Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1388.

„Sonderzüge in den Tod“

Ausstellung zum „schrecklichen Fatalismus“ auch der Bahngeschichte

Bretter des Unheils Bilder: Schlesisches Museum zu Görlitz

Für Görlitz spielt die Eisenbahn bis heute eine elementare wirtschaftliche Rolle, da sich hier nach 1847 eine umfangreiche Waggonbauindustrie ansiedelte, in der zahlreiche technische Innovationen entwickelt wurden.

„Achtung Zug! 175 Jahre Eisenbahn in Schlesien“ ist der Titel der aktuellen großangelegten Sonderausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz. Die dynamische Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Schlesien und der damit verbundene Aufschwung in Industrie und Tourismus werden anhand von zahlreichen unterschiedlichen Exponaten veranschaulicht. Dokumentiert wird u. a., dass in Görlitz in den 1930-er Jahren der Schnelltriebwagen „Fliegender Hamburger“ entstanden ist. Erwähnung finden auch der Werdegang des Waggonbaus in Niesky, der europaweit eine Spitzenposition in der Güterwagenherstellung einnimmt, sowie das Reichsbahn-Ausbesserungswerk Lauban, das noch bis zum Jahr 2000 als polnisches Unternehmen existierte.

Die Ausstellung wird während ihrer gesamten Laufzeit bis zum Herbst 2018 durch mehrere Sonderpräsentationen ergänzt. Vom 3. Februar bis zum 1. Mai 2018 ist die Präsentation „Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ zu sehen. Diese Schau beruht auf dem Konzept einer Wanderausstellung, die in den Jahren 2008 bis 2015 erstellt und in mehreren Städten gezeigt wurde. Die Deutsche Bahn AG setzte sich bei diesem Projekt mit der Geschichte ihrer Vorläuferorganisation in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander.

Eine Auswahl der Infotafeln ist im Schlesischen Museum zu sehen, so dass die Sonderausstellung „Achtung Zug!“ über die Entwicklung der Eisenbahn in Schlesien seit 1842 um ein wichtiges Kapitel ergänzt wird. Die Dokumente zeigen, wie die Deutsche Reichsbahn in das nationalsozialistische System eingebunden war. Aufgezeigt wird u. a., dass ohne das Mitwirken von Eisenbahnern an der Durchführung der Transporte die systematische Ermordung der europäischen Juden sowie der Völkermord an Sinti und Roma nicht möglich gewesen wären. Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg mehr als drei Millionen Menschen mit Zügen zu den nationalsozialistischen Vernichtungsstätten transportiert.

Personaldokumente, die man gerne vergessen möchte, die aber nicht zu vergessen sind

Das Schlesische Museum zu Görlitz hat die Dokumentation mit Informationen über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Schlesien und insbesondere in der Region um Görlitz ergänzt. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf das Geschehen in Breslau und im Lager Tormersdorf bei Rothenburg.

Die frühere Wanderausstellung entstand auf Grundlage der 2002 eröffneten Dauerausstellung im DB Museum in Nürnberg und in Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum sowie dem Deutschen Technikmuseum in Berlin.

(KK)

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