Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1390.

Verpflichtung zur Freundschaft

Deutsch-tschechische Begegnung in Regensburg

Trocken fröhlich: Bürgermeister Václav Chroust (links) überreichte an die Bischöfe Voderholzer und Holub, die auch Schirmherren des Symposiums waren, Regenschirme aus Klattau
Bild: der Autor

In drei Sprachen – Tschechisch, Englisch und Deutsch – steht der Begriff „Begegnungen“ als Motto über der Veranstaltungsreihe: „Setkávání – Encounters – Begegnungen“. Getragen wird diese von Deutschen und Tschechen aus der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Regensburg bzw. dem Bürgerverband Klattauer Katakomben sowie dem Akademischen Forum Albertus Magnus, Regensburg. Nun fand das zweite Symposium statt, das sich den tschechisch-deutschen Beziehungen von 1500 bis 1750 widmete.

Dass die Stadt Regensburg der Veranstaltung große Bedeutung beimisst, zeigte der Empfang von Kulturreferent Klemens Unger vor dem Symposium für die Organisatoren und Ehrengästen. Er verwies auf die „zutiefst katholisch“ geprägten historischen Beziehungen zwischen Bayern und Böhmen und erinnerte an viele Aktionen in diesem Themenfeld aus seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Ostbayern bzw. im jetzigen Wirkungsfeld bei der Stadt Regensburg. Diese von Unger geschilderten Ereignisse seien „Verpflichtung für uns alle, sich der Freundschaft und dem Austausch kultureller Werte bewusst zu sein und vor dem Hintergrund christlicher Werte Brücken zu bauen“.

Bei der feierlichen Eröffnung des Symposiums im Pfarrerstüberl des Bischofshofs erinnerte Professor Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus, an die nicht weit von diesem Ort im Jahr 845 vollzogene Taufe der 14 böhmischen Fürsten sowie an weitere Ereignisse der Beziehungen zwischen Regensburg und Böhmen. Bischof Voderholzer ging in seinem Grußwort auch auf das nächste wichtige Ereignis im Jahr 973 ein, als Bischof Wolfgang der Eigenständigkeit des Bistums Prag zustimmte, das 1344 zum Erzbistum erhoben wurde und aus dem im Jahr 1993 das Bistum Pilsen herausgelöst wurde. „Das Bistum Pilsen ist somit die Enkelin Regensburgs. In guter familiärer Gemeinsamkeit sind wir seither gut unterwegs und pflegen eine gute, freundschaftliche Nachbarschaft“, führte der Oberhirte aus. Auf die populistischen Strömungen in Deutschland und Tschechien machte der Pilsener Bischof Holub in seinem Grußwort aufmerksam. Daher sei das Symposium ein Beitrag, „eine bessere Welt zu bauen“ und Europa sowie dessen christliche Grundlagen zu verteidigen.

Der Klattauer Bürgermeister Rudolf Salvetr wünschte, dass durch Begegnungen wie diese „unsere beiden Länder und Europa offen bleiben“. Der Zweite Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg, Karl-Ludwig Ritzke, würdigte das Symposium als Beitrag zur Vertiefung einer deutsch-tschechischen Zukunft über die beiden Städte hinaus. Professor Dr. Marek Nekula, Leiter des Bohemicum und der Deutsch-Tschechischen Studien an der Universität Regensburg, beschrieb die Aktivitäten dieser Einrichtungen. Schirme aus Klattau übergab zum Abschluss der Eröffnung Václav Chroust den beiden Bischöfen, die ja als Schirmherren fungierten. Ganz besonders dankte er Dr. Jean Rutherford-Ritzke für die Federführung bei der Organisation des Symposiums. Chroust stellte dann kurz die Dokumentation des ersten Symposiums vor, die Bischöfe Voderholzer und Holub segneten die Bücher.

Der öffentliche Teil des Symposiums bot vier Vorträge zum Zeitraum 1500 bis 1750 in Bayern und Böhmen. Rund 40 Gäste aus Klattau und etwa 30 Interessenten aus Regensburg und der Diözese wohnten den Referaten bei, die Moderation oblag Professor Dr. Sigmund Bonk.

Zum Thema „Das Konzil von Trient (1545–1563) – Ausgangspunkt der katholischen Reform in Bayern und Böhmen“ referierte Bischof Voderholzer. Den „Einfluss der deutschen Reformation auf die künstlerischen Aktivitäten in Nordwestböhmen 1550 bis 1620“ behandelte Professor Dr. Jan Royt von der Prager Karlsuniversität. Ein heißes Eisen packte Dozent Dr. Tomáš Petrácek S. J., der ebenfalls an der Prager Karlsuniversität lehrt, an: „Der Weiße Berg als Symbol der Teilung und einer neuen Hoffnung“ hieß sein Vortrag. Er verhehlte dabei nicht, dass dieses Thema bis heute heftig diskutiert wird. Der an der Universität Regensburg lehrende Professor Dr. Thomas Kothmann widmete sich schließlich Philipp Melanchthon, „einem Lehrer von europäischem Rang“.

Am Nachmittag bot Bischof Voderholzer selbst eine Domführung für die Symposiumsteilnehmer. Mit einem von ihm und Bischof Holub als Hauptzelebranten gefeierten Pontifikalgottesdienst in der Kirche St. Kassian, der ältesten Pfarrkirche bzw. kleinsten Pfarrei Regensburgs, endete das Symposium.

Mit unterstützt wurde das Symposium vom Akademischen Forum Albertus Magnus im Bistum Regensburg, von der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt Regensburg und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Markus Bauer (KK)

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