Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR
Kulturportal Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Ausgaben: Ausgabe 1385.

Würden doch alle Gebote so eingehalten

Ellinger Ausstellung in Allenstein: 500 Jahre Reinheitsgebot – Bier und Brauereien in Ostpreußen

Wovon das Plakat kündet, das ist weitaus griffiger, sobald es auf Flaschen gezogen wird – und schmackhafter erst recht: Wolfgang Freyberg aus Ellingen (rechts) und Otto Tuschinski aus Allenstein
Bild: der Autor

In den Räumen der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit im Haus Kopernikus hat das Kulturzentrum Ostpreußen aus Ellingen die Ausstellung „500 Jahre Reinheitsgebot – Bier und Brauereien in Ostpreußen damals und heute“ eröffnet. Die zahlreichen Gäste konnten bei der Vernissage regionale Bierspezialitäten verkosten.

Dazu begrüßte Krystyna Płocharska, die Vorsitzende der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit, Wolfgang Freyberg, den Direktor des Kulturzentrums Ellingen, der für die zweisprachige Ausstellung verantwortlich zeichnet. Sie freue sich, dass die Wanderausstellung erstmals in Polen, nun in Allenstein gezeigt werde.
Anwesend war zudem Domherr André Schmeier, der römisch-katholische Seelsorger der deutschen Volksgruppe in der Archidiözese Ermland, für die deutsch-polnische Übersetzung sorgte Deutschlehrer Dawid Kazanski.

Wolfgang Freyberg ging in seiner Einführung auf die Schwierigkeiten ein, Belege zu finden, mit denen sich eine Alltagsgeschichte wie die des Bieres historisch darstellen lasse. Allerdings sei es erstaunlich, welche Gegenstände gesammelt werden und mit welcher Freude diese Sammler dann ein derartiges Unternehmen unterstützten. So konnte zu den teilweise bis zu 100 Jahre alten Fotodokumenten aus Archivbeständen des Kulturzentrums eine große Anzahl von Bierdeckeln, Brauereiaktien, Flaschenverschlüsse und Werbung für Bier aller Art in die Schautafeln eingearbeitet werden. Vor allem bei Flaschenetiketten aus der Zeit vor 1945 handelt es sich um hochwertige grafische Werke, die sich bis in die Gegenwart weiterentwickelt haben.

In Ostpreußen hat das Braugewerbe eine lange Tradition. Seit dem Mittelalter stand das Bierbrauen im Preußenland in hoher Blüte und entwickelte sich mit der Entstehung der Städte. Auf den 32 farbig gestalteten Tafeln mit Beschriftung in deutscher und polnischer Sprache ist die Geschichte der wichtigsten Braustätten sowie die Entwicklung der früheren Hausbrauereien mit den am Grundstück verankerten Braurechten mit zahlreichen historischen Fotos und Ansichtskarten beschrieben.

Gerade in Königsberg musste man ein entsprechendes Grundstück besitzen, um Bier herstellen zu können. Um 1750 gab es dort 253 derartige Grundstücke, 1781 existierten 224 Brauhäuser, die bis 1855 auf 30 zusammenschmolzen. Beschrieben sind die Brauereien Ponarth, Schönbusch und Ostmark, ferner Wickbold und Hufen.
Aber nicht nur auf die Hauptstadt Ostpreußens konzentrierte sich das Brauwesen: Kinderhof in Gerdauen, Bürgerliches Brauhaus in Insterburg, Vereinigte Brauereien Gumbinnen, Memeler und Tilsiter Actien-Brauerei sowie weitere Betriebe in Heiligenbeil, Labiau, Fischhausen, Palmnicken, Eydtkuhnen, Frauenburg, Heilsberg und Osterode hatten zumindest einen Bierhersteller.

Ein weiteres Kapitel ist der „Bierstadt“ Elbing gewidmet, die im 14. Jahrhundert 150 Braustätten zählte. Dort wird die Geschichte der Brauerei Englisch Brunnen, wohl einer der bekanntesten Betriebe dieser Sparte, ausführlich erläutert. Die Vorstellung der Bergschlösschen-Brauerei in Braunsberg und der Waldschlösschen-Brauerei in Allenstein runden das Thema ab.

Viele dieser Braustätten sind in den Kriegswirren verschwunden, aber einige von ihnen existieren noch in den alten Mauern. Švyturys-Utenos alus ist die ehemalige Memeler Actien-Brauerei. Sie ist die größte Brauerei Litauens und hat mit „Memelbräu“ ein Traditionsbier im Angebot. Die ehemalige Ostmark-Brauerei in Königsberg, die der Heineken-Gruppe aus den Niederlanden gehört, braut Bier mit dem Namen „Königsberg“, und auch in Elbing ist die der gleichen Unternehmensgruppe angehörende Elbrewery aktiv.

In die zu dieser Ausstellung erschienene Begleitbroschüre wurden die vielen Sammlerstücke in einer Neuauflage eingearbeitet. Die Publikation kann beim Kulturzentrum Ostpreußen, Schlossstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon 09141-86440 oder unter info@kulturzentrum-ostpreussen.de für 8 Euro zuzüglich Versand erworben werden.

M. Fritsche (KK)

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