Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1370.

Rübezahl kam bis Iserlohn

Im Ostlandheim wird ein Vierteljahrhundert der Partnerschaft zwischen BdV und Kreuzenort gefeiert und eine Begegnungsstätte eröffnet

Seit einem Vierteljahrhundert bestehen freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Bund der Vertriebenen (BdV) in Nordrhein-Westfalen, insbesondere dem BdV Iserlohn, und Kreuzenort, einer Gemeinde bei Ratibor in Oberschlesien. Auch in diesem Jahr organisierte der BdV unter Federführung des unermüdlichen Oberschlesiers Hans-Joachim Muschiol, immerhin über 90 Jahre jung, mit seinen Helfern aus der Gruppe „Altvater/Rübezahl“ eine Zusammenkunft im Ostlandheim in Iserlohn.

Die oberschlesischen Gäste Gregor Swoboda, stellvertretender Bürgermeister von Kreuzenort, Blasius Hanczuch, Ehrenvorsitzender des Deutschen Freundeskreises (DFK) aus Benkowitz und Aktivist der ersten Stunde für die Sache der deutschen Oberschlesier, sowie der jetzige DFK-Vorsitzende von Tworkau, Bruno Chrzibek, stellten die südlich von Ratibor gelegenen Gemeinden vor, mit denen der Bund der Vertriebenen schon jahrzehntelange Verbindungen gepflegt hat und weiter pflegt.

Die Gemeinde Kreuzenort, ein früheres Zentrum der Adelsfamilie Lichnowski, besteht aus zehn Dörfern mit 13 000 Einwohnern, grenzt mit Oderberg an das früher deutsche, jetzt im Bereich der Tschechischen Republik gelegene Hultschiner Ländchen, mit dem enge Kontakte bestehen. Gregor Swoboda erläuterte humorvoll die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse in dieser schlesischen Gemeinde und wies auf die bestehenden Partnerschaften unter anderem mit Ratka (einer ursprünglich deutschen Gemeinde in Ungarn), dem bairischen Seeshaupt und dem Märkischen Kreis hin, letztere vor 15 Jahren von Landrat Steppuhn auf Vorschlag von Hans-Joachim Muschiol begründet. Die Lage zwischen den größeren Städten Ratibor, Kattowitz und Mährisch Ostrau begünstigt die Dorfgemeinden mit ihren alten Traditionen wie zum Beispiel Osterreiten, gemeinschaftlichem Federschleißen, Musik- und Tanzveranstaltungen sowie kirchlichen Festen.

Der DFK-Vorsitzende Bruno Chrzibek ergänzte diesen Bericht mit einer Darstellung der schulischen und kulturellen Bemühungen um die deutsche Sprache, die schon im Kindergarten geübt wird. Die Tanzgruppe „Tworkauer Eiche“ ist im heutigen Polen und europaweit bekannt geworden und wurde mehrfach ausgezeichnet. Chrzibek betonte die Verpflichtung für die ältere Generation in Oberschlesien, die Krieg, Vertreibung und Unterdrückung erlitten und überlebt hat. Tworkau, lange im Besitz der Adelsfamilie Saurma-Jeltsch, die weiter Anteil an ihrem alten Heimatort nimmt, kann eine wunderbare Peter-Paul-Kirche aus dem 17. Jahrhundert und eine prächtige Gruft mit Särgen der Familie von Reiswitz aufweisen. Das alte große Schloss ist seit 1945 eine Ruine. Alle Berichte wurden durch Filme illustriert und regten zu vielfältigen Fragen an.

Diesen stellte sich auch Landrat Thomas Gemke, der, gerade aus Ratibor kommend, die Bedeutung der Partnerschaft betonte, die Menschen unabhängig von der „großen Politik“ zusammenbringt. Rüdiger Goldmann wies als Gast auf die vielfachen Bemühungen des Bundes der Vertriebenen um eine Partnerschaft mit der heutigen Woiwodschaft Schlesien (früher Wojewodschaft Kattowitz) hin, die nach anfänglicher Zurückweisung dann seinerzeit von Ministerpräsident Clement doch noch beschlossen wurde. Auch das wichtige Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen, das die Regierung Schröder schließen wollte, konnte gerettet werden.

Den Zuhörern konnte in dreieinhalb Stunden am Beispiel der Gemeinde Kreuzenort ein anschaulicher Einblick in Geschichte, Kultur und gegenwärtige Verhältnisse in diesem südöstlichen Winkel Schlesiens gegeben werden. Am Samstag, dem 25. Juni, folgte dann noch die Eröffnung einer Ostdeutschen Kulturbegegnungsstätte mit der Enthüllung einer Eichendorff-Büste, geschaffen von Georg Laton, und einer Ansprache eines Nachfahren des Dichters, Gregor Freiherr von Eichendorff Graf Strachwitz.

Schlesien bleibt an vielen Orten präsent, hier wie dort.

Rüdiger Goldmann (KK)

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