Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1381.

Vergänglichkeit, ein Thema von Dauer

Laaberer Kulturtage

Das Thema „Vertreibung“ setzte der Laaberer Michael Nigl in seiner Skulptur aus Schwemmholz, Weißblech und Eisen um – rätselhafter fast als die Geschichte
Bild: der Autor

Ein Markt im Tal der Schwarzen Laber im Landkreis Regensburg wagt den kulturellen Kontakt nach Böhmen bzw. Tschechien. Bereits zum zweiten Mal nach 2015 fanden in Laaber am letzten Wochenende im Mai die „Laaberer Kulturtage“ statt mit 13 Künstlern aus Bayern (vorwiegend der Oberpfalz), sieben aus Tschechien und drei Jugendlichen vom Team Bananenflanke Regensburg (behinderte und sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche). Die gemeinsame künstlerische Aufgabenstellung lautete „Vergänglichkeit“.

Dazu gab es in der Pfarrkirche St. Jakobus eine Ausstellung von Kunstwerken aller teilnehmenden Künstler. Darüber hinaus stellten an neun weiteren Orten die einzelnen Künstler ihre Objekte aus und standen an den Veranstaltungstagen auch für Gespräche zu ihrem Schaffen zur Verfügung. Darüber hinaus gab es eine Auftaktveranstaltung in der Laaberer Schule, wo das Thema „Hoffnung und Zukunft“ im Mittelpunkt stand, eine Führung auf der Laaberer Burg und zum Abschluss eine Lesung zum Thema „Vergänglichkeit“ von Andreas Beck, untermalt vom Gitarristen Stanislav Barek. Natürlich gehörte auch eine Führung durch alle zehn Ausstellungsorte zum Programm.

Dass die Veranstaltung bereits bei ihrer zweiten Auflage ein hohes Ansehen genoss, beweisen auch die zahlreichen Unterstützer. Neben örtlichen und regionalen Sponsoren, der Kommune und dem Landkreis förderten auch der Bezirk Oberpfalz, der Deutsch-Tschechische Kulturfrühling 2017 und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds die Veranstaltung.

Darüber freute sich auch der Schirmherr, Laabers Erster Bürgermeister Hans Schmid, ganz besonders. Vor allem dankte er den örtlichen Künstlern für die Vorbereitung und stellte fest, dass das Thema „Vergänglichkeit“ keine leichte Kost sei. Dies konkretisierte er am Ort des zentralen Zelts, wo in der Vergangenheit ein Wirtshaus mit dem Kommunbrauhaus stand, später ein Kloster mit Kindergarten, schließlich das Rathaus und Wohnungen, bis das Gebäude nur noch als Lagerraum diente und schließlich abgebrochen wurde. Auch verwies er auf die Räume der früheren Bäckerei Straubinger, in der ebenfalls allerhand Gegenstände gefunden wurden, die im Kontext „Vergänglichkeit“ zu sehen sind.

„Kunst gibt Lebenshilfe“, stellte Schmids Amtsvorgänger und nun stellvertretender Landrat Willi Hogger in seinem Grußwort fest. Er begrüßte insbesondere den „Brückenschlag zum Nächsten“ und das große „bürgerschaftliche Engagement“, das eine „Trumpfkarte für ein starkes Europa“ sei. „Genießen Sie die Künstler und deren Werke“, forderte Hogger die Gäste der Eröffnung auf. Und dies ließen sich die Besucher nach einem kurzen Small-Talk, einer kleinen Stärkung und Musik von Radek Švejda nicht zweimal sagen.

Denn an den zehn Ausstellungsorten waren vielerlei Kunstgattungen vertreten: Malerei, Zeichnung, Skulpturen, Metallarbeiten, Objektkunst, Fotografie/Collagen, Goldschmiedearbeiten, Schmuck. In jedem Fall interessant war der direkte Vergleich bei der gemeinsamen Ausstellung im Gotteshaus, wie die 20 Künstler das Thema „Vergänglichkeit“ umsetzten – unter anderem auch eine Skulptur aus mehreren Materialien mit dem Titel „Vertreibung“, die der Künstler Michael Nigl aus Laaber schuf. Oder Alžbeta Müllers „Forever?“, ein opulentes Werk (Acryl, Öl auf Leinwand). Dass hier auch einige nicht alltägliche Kreuz-Darstellungen (u. a. von Anna Beckstein-Pilz und Elfriede Pollinger) nicht fehlen dürfen, versteht sich fast von selbst. Oder – in Bayern – der „Boandlkramer“. Fast erheiternd waren da einige Todesanzeigen aus früheren Jahrzehnten, in denen mitunter besondere Eigenschaften der oder des Verblichenen nochmals ans Tageslicht kamen.

Markus Bauer (KK)

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