, seitdem gehört Reichenau kirchlich zu Lauban.

Das Kulturreferat für Schlesien veranstaltete als Partner dieses Projektes gemeinsam mit der Gemeinde anschließend ein Seminar. Laut Dr. Annemarie Franke, der Kulturreferentin für Schlesien, ging es vorrangig darum, der Öffentlichkeit die Besonderheiten der Reformation in der Oberlausitz und die Beziehungen zu Schlesien nahezubringen. Als Referenten konnten Prof. Jan Harasimowicz aus Breslau, Margrit Kempgen von der Kirchlichen Stiftung Evangelisches Schlesien in Görlitz und Cornelius Stempel, Historiker aus Zittau, gewonnen werden. Ein Ausflug nach Zittau mit Besichtigung der großen Sonderausstellung „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ im Franziskanerkloster rundete das Programm ab.

(KK)

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