Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1325.

Wenn der Pate am Mündel reift

60 Jahre Patenschaft Duisburg–Königsberg

„Wohl selten hat eine Patenschaftsverbindung so viel Gutes zustande gebracht wie die der Duisburger für die Königsberger“, betonte Klaus Weigelt, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr), anläßlich einer Festveranstaltung im historischen Rathaus von Duisburg. Die Feierstunde zum 60jährigen Bestehen der Patenschaft Duisburg–Königsberg war der Höhepunkt des jüngsten Königsberger Treffens. Ein umfangreiches Rahmenprogramm, zu dem die Besichtigung der Dauer- und Wechselausstellung im Museum Stadt Königsberg, der Vortrag von Lorenz Grimoni zur Geschichte der Patenschaft in der Karmelkirche sowie das Konzert des Staatlichen Symphonie-Orchesters Kaliningrad unter der Leitung von Arkadi Feldman in der Salvatorkirche gehörten, beleuchtete das Gestern und Heute der Städtepatenschaft.

Aus der im Museum Stadt Königsberg aufbewahrten Patenschaftsurkunde geht hervor, daß Duisburg „den heimatvertriebenen Königsbergern eine neue Stätte kultureller und geistiger Gemeinschaft“ geben wollte. Und abschließend heißt es dort: „In der Hoffnung, dass Duisburg ein lebendiger Sammelpunkt für die heimatvertriebenen Königsberger werde, wurde heute (7. September 1952) diese Urkunde ausgefertigt.“

Diese Hoffnung sieht Lorenz Grimoni, der Initiator und langjährige Betreuer des Museums Stadt Königsberg, erfüllt: „Denn in den 60 Jahren haben Königsberger aus der ganzen Welt in Duisburg, wie viele sagen, eine neue Heimat gefunden. Allen Duisburger Bürgern, in erster Linie ihren verständnisvollen und engagierten Oberbürgermeistern in den vergangenen 60 Jahren, sind die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Königsberg und Ostpreußen für diese Patenschaft sehr dankbar.“

Sören Link, der neue Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, bekannte sich in seinem Grußwort zur Fortsetzung der nunmehr 60jährigen Patenschaft der Stadt Duisburg für Königsberg. Beeindruckt zeigte sich Link insbesondere davon, daß die Vertreter der Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr) im Laufe der Jahre großen Wert darauf gelegt haben, der in den Anfangsjahren humanitär geprägten Patenschaft etwas zurückzugeben. Dies geschah in Form von verschiedenen „kulturellen Geschenken“, etwa die herausragenden Ausstellungen zu Käthe Kollwitz und Immanuel Kant im Museum Stadt Königsberg sowie der fruchtbare Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und russischen Kulturschaffenden. Auch der Vorsitzende Klaus Weigelt betonte in seiner Ansprache: „Unser Patenschaftsverhältnis ist keine Einbahnstraße. Es gab eine Zeit, in der die Hilfe für die Königsberger im Vordergrund stand und auch stehen mußte. Aber je reifer die Verbindung wurde, desto mehr konnten die Königsberger auch zurückgeben.“

Das Goldene Buch der Stadt Duisburg stand im Rahmen der Feierstunde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, als sich die Vertreter der Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr) im Beisein des Oberbürgermeisters als Ehrengäste eintrugen. Dabei wurde auch an das Königsberger Treffen in Duisburg anläßlich der feierlichen Verkündung der Patenschaft im September 1952 erinnert, als Agnes Miegel, Hellmuth Bieske, Fritz Gause, Erich Grimoni, Harrry Janzen und Walter Scheffler die Gelegenheit erhielten, sich in das Goldene Buch einzutragen.

Klaus Weigelt würdigte in seiner Ansprache insbesondere die Anfangsjahre der Patenschaft und hob dabei das Engagement und die Initiative einiger Königsberger hervor. Nicht unerwähnt blieb der geschichtliche Höhepunkt der 700-Jahr-Feier Königsbergs im Jahre 1955. „Nach Schätzungen der damaligen Presse hatten sich an die 60 000 Königsberger in Duisburg versammelt, so viele wie nie zuvor und auch später nie wieder“, erinnerte Weigelt. Mit der Patenschaft bot Duisburg den Königsbergern nach Krieg, Flucht und Vertreibung sowie in der Ungewißheit ihrer Zukunft einen Ort für zahlreiche Treffen mit Verwandten und Freunden. Seit 1960 wird der informative „Königsberger Bürgerbrief“ herausgegeben, dessen 80. Ausgabe übrigens im Winter 2012 erscheinen wird.

Das Jahr 1968 stand für die Eröffnung des „Hauses Königsberg“, das nahezu ein Vierteljahrhundert als Duisburger Heimat der Königsberger diente. Im Jahre 1992 wurde die Grundlage für das moderne Stadtmuseum Königsberg im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg geschaffen. Durch die Bereitstellung und Unterstützung des Museums half und hilft Duisburg auch heute noch, die  Erinnerung an die Geschichte und Kultur Königsbergs auf vielfältige Weise zu erhalten und durch eine Fülle von Veranstaltungen zu pflegen.

Vor 50 Jahren wurde die Königsberger Bürgermedaille geschaffen, die als Dank und Anerkennung an einige auserwählte Persönlichkeiten verliehen wurde. Im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 60jährigen Bestehen der Städtepatenschaft wurde die Bürgermedaille gleich mehrfach vergeben. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link nahm die Auszeichnung entgegen, die den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Rat der Stadt für die jahrzehntelange Treue und Solidarität verliehen wurde. Des weiteren erhielten drei Mitglieder des Clubs der Heimatforscher Kaliningrad die ehrenhafte Auszeichnung für ihre Sammelleidenschaft. Sie haben seit Jahrzehnten Dokumente, Bücher und Unterlagen gesammelt, aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die an die deutsche Vergangenheit Königsbergs erinnern. Eine weitere Königsberger Bürgermedaille wurde dem Autor Dr. Wulf Dietrich Wagner verliehen, der in einer umfangreichen Monographie das Königsberger Schloß aus bau- und kulturgeschichtlicher Sicht beleuchtet.

Dieter Göllner (KK)

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